Wer in der Organisation etwas werden will, darf außerhalb nichts mehr sein und muss deshalb mit allen bisherigen sozialen Kontakten brechen.
Allein der zeitliche Einsatz, der von aufstrebenden Führungskräften in den ersten Berufsjahren eingefordert wird, lässt eine ernsthafte Beziehung zu Menschen außerhalb der Firma, sei es Familie oder Freunde, nicht mehr zu, geschweige denn ein Engagement in Nachbarschaft oder Verein. Konsequenz: Unsere künftige Führungselite, noch nicht 30 Jahre alt, hat bereits jede Bodenhaftung verloren, weil sie am wirklichen Leben der Menschen nicht mehr teilhat, nicht mehr teilhaben kann.
Der Preis für den schnellen Aufstieg ist die Isolationshaft unter ihresgleichen. Wer unter seinen Bekannten keine sogenannten normalen Menschen mehr findet, sondern nur noch unter Vorständen verkehrt, führt kein Sozialleben, sondern ist – im strengen Wortsinne – eigentlich asozial.
Will man das weitere Auseinanderdriften zwischen denen da oben und denen da unten wirklich verhindern, so bedarf es keiner Reichensteuer, keiner Deckelung von Gehältern, keiner härteren Strafen für Wirtschaftsdelikte, sondern Führungskräfte, die mitten im Alltag dieser Gesellschaft stehen. Das heißt für die Unternehmen: Sie müssen die Auswahlkriterien für ihre Top-Manager neu definieren. Wer im Konzern nach oben will, der muss draußen vernetzt sein. Und braucht dazu den Freiraum, sich mit einem guten Teil seiner Zeit mit anderen und für andere zu engagieren – ob im Kindergarten, im Sportverein, in der Kirche oder im Gemeinderat.
Je höher der Manager in der Hierarchie steigt, desto härter muss das sein, was ihm an sozialem Einsatz abverlangt wird. Es mag verstörend klingen, aber warum sollte der Chef eines Dax-Konzerns nicht verpflichtet werden, mehrere Tage im Jahr im Krankenhaus die Bettpfannen auszuleeren, in der Suppenküche für Obdachlose zu helfen oder einsame Menschen zu besuchen? Unsere Top-Manager würden sich dort an etwas erinnern, das den meisten wohl verloren gegangen ist: Demut.
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