Köln, 22. Juni 2005 - Nach dem Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanesischen Elektronikkonzern BenQ will sich Siemens von weiteren Aktivitäten im Geschäftsbereich Communications trennen. Das steht in einer vertraulichen Vorlage von Bereichsvorstandschef Lothar Pauly. Wie das Wirtschaftsmagazin Capital (Ausgabe 14/2005, EVT 23. Juni) berichtet, bekennt er sich darin ausdrücklich zu einer "Portfoliobereinigung" sowie einer "Konzentration auf ausgewählte Geschäftsfelder wie Mobile Netze, Breitbandzugang und Services". Er kündigt die "Separierung" und den "Cash out" von Aktivitäten und das "aktive Screening möglicher Partnerschaften" an. In einem "strategischen Ausblick" macht er klar, dass es ohne "Kapazitätsanpassungen" nicht weitergeht: Die "Restrukturierung in Hochlohnländern" sei verbunden mit einer "weiteren Verlagerung in Niedriglohnländer".
Die regionale Verteilung von Umsatz und Mitarbeitern im Geschäftsbereich Communications ist dem Siemens-Vorstand laut Capital ein Dorn im Auge. In Deutschland, das 22 Prozent der Erlöse bringt, arbeiten rund 44 Prozent der Belegschaft. Zudem ist Siemens in den Wachstumsregionen Amerika und Asien, die 37 bzw. 29 Prozent des Weltmarkts stellen, mit einem Umsatzanteil von 14 sowie zwölf Prozent nur schwach vertreten.
Offiziell gibt Siemens im Geschäftsbereich Communications nur für die Mobiltelefone detaillierte Zahlen heraus. Interne Zahlen offenbaren, wie im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2004/05, das im September endet, die übrigen sieben Geschäftsgebiete abgeschnitten haben. Nur drei schafften dem Capital-Bericht zufolge die von Vorstandschef Klaus Kleinfeld geforderte Umsatzrendite von acht bis elf Prozent. Dies sind die Bereiche Mobile Netze mit 8,4 Prozent, Funkmodule mit 8,8 Prozent und Dienstleistungen für Telefonkonzerne mit 13 Prozent. Die drei Bereiche machen aber nur 35 Prozent des gesamten Umsatzes der Kommunikationssparte aus.
Die restlichen fünf Geschäftsgebiete liegen bei der Rendite deutlich schlechter. Neben den Handys, die im ersten Halbjahr ein Minus von 280 Millionen Euro verbuchten, schrieb auch das Festnetz mit minus 60 Millionen Euro rote Zahlen. Beim Geschäft mit Unternehmenskunden erzielten die Geschäftsgebiete Systeme und Services gerade mal eine Umsatzrendite von 1,4 sowie 2,9 Prozent. Auch die 6,9 Prozent bei schnurlosen Endgeräten, die Siemens derzeit in eine rechtlich selbstständige Einheit ausgliedert, überzeugten nicht: Im ersten Quartal lag die Marge bei 8,1 Prozent, im zweiten Quartal nur noch bei 3,7 Prozent, weil sich, so die Analyse, "zunehmend asiatische Lowcost-Anbieter bemerkbar machen".
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