18.09.2008

Foto: capital.de

Editorial 13/2008

Lafontaines volkseigene Betriebe

Der bestgelaunte Politiker derzeit ist ­Oskar Lafontaine. Seiner Linken treiben die Irrungen und Wirrungen in der SPD massenhaft Wähler zu. So gestärkt zieht er nun durchs Land und verkündet seine Wahlversprechen – stets maliziös ­lächelnd, meist rhetorisch brillant. Er versteht es, selbst größte Grausamkeiten in heiterem Parlando zu verkünden – und auf die sanfte Tour die Zuhörer zu betören.



Seine Vergangenheit als recht erfolgreicher Oberbürgermeister in Saarbrücken und Ministerpräsident des Saarlandes macht viele glauben, dass Lafontaine letztlich schon nicht so radikal sei, sondern – einmal in der Verantwortung – wohl sehr pragmatisch.

 



Das Gegenteil ist richtig: Lafontaine war noch nie so radikal wie heute. Was er auch offen zugibt. Das sozialistische Gedankengut seiner alten PDS-Getreuen will er nicht etwa entschärfen, sondern Eigentumsverhältnisse durchsetzen, wie sie im alten Jugoslawien herrschten. So kritisierte ­Lafontaine beim Capital Automobil Gipfel in Berlin das Entstehen ­großer Familienvermögen in Deutschland. Das Video finden Sie im Inter­net unter  www.capital.de/lafontaine.

Konkret nannte er die Schaeffler-Gruppe, die inzwischen den Auto­zulieferer Continental kontrolliert, und deren Inhaber. "Kein Mensch", so der Vorsitzende der Linkspartei, "könne ein Vermögen von zehn Milliarden auf verfassungsgemäße Weise anhäufen." Vielmehr sei der Reichtum dieser Familie "das Ergebnis einer fortdauernden Enteignung der Belegschaft mit deren großem Beitrag zu Produktivität und Wertschöpfung". Lafontaine forderte "die Rückübereignung an die rechtmäßigen Eigentümer, nämlich an die Belegschaft".

Niemand soll sich vom heiteren Antlitz des Sozialismus, den Lafontaine in seiner Rhetorik inszeniert, blenden lassen. Was er betreibt ist nicht weniger als eine Rückkehr in die grauen Zeiten der volkseigenen ­Betriebe.

 Diskutieren Sie mit - in meinem Blog unter www.klaus-schweinsberg.de


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Quelle: FMH-Finanzberatung
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