Trotz Pisa-Pleite und häufiger Lehrer-Schelte gibt es in Deutschland viele Schulen, die ein erstklassiges Bildungsangebot offerieren. Wie jetzt das Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 13/2005, EVT 9. Juni) in Kooperation mit Microsoft Deutschland im Rahmen einer umfangreichen Studie über die Qualität deutscher Schulen herausfand, können die 100 besten Schulen im europäischen Bildungswettbewerb durchaus mithalten und als Vorbild für engagierte Ausbildung gelten. Grundlage dieses Rankings waren insgesamt 20 Kriterien in den vier Kategorien Schülerbetreuung, Ausstattung, Kursangebot und Kommunikation. Insgesamt wurden 3.480 Gymnasien, Gesamt- und Waldorfschulen befragt, 575 Schulen antworteten.
Das Bonner Marktforschungsinstitut Europressedienst führte die Untersuchung durch. Auf die ersten drei Ränge schafften es das Gymnasium Achern, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Halberstadt und die Gesamtschule Bonn-Beuel mit einer Gesamtwertung von um 60 von 100 maximal erreichbaren Punkten. "Deutschland hat sehr viele Schulen, die weitaus besser sind als ihr Ruf und die vor allem auch im internationalen Vergleich sehr gut abschneiden", fasst der Chef des Europressedienstes, Michael Forst, die Ergebnisse zusammen. Kaum bedeutend für die Qualität einer Schule scheint nach der Studie auch zu sein, ob ein Schulgeld erhoben wird oder nicht, denn von den Top-Ten-Gymnasien sind laut der 'Capital'-Liste sechs staatliche und vier private Anbieter.
Berufsvorbereitung für viele Schulen von großer Bedeutung
Wie die 'Capital'-Studie zeigt, sitzen im Durchschnitt in einer deutschen Schulklasse mit 27 Schülern zwar mehr als in den Unterrichtsräumen anderer Länder, dafür ist aber das Bildungsangebot insgesamt groß. So bieten laut der Untersuchung neun von zehn Schulen Berufspraktika und zwei Drittel auch Bewerbungstrainings. Bei der Vorbereitung in den Berufseinstieg könnten die Schulen nach Ansicht des Chefs von Microsoft Deutschland, Jürgen Gallmann, "die Teamfähigkeit der Schüler durch das Lernen in Gruppen noch besser stärken". Weiterhin verfügen 40 Prozent der Klassenräume zumindest über einen PC und an gut einem Drittel der Schulen (36 Prozent) werden Fremdsprachen von Muttersprachlern unterrichtet. Erstaunlich angesichts der teilweise dünnen Personaldecke in den Lehrerkollegien und der öffentlichen Diskussion erscheint das Ergebnis, dass im letzten Schuljahr bei den untersuchten Schulen nur 3,6 Prozent der Unterrichtsstunden ausgefallen sind.
Bayern und Nordrhein-Westfalen im Bildungswettbewerb vorn
Bayern und Nordrhein-Westfalen führen mit 15 bzw. 16 Schulen unter den 'Capital'-Top-100-Schulen die Hitliste der Bundesländer an. Auf Platz drei findet sich mit zwölf Schulen Niedersachsen, dicht gefolgt von Sachsen mit elf Schulen. Aus Schleswig-Holstein konnte sich keine Schule unter den 100 Besten platzieren. Obwohl sich die Kultusminister des Saarlandes, Sachsen-Anhalts und Thüringens gegen die Befragung aussprachen, nahmen einige Schulen trotzdem teil.
"Dass selbst bei leeren öffentlichen Kassen Schulen erstklassiges Lernmaterial zur Verfügung stellen können, zeigt das staatliche Gymnasium Achern als Gesamtsieger vorbildhaft", so 'Capital'-Chefredakteur Kai Stepp. Mit großem Engagement kämpft Schulleiter Paul Droll bei Ämtern und Unternehmen um Zuschüsse und Sponsorengelder. In seiner Schule wird auf Kunst ebenso viel Wert gelegt, wie auf Deutsch oder Mathematik. Eine individuelle Betreuung ebenfalls ohne Schulgeld bietet das zweitplatzierte Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Halberstadt, wo Schüler schon früh auf das Berufsleben vorbereitet werden. Schuldirektorin Christine Schönefeld ermöglicht ihren Schülern ein Praktikum in der Chefetage eines ihrer 90 Partnerunternehmen. Auch die drittplatzierte Gesamtschule Bonn-Beuel bietet ihren Schülern eine breite Lernpalette: Von der Theater-AG, über Computerschulungen bis hin zum Chinesisch-Unterricht reicht das Angebot, das Schulleiter Jürgen Nimptsch und sein Kollegium verantworten.
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