10.04.2007
Dr. Klaus Schweinsberg, Chefredakteur Capital
Dr. Klaus Schweinsberg, Chefredakteur Capital
Foto: capital.de

Editorial 09/2007

Kontrolle statt Mitbestimmung

Die betriebliche Mitbestimmung hat uns genau in die Situation geführt, die sie eigentlich hätte verhindern sollen: Das Kapital rottet sich zusammen. Und das Arbeitnehmerlager genießt - wie die Beispiele Siemens, VW und Mannesmann zeigen - die Vorzüge des real existierenden Sozialismus. Nur eines findet nicht statt: eine echte Kontrolle der Manager durch den Aufsichtsrat.

Die Mitbestimmung ist ein Erbe des Nationalsozialismus. Nach dem Krieg musste sich die Wirtschaft den Vorwurf gefallen lassen, das „Großkapital“ habe Hitlers Aufstieg erst möglich gemacht. Kaum verwunderlich also, dass von linker Seite die Forderung laut wurde, im neuen Deutschland die Ballung wirtschaftlicher Macht zu verhindern. Und Schlüsselindustrien ins Gemeineigentum zu überführen.

 

Abgewendet wurde das sozialistische Fatum schließlich durch die Einführung der Mitbestimmung als „dritter Weg“ zwischen schneidigem Kapitalismus und eisernem Sozialismus. Dass dieser Weg in die Irre führt, lässt sich spätestens dieser Tage besichtigen. In kaum einer anderen Industrienation der Welt ist die Unternehmenskontrolle durch Aufsichtsräte so unprofessionell wie in Deutschland. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Weshalb die sogenannte Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat kaum Kontrolle ausübt, lässt sich in den Prozessakten von Mannesmann und Volkswagen und bald auch in den Schriftsätzen der Siemens-Prozesse nachlesen. Ich erspare uns die unappetitlichen Details.

Aber auch die Vertreter der Aktionäre kommen ihren Aufsichtspflichten gegenüber den Managern meist nicht nach. Einerseits, weil man ja gemeinsam mit den Vorständen ein Gegenlager zu den unverständigen Gewerkschaftsvertretern im Aufsichtsrat beziehen muss. Andererseits aber, weil die wechselseitige Versorgung mit Aufsichtsratspöstchen zum guten Ton in der Deutschland AG gehört. So sitzen aktuell 22 Vorstandsmitglieder der ingesamt 30 Dax-Unternehmen im Aufsichtsgremium eines anderen Dax-Konzerns. Völlig ausgehebelt wird die Kontrolle freilich, wenn Manager, die ein Unternehmen operativ geführt haben, nahtlos in den Aufsichtsrat wechseln. In immerhin 14 Aufsichtsräten der Dax-Konzerne sitzen derzeit ehemalige Vorstände.

Die Zahlen sprechen für sich - sowohl auf der Kapitalseite wie auch bei den Gewerkschaften. Was deutsche Konzerne brauchen, ist keine Kungelei, sondern professionelle Kontrolle.

 
Dr. Klaus Schweinsberg, Chefredakteur Capital
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs