Vorabmeldung 21/2006

Siemens-Vorstand sieht Gefahr einer feindlichen Übernahme

Der Siemens-Vorstand hält es angesichts des derzeit relativ niedrigen Börsenkurses für nicht ausgeschlossen, dass der Konzern zum Objekt für eine feindliche Übernahme wird. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin Capital in seiner aktuellen Ausgabe.

Dabei beruft Capital (Ausgabe 21/2006) sich auf interne Reden von Jürgen Radomski, Mitglied des Zentralvorstands und Arbeitsdirektor der Siemens AG. Um Attacken zu verhindern, die von Hedge-Fonds oder Private Equity-Firmen ausgehen könnten, ist der Vorstand laut Radomski bestrebt, die Ertragskraft zu verbessern und die angekündigten Gewinn-Margen in den einzelnen Geschäftsbereichen bis zum Frühjahr 2007 zu erreichen. Auch der Schritt, die Dividende für das Geschäftsjahr 2004/05 um zehn Cent zu erhöhen, diente dazu, die Aktionäre ruhig zu stellen.



In einem Szenario habe Radomski laut Capital ausgemalt, was nach einer Übernahme passieren könne: Siemens werde zerlegt, gewinnbringende Einheiten würden verkauft, Kredite aufgenommen und die vorhandene Liquidität an die Anteilseigner der Fonds ausgeschüttet. Aus Sicht des Siemens-Vorstands sei ein höherer Börsenkurs der wirksamste Schutz gegen eine Übernahme.

Derzeit machen Siemens vor allem zwei Geschäftsbereiche große Probleme: der EDV-Dienstleister SBS und die Telekommunikationssparte Com, die nach dem Ende des Geschäftsjahres 2005/06 (30. September) aufgelöst wird. Ursprünglich kalkulierte der Vorstand für SBS für das gesamte Geschäftsjahr mit einen Verlust von rund 350 Millionen Euro, wie interne Planungen deutlich machen. Nun schließt er laut Capital ein Minus von mehr als 700 Millionen Euro nicht aus. Nach drei Quartalen waren schon minus 522 Millionen Euro aufgelaufen.

Auch beim Geschäftsbereich Com ist die Lage schwierig. Den profitablen Bereich für Fest- und Mobilfunknetze hat Siemens in ein Joint Venture mit Nokia abgegeben, den rote Zahlen schreibenden Bereich für Telefonanlagen für Unternehmen (Enterprise Networks) will der Vorstand ausgliedern und anschließend abstoßen. Nun stellt sich die Frage, welcher Investor überhaupt bereit ist, das schwierige Geschäft zu übernehmen. Enterprise Networks leidet unter Umsatzrückgang, einen Verlust von Marktanteilen und fehlenden Produkten. Um den Unternehmensbereich, der gegen Konkurrenten wie Cisco, Alcatel oder Avaya bestehen muss, auf Dauer abzusichern, sind laut einer internen Einschätzung des Vorstands mehr als eine Milliarde Euro erforderlich.

Für den gesamten Bereich Com hoffte der Vorstand ursprünglich auf einen operativen Gewinn von rund 150 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2005/06. Nach Capital-Informationen liegt die aktuelle Prognose bei einem Verlust von mehr als 200 Millionen Euro.


28.09.2006

© 2006 capital.de

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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