In eine Zeit, als man noch glaubte, mit Steuererhöhungen ließe sich ein Zuwachs an Gerechtigkeit verwirklichen. Als man der Auffassung war, der Staat könne mit Konjunkturprogrammen nachhaltiges Wachstum erkaufen. Verflogen ist der Geist des Neubeginns, weit weg das Bewusstsein drohenden Unheils. Es hat bloß gereicht zur nüchternen Erkenntnis, dass die Kasse leer ist.
Die Wirtschaft hingegen scheint in einem Paralleluniversum zu existieren. Wie ein Seismograf hat sie die Verschiebung der globalen Gewichte registriert und sich unter ihrem Eindruck zu einer Reise in die Zukunft entschlossen. Nur allzu genau wissen die Unternehmen, wie gering die Produktivität an vielen heimischen Standorten ist. Es gibt keinen Zweifel: Wer zu lange mit dem Aufbau effizienter Strukturen zögert, kann nicht überleben. Ungebremst geht die Verlagerung von Betriebsstätten und Arbeitsplätzen ins Ausland weiter. In Deutschland blüht unterdessen die Schattenwirtschaft.
Ökomanager. Durch das Beharren auf dem Status quo setzt die Politik ihre Rolle als Treiber des gesellschaftlichen Umbaus zunehmend aufs Spiel. Diese Funktion übernimmt mehr und mehr die Wirtschaft. Unternehmer wie Herbert Hainer zeigen dabei, dass sie bereit sind, Verantwortung fürs Ganze zu übernehmen. Der Adidas-Chef ist einer von drei Ökomanagern des Jahres, die Capital und die WWF-Umweltstiftung in diesem Jahr auszeichnen. Hainer erhält den Preis, weil er soziale und ökologische Standards bei seinen Lieferanten aus Schwellenländern durchsetzt. Der Fuldaer Lebensmittelfilialist Wolfgang Gutberlet fördert etwa die Landwirtschaft in der strukturschwachen Rhön mit langfristigen Lieferverträgen. Und Bodo Wolf entwickelte ein Verfahren zur effizienteren Gewinnung von Biosprit. Während die Politik laviert, handelt die Wirtschaft.
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