29.02.2008

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Debatte

Nutzt die Managerschelte

Rotweinsausen im Kanzleramt mit Konzernchefs, ein Regierungschef mit der Attitüde des Genossen der Bosse. Gerade mal drei Jahre ist diese Show her, doch erscheint es wie eine Ewigkeit: Die noch vor Kurzem Hofierten sehen sich an den Pranger ­gestellt.

Die Korruptionsskandale bei VW und ­Siemens, exorbitante Managergehälter, die Steuer­hinterziehung des ehemaligen Postchefs Klaus Zumwinkel – die Fehltritte und Charakterlosigkei­ten Einzelner nehmen Politik und Öffentlichkeit zum Anlass, gleich die gesamte Wirtschafts­elite in Sippenhaft zu nehmen. "Korrumpiert" sei sie, "Raffgier" und "Moralverfall" werden ihr testiert, mit "Spitzbuben" und "den neuen Asozialen" wird sie gleichgestellt. Können sich die Deutschen von dem Manager-Bashing Vorteile erhoffen?

Pro.

Auch wenn beileibe nicht jedes öffentlich gefällte Urteil unterschrieben wird, so ist man selbst in nächster Nähe der Kanzlerin nicht unglücklich, dass die Manager Gegenwind zu spüren bekommen. Der könne helfen, die Balance in der Gesellschaft wiederherzustellen und zu sichern. Die ­immer größeren Zahlen bei Umsätzen, Deals und Börsenbewertungen haben die Welt der Top-Mana­ger aus den Fugen geraten lassen. Die Amerikanisierung der Unternehmensverfassung, die an der Spitze das Kollegial- durch das Alleinherrscherprin­zip verdrängt, ist dazu angetan, Allmachtsgefühle zu wecken.

Ob in der Politik oder Wirtschaft, es gilt: Macht tendiert zu korrumpieren, absolute Macht tendiert, absolut zu korrumpieren. Deutliche Kritik an den Managern könne den Eindruck einer Kumpanei zwischen Politik und Wirtschaft korrigieren, den Gerhard Schröders Verbrüderungs­gehabe ausgelöst habe, so ein Vertrauter der Kanzlerin. Dies trage dazu bei, dass die Bürger ihre poli­tischen Repräsentanten wieder als faire Schiedsrichter beim Interessenausgleich wahrnehmen.

Kontra.

Dem Land ist nicht gedient, wenn die Gesellschaft ihre Wirtschaftsführer zu Aussätzigen stempelt. Denn der Gesetzgeber braucht den Rat der Manager. Ihre internationale Erfahrung berei­chert die wirtschaftspolitische Debatte. Zwar erwecken Politiker gerne den Eindruck, als ob Mittelständler und Familienunternehmer die Lücke schließen könnten. Diese Einschätzung verkennt jedoch, dass die Wirtschaft nicht in getrennten Welten funktioniert, sondern in symbiotischen Netzwerken: In ihnen bilden die wenigen Großen das Zentrum, sie sind Impulsgeber für jeweils Zehntausende von kleinen und mittleren Firmen.

Die Spitzen von Politik und Wirtschaft benötigen einander. Die Regierung kommt immer wieder in Situationen wie im letzten Jahr, als sie aus industriepolitischen Gründen das Aktienpaket an dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS in Deutschland halten wollte, das bei Daimler zum Verkauf stand. Da rief die Kanzlerin bei Top-Bankern an, und viele stellten die patriotische Pflicht über das Renditekalkül und beteiligten sich an dem Deal. Aktuell reift ein neues Projekt: das Schmieden eines zweiten nationalen Bankkonzerns. Auch da geht es nicht ohne gegenseitiges Vertrauen. Und nur wenn die Gesellschaft ihren Top-Managern das Gefühl von Rückhalt verleiht, haben die das Standvermögen, um aggressiven, auf den schnellen Euro erpich­ten Investoren im Aktionärskreis die Stirn zu bieten.

Lösung.

Gesucht ist das richtige Maß von Nähe und Distanz zwischen Politik und Wirtschaft sowie die Einbettung der global agierenden Elite in die nationale Gesellschaft. Eine mit kühlem Kopf ­geführte Debatte kann Maßstäbe bilden und zu einem Grundkonsens führen. Aber die Kritik ist ausgeartet, sie zerstört die Autorität der Manager. Die Politik muss den Krieg der Worte beenden. Wer gehofft hat, mit Kampfrhetorik der Linkspartei das Wasser abgraben zu können, müsste spätestens nach deren Erfolg auch bei der Wahl in Hamburg eines Besseren belehrt sein. Die Politik soll und darf keine Verfehlungen unter den Teppich kehren.

Aber sie kann die Corporate-Governance-Vorschrif­ten verschärfen. Warum nicht der Empfehlung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger folgen und eine wirklich umfas­sende Veröffentlichungspflicht für Gehälter von Managern mit hervorgehobener Funktion einführen? Warum nicht Steuerregister öffentlich aus­legen, was selbst in einigen Schweizer Kantonen Usus ist? Transparenz beugt Fehlentwicklungen vor. Öffentlichkeit sorgt für Kontrolle.


© 2008 capital.de

Was die Leser sagen

Melanie Gatzke
10.03.2008 | 08:29
Nutzt die Managerschelte

Ein schön geschriebener Artikel. was sein sollte, wie sich alle verhallten sollten.
Ein Appel an die Vernunft, eine Glaubensrede an das Vertrauen und die Vorbeugung von Missbrauch durch Offenlegung der Gehälter und Transparenz.
Ein frommer Wunsch, über diese Phase sind wir längst hinweg. Die Abgebrühtheit hat längst ein anderes Stadium, ein grenzenloses Ausmaß erreicht.
Das war einmal.
Was juckt diejenigen die "Bitte" um dies oder jenes, die bitte um Moral,um Anstand, um Offenlegung.
Dann legen sie halt offen, na und. Deswegen reißen sie keinen Cent weniger an sich, deswegen werden sie freiwillig keinen Schritt in Richtung "Anstand",zurückrudern, so wie die Menschen sich das denken.
Sie haben längst "ihre Regeln" von modernem Verhalten, von moderner Moral etabliert.
Die agierende Elite hat längst ihre eigenen Gesetze. Freiwillig werden sie diese nicht mehr ändern.
Da sind sich alle ähnlich.
Sie schreiben:
Zitat:
Aber die Kritik ist ausgeartet, sie zerstört die Autorität der Manager. Die Politik muss den Krieg der Worte beenden.
---
So ist es. Den Krieg der Worte zu beenden ist sinnvoll, weil es sinnlos wäre weiter zu debattieren.
Reden schafft keine Veränderung mehr. Man hört die Worte und zieht weiter.Wir brauchen Schranken, kein Gefasel. Das gab es lange genug.
Ansonsten werden sich die Bürger deren Verhalten ebenso aneignen. Damit wäre jede Solidarität in einer Gesellschaft beendet.Jeder für sich als Einzelkäpfer.
Das geht nur mit Rücksichtslosigkeit und brutalen Ellebogen.
Wie sie damit überleben will, das bleibt eine offene Frage.
Zitat aus dem Artikel:
Dem Land ist nicht gedient, wenn die Gesellschaft ihre Wirtschaftsführer zu Aussätzigen stempelt. Denn der Gesetzgeber braucht den Rat der Manager.----
Das stimmt, aber dann sollte diese Gruppe aber auch ein Vorbild sein.Wer Raubtiergehabe vorlebt, züchtet viele weitere Raubtiere. Somit frißt sich die Gesellschaft gegenseitig auf. Mit dem derzeitigen Rat mancher Manager, damit können wir die Zukunft sicher nicht bewältigen. Derzeit heißt es : Raffe was du raffen kannst, nimm was du nehmen kannst, was schert mich der Rest der Gesellschaft.Dieser Rest wird irgendwann die Nase voll haben. Spätestens dann, wenn er sich die Butter aufs Brot nicht mehr leisten kann. Noch wird der Abgehängte gut unterstützt.Noch bringt der verbleibende Rest das Geld dafür auf. Doch die Leistungsträger werden immmer weniger.

(Kommentare 1-1 von 1)

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Girokonto (Dispo)11,24%5,50-14,50%
Ratenkredite (36 Monate)6,96%4,70-11,61%
Quelle: FMH-Finanzberatung
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