Seine Vergangenheit als recht erfolgreicher Oberbürgermeister in Saarbrücken und Ministerpräsident des Saarlandes macht viele glauben, dass Lafontaine letztlich schon nicht so radikal sei, sondern – einmal in der Verantwortung – wohl sehr pragmatisch.
Das Gegenteil ist richtig: Lafontaine war noch nie so radikal wie heute. Was er auch offen zugibt. Das sozialistische Gedankengut seiner alten PDS-Getreuen will er nicht etwa entschärfen, sondern Eigentumsverhältnisse durchsetzen, wie sie im alten Jugoslawien herrschten. So kritisierte Lafontaine beim Capital Automobil Gipfel in Berlin das Entstehen großer Familienvermögen in Deutschland. Das Video finden Sie im Internet unter
www.capital.de/lafontaine.
Konkret nannte er die Schaeffler-Gruppe, die inzwischen den Autozulieferer Continental kontrolliert, und deren Inhaber. "Kein Mensch", so der Vorsitzende der Linkspartei, "könne ein Vermögen von zehn Milliarden auf verfassungsgemäße Weise anhäufen." Vielmehr sei der Reichtum dieser Familie "das Ergebnis einer fortdauernden Enteignung der Belegschaft mit deren großem Beitrag zu Produktivität und Wertschöpfung". Lafontaine forderte "die Rückübereignung an die rechtmäßigen Eigentümer, nämlich an die Belegschaft".
Niemand soll sich vom heiteren Antlitz des Sozialismus, den Lafontaine in seiner Rhetorik inszeniert, blenden lassen. Was er betreibt ist nicht weniger als eine Rückkehr in die grauen Zeiten der volkseigenen Betriebe.
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