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Zeitlose Sneaker-Weissheit

, Siems Luckwaldt

Von der Straße in die Vorstandsetage: Weiße Sneaker haben es zum etablierten Modeaccessoire gebracht – das man in erstaunlich vielen Varianten tragen kann.

Adidas Stan Smith
Der Klassiker: „Stan Smith“. Circa 95 Euro, adidas.com

Wenn Aaron Levie, Gründer des Cloud-Dienstes Box, einen TED-Talk besucht oder Investoren trifft, dann trägt er zum Anzug meist Sneaker. Weiße. Vor nicht allzu langer Zeit hätten Finanzinvestoren einem Turnschuhträger noch das Funding verweigert. Heute sind die weißen Treter längst businesstauglich.

Dass dem so ist, hat mit Steve McQueen zu tun. Hätte der legendäre Steve 1963 in seinem Haus in Palm Springs nicht die Füße in schneeweißen Segeltuchschuhe von Keds auf den Couchtisch gelegt, dann wäre vielleicht alles anders. McQueen in Hemd, Chinos und Sneakern (sowie mit einer Pistole in der Hand) – und „Klick“! Ein Fotograf drückte auf den Auslöser, das Foto wurde legendär. Und der Sneaker salonfähig.

Capital 09/2016
Mehr Modetipps in der aktuellen Capital

Rund 50 Jahre später entdeckt eine neue Liga von Modehäusern ­den schlichten Schuh für sich, der bis ­dahin fest in der Hand von Streetwear-Spezialisten war. Und sie interpretieren ihn ganz neu: mit feinsten Ledern, ausgearbeitetem Fußbett, subtilen Designdetails. Rund 200 Euro sind bloß die Einstiegsklasse. Man bekommt den einstigen Streetstyle mittlerweile in Edelversion zum feinen Business-Zwirn für bis zu 1500 Euro.

Der Urvater der Sneaker-Historie hingegen ist erschwinglich: Der „Stan Smith“ von Adidas ist der Klassiker schlechthin und kostet unter 100 Euro. Entwickelt 1971 und benannt nach der Tennis-Legende wurde der Schuh in der Hip-Hop-Szene der 90er-Jahre zum Kultobjekt. Die Kooperation von Adidas mit dem belgischen Designer Raf Simons brachte dem „Stan Smith“ dann auch Akzeptanz im ernsten Modefach. Davon profitierten über die Jahre auch andere Sneaker wie der „Jack Purcell“ und der „Chuck Taylor All Star“ von Converse.

Seit einigen Jahren gibt es nun kaum mehr eine gehobene Marke „ohne“, egal ob Boss, Bally, Gucci, Santoni oder Windsor. Mit Leichtigkeit nimmt er Anzügen ihre steife Formalität – und verrät zugleich etwas über das Selbstbewusstsein seines Trägers. Und dessen Status, der offensichtlich nicht mehr von maßgefertigten Oxfords abhängt.

Ein hochwertiger Sneaker wird so zur Brücke zwischen beruflicher Rolle und wahrem Ich. Wenn man ihn denn richtig trägt. Hier gelten ein paar Regeln: So ist der knöchelhohe High Top eher nichts für feine Tuchhosen. Außerhalb des Büros passt er zu gerade geschnittenen Hosenbeinen, die man hochkrempeln oder leicht in den Schaft einstecken kann. Low Tops dagegen sind vielseitiger einsetzbar: zu Anzug, Hemd und Krawatte. Ganz einfach an den neuen Business-Helden aus dem Silicon Valley orientieren!

Der Purist

Weiße Sneaker von Santorin
Santoni. Circa 340 Euro, santonishoes.com

Der High Top

Weiße Sneaker von Tiger of Sweden
Tiger of Sweden. Circa 270 Euro, tigerofsweden.com

Der Avangardist

Weiße Speaker von Hugo Boss
Hugo Boss. Circa 250 Euro, hugoboss.com

Das Wichtigste zum Schluss

Weiße Sneaker sollten immer (!) so aussehen, als hätte Mann gerade das Preisschild abgeknibbelt. Gutes Material und aufopfernde Pflege sind daher unverzichtbar. Regenpfützen, tropfende Eistüten und Kaugummis lauern überall.


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