Trullo statt Rustico - Die besten Wohnlagen für Ferienimmobilien in Italien

Viele Einheimische wollen sich von ihrer Immobilie trennen, doch sie können es sich leisten, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten. Objekte in der Toskana oder in Ligurien werden daher kaum günstiger. Interessenten weichen ins ursprüngliche Apulien aus.\r\n\r\nAntonio Vincenti aus dem süditalienischen Städtchen Ostuni ist ein ruhiger und freundlicher Mann. Das ändert sich schlagartig, wenn der Immobilienmakler auf die Finanzkrise zu sprechen kommt, die sich mittlerweile auch in ­seiner Heimat bemerkbar macht: „Die Italiener kaufen einfach keine Häuser mehr“, stöhnt Vincenti. Schuld daran seien die Banken, die nur noch zögerlich Kredite gäben, zumal im Zuge der Rezession immer mehr Menschen ihre Arbeit verlören.\r\n\r\nAuch auf die neue Regierung von Premier Mario Monti ist Vincenti nicht gut zu sprechen. „Wenn er so weitermacht, treibt er uns in den Ruin“, schimpft der Makler, während er die Tür zu einem ­geschmackvoll eingerichteten Landhaus öffnet. Um den Staatshaushalt zu sanieren, hat der neue Regierungschef nicht nur die von seinem Vorgänger Berlusconi abgeschaffte Grundsteuer wieder eingeführt, sondern zudem die Abgaben für Zweitwohnungen merklich erhöht. Die Imposta Municipale Unica (IMU) ersetzt die bisherige kommunale Immobiliensteuer. „Wer im Sommer ein Haus kauft, muss im Dezember wohl die erste Rate der neuen IMU zahlen“, sagt Doris ­Reichel, Inhaberin der Anwaltskanzlei Reichel und Autorin des Standardwerks „Ferienimmobilien in Italien“.\r\n\r\nMakler Vincenti ist auf die Dach­terrasse des Hauses gestiegen und weist über endlose Olivenhaine bis zum Meer hinunter: „Ist das nicht wunderschön?“ Die bisherigen Besitzer, zwei Architekten aus Mailand, müssen verkaufen. „Ein Ferienhaus ist für viele ein Luxus geworden, den sie sich nicht mehr leisten können“, so Vincenti.\r\n\r\nDie Statistik deutet in dieselbe Richtung: Im ersten Quartal 2012 wurden fast 20 Prozent weniger Wohnimmobilien gekauft als im Vorjahreszeitraum. In den vergangenen sechs Jahren sei die Nachfrage sogar um fast 40 Prozent gesunken, sagt Carlo Giordano, Geschäftsführer von Immobiliare.it, dem größten Immobilienportal in Italien. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass Ferienhäuser in Italien jetzt verramscht werden. Trotz der geringeren Nachfrage sanken die Preise für ­Feriendomizile in den vergangenen zwölf Monaten lediglich um rund fünf Prozent, so Giordano.\r\n\r\nDer Grund: In Italien sind Häuser überwiegend in Privatbesitz. Damit ist ausgeschlossen, dass Investoren Immo­bilien zu Spottpreisen auf den Markt ­werfen und es zum großen Ausverkauf wie in Spanien kommt. Die privaten Verkäufer, die es sich leisten können, warten lieber auf bessere Zeiten, als mit ihrer Forderung deutlich herunterzugehen.\r\n\r\n„Der gesamte Markt ist nicht wesentlich günstiger geworden, man findet nur vereinzelt günstige Gelegenheiten“, erklärt Giordano. Das sei etwa dann der Fall, wenn kleinere und mittelständische Unternehmer versuchten, ihr Ferienhaus schnell zu verkaufen, um den Betrieb durch die Krise zu retten. Zwar haben die Preise auch in teuren und bei den Deutschen besonders beliebten Regionen wie der Toskana nachgegeben, „Schnäppchenniveau ist dennoch nicht zu erwarten“, meint Stefano Guelfi, Makler aus Cecina. Schon gar nicht im Luxussegment. Interessenten, die nach Objekten im Millionen-Euro-Bereich suchen, dürfen nach wie vor nicht auf große Nachlässe hoffen. Im Gegenteil: Makler berichten, dass die Nachfrage nach repräsentativen Villen steigt. Ein Trend, der sich in vielen Regionen Italiens abzeichnet.\r\n\r\nWeil die einheimischen Käufer mehr und mehr wegbrechen, konzentrieren sich Makler wie Vincenti auf die Klientel aus dem Ausland. Auf seiner Website ­erklärt der italienische Maklerverband FIAIP potenziellen Käufern auf Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch, worauf es beim Immobilienerwerb in Italien ankommt. Denn, Krise hin oder her, die Faszination von Bella Italia hält an: Fast 20.000 Deutsche suchen jeden Monat allein auf dem Portal Immobiliare.it nach Angeboten für Feriendomizile. Im Schnitt sind sie bereit, 300.000 bis 400.000 Euro auszugeben. Für den Traum vom rustikalen Landsitz oder der charmanten Maisonette am Meer reicht das jedoch meist nicht aus. In der Toskana oder in Ligurien etwa sind Quadratmeterpreise von 3000 bis 4000 Euro keine Seltenheit.\r\n\r\nManch einer weicht da auf das benachbarte Umbrien oder die Marken aus, wo Landhäuser 30 bis 50 Prozent günstiger sind. Newcomer unter den Lieblingsregionen ausländischer Käufer ist Apu­lien. Die dünn besiedelte Ecke im Süd­osten Italiens bezaubert durch ihre Ursprünglichkeit und vergleichsweise günstigen Immobilien. Kostet eine herrschaftliche Villa in der Toskana 1,5 Mio. Euro, so ist sie in Apulien für weniger als die Hälfte zu haben.