Köln, 9. November 2005 - Am 22. November treffen sich die Europa-Spitze von Unilever und die Betriebsratsvorsitzenden der europäischen Töchter zum Krisengipfel. Wie das Wirtschaftsmagazin Capital berichtet (Ausgabe 24/ 2005, EVT 10. November), nehmen an dem Treffen am Rotterdamer Konzernsitz Unilever-Europa-Chef Kees van der Graaf und sein für die Tiefkühlsparte verantwortlicher Manager Bernd Ellmann teil.
Wie Capital weiter berichtet, drängen die deutschen Arbeitnehmervertreter zumindest auf einen Aufschub der Auslagerungen im IT-Bereich. 150 Jobs stehen dort zur Disposition. Am 1. Dezember informieren die Betriebsräte zeitgleich die Unilever-Belegschaft an allen europäischen Standorten über die Verhandlungen - ein Novum in der 75-jährigen Firmengeschichte. Anfang 2006 muss sich Konzernchef Patrick Cescau der Kritik des Weltbetriebsrats auf dessen Plenarversammlung stellen.
Die geplante Auslagerung der Bereiche Finanzen, Personalverwaltung und IT erzürnt die Belegschaft, gut 300 Mitarbeiter sind insgesamt betroffen. Die designierten Vertragspartner Accenture (IT) und IBM (Finanzen, Personal) prüfen derzeit die Bücher. Vorgesehen ist der Abschluss eines Dienstleistungsvertrags für sieben Jahre. Die Folgen für die Mitarbeiter variieren: Während Accenture einen Großteil der Unilever-Mitarbeiter am Standort Hamburg zu gleichen Konditionen für zunächst drei Jahre übernehmen will, rechnet IBM eine Verlagerung von Finanzen und Personalverwaltung ins Ausland durch.
Deutschland-Chef Henning Rehder übt Selbstkritik: "Wir haben uns lange auf die Restrukturierung fokussiert - und nicht ausreichend auf den Markt." Eine neue Verkaufsorganisation, die er Ende November Mitarbeitern und Kunden präsentieren will, soll Abhilfe bringen. Großkunden wie Edeka und Lidl will Rehder künftig individueller betreuen. Sondergrößen und Spezialverpackungen sollen den Bedürfnissen der Einzelhändler entgegenkommen. "Wir stellen uns in Zukunft nicht mehr einheitlich, sondern noch kundenspezifischer als bisher auf", kündigt er an.
Für den stellvertretenden Aufsichtsratschef und Betriebsratschef Günter Baltes ist die diskutierte Trennung von der Tiefkühlkostsparte "blanker Unsinn". Iglo & Co. erreichen Cescaus ambitionierte Vorgaben allerdings nicht: Der Konzernchef fordert deutlich mehr als 15 Prozent Marge, derzeit liegt sie konzernweit bei 14,4 Prozent, die Tiefkühlkost erreicht acht bis zehn Prozent.
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