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Wohin mit der alten Stereoanlage?

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Wir alle führen ein zweites Leben im Netz. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal geht es um Hifi von der Festplatte

Rotel Anlage
Rotel-Anlage: Holt digitale Musik per Bluetooth oder USB vom Rechner

Es erschien mir wie ein Akt der Kastration, als mein Kumpel Jörg vor fünf Jahren seine CD-Sammlung auf den Dachboden verbannte. Erweiterter Platzbedarf seiner Kleinfamilie und so weiter. Dass er „ein paar Sachen ja noch auf dem Computer“ hatte, minderte mein Entsetzen keineswegs. Müsste ich meine akustische Nahrung aus quäkigen PC-Boxen aufnehmen – meine Seele würde dahinwelken wie der Ficus in einem Bauamtsbüro.

Heute kann ich mich selbst kaum daran erinnern, wann ich zum letzten Mal meinen CD-Player benutzt habe. Das prächtige Produkt britischer Hi-Fi-Kunst staubt unangeschlossen unter meinem Verstärker vor sich hin. Sein teures Kabel hängt nun an meinem Netzwerk-Player, der Musik per W-Lan von meiner Festplatte zieht.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das hier wird keine Eloge auf iPod-Docks und Online-Musikdienste, keine Kapitulation vor der MP3-Datei. Die überlasse ich gerne der U-Bahn-beschallenden Proletenjugend. Natürlich habe ich Spotify auf meinen Smartphones. Aber das Hochamt der Musik sieht anders aus – und es klingt deutlich besser. 

Absurde Vielfalt an Abspielgeräten

© Jindrich Novotny
Georg Dahm ist Technik- und Wissenschaftsjournalist

Hier geht es um High Fidelity von der Festplatte. Um präzise im gleichschenkligen Dreieck ausgerichtete Boxen. Und um Handwerkskunst im Bausteinebau. Das Absurde dabei ist allerdings: Als Ausgangsmaterial braucht man doch wieder CDs. Denn: Auch zwölf Jahre nach Eröffnung des iTunes-Stores sind CDs weiterhin die einzige Möglichkeit, an Musik in guter Aufnahmequalität heranzukommen. Egal ob bei iTunes, Deezer oder Spotify – überall bekomme ich für mein Geld nur qualitätsreduzierte Dateien und Streams. Als wären Breitbandleitungen und Terabyte-Festplatten noch immer unbezahlbar.

Darum kaufe ich das, was mich im Spotify-Dauertest bewegt, für daheim auf CD. Die CD kopiere ich dann sofort in Originalqualität auf eine Festplatte. Das ist absolut einfach, in iTunes etwa muss man nur die Import-Einstellungen von „MP3-Codierer“ auf „AIFF-Codierer“ umstellen. Fertig.

Wie man diese jungfräuliche Kopie nun angemessen hörbar macht? Da gibt es eine absurde Vielfalt an Abspielgeräten, die preislich und qualitativ keine Grenze nach oben kennt.

Was alle diese Geräte gemein haben, ist eine Komponente, die auch ein alter CD-Spieler enthält. Sie wandelt das digital gespeicherte Abbild der Musik in hörbaren (also analogen) Klang um und heißt kurz D/A-Wandler. Klingt nach einem simplen Ding: Der Wandler muss ja einfach nur Nullen und Einsen in Wellen umrechnen. Ist aber kompliziert. Eine Musikdatei ist wie eine Partitur, und die bringen die Berliner Philharmoniker nun mal anders zum Klingen als das Blas­orchester der freiwilligen Feuerwehr.

In letztere Kategorie fällt übrigens prinzipiell der D/A-Wandler in Laptops, Tablets oder Smartphones: Billigkomponenten, die außerdem unter allerlei elektrischen Störsignalen aus dem Gehäuseinneren leiden. Wer seinen Computer trotzdem an die Stereoanlage anschließen oder den schicken 300-Euro-Kopfhörer daran ausreizen will, sollte den Job einem externen D/A-Wandler anvertrauen. Die tragbare­ Apple-Verwandtschaft profitiert etwa sehr vom HRT iStreamer, der selbst dem iPad einen vernünftigen Klang spendiert. Laptops mausern sich dank des handlichen Audioquest Dragonfly (um 250 Euro). Für die ganz gepflegte Sofasitzung geht der Spaß mit Geräten wie dem DacMagic Plus (um 600 Euro) von Cambridge Audio los und hört mit dem Naim DAC-V1 (um 1 700 Euro) noch lange nicht auf. Alle, die ihren Laptop nicht mit einer Strippe an die Anlage fesseln wollen, können auch Wandler mit Funkverbindung nutzen – wie etwa den Arcam rDac (um 400 Euro).

Netzwerk-Player statt CD-Spieler

Sollte sowieso ein neuer Verstärker fällig sein, kann man auch gleich einen mit eingebautem D/A-Wandler anschaffen, etwa den Rotel RA-12 (um 750 Euro). Oder die schlanke Lösung wählen: In die Aktivboxen Xeo 3 (um 1 500 Euro) des dänischen Herstellers Dyn­audio sind Verstärker schon eingebaut, sie brauchen nur jeweils eine Steckdose. Den Klang funkt ein mitgelieferter externer D/A-Wandler, der einfach an Computer, CD-Player oder andere Quellen angeschlossen wird. Und was für einen Klang er funkt! Ich habe Männer zum Weinen gebracht, indem ich ihnen mein Testpaar geliehen und dann wieder weggenommen habe.

Wenn Sie aber nicht ständig am Computer hantieren wollen, dann schieben Sie alle Ihre sauberen CD-Kopien vom PC auf eine Netzwerkfestplatte – die als Back-up-Speicher ohnehin im Haushalt vorhanden sein sollte – und ersetzen Ihren CD-Spieler durch einen anständigen Netzwerk-Player. Der liest die Musikdateien per Lan-Kabel oder W-Lan von der Festplatte ab und spielt sie durch seinen D/A-Wandler. Die Musikbibliothek durchwühlt man dann per Tablet- oder Smartphone-App. Wenn der Player etwas taugt, kann er außerdem Internetradiosender und Musikdienste wie Spotify und Napster abrufen.

Wie unfassbar gut das klingen kann, zeigen die Netzwerkspieler feiner Marken wie Naim, T+A und Linn. Wenn ich mal groß bin, stelle ich mir in jedes Zimmer den apokalyptisch guten Linn Majik DS, einen Netzwerkspieler mit Verstärker für schmale 3000 Euro. Wer das nicht ausgeben mag, findet für weniger Geld auch Angebote von klassischen Hi-Fi-Herstellern wie Pioneer, Onkyo, NAD und Cambridge Audio.

Keine dieser Marken schlägt aber das ausgereifte Konzept des Netzmusikspezialisten Sonos. Kein anderer (bezahlbarer) Hersteller bietet so durchdachte Bedienung, keiner bindet so viele Internetmusikdienste ein. Den Netzwerkspieler gibt es als Einzelgerät für die Anlage, dann heißt er Connect und kostet um 350 Euro. Oder er ist eingebaut in die Aktivboxen aus der „Play“-Serie (um 300 Euro). Jede Sonos-Komponente kann ihre eigene Musik spielen, für Party oder Frühjahrsputz lassen sich aber auch alle zusammenschalten. Gewöhnungsbedürftig ist nur das Design. Etwas schicker und klangfeiner ist die „Raumfeld“-Serie des Berliner Konkurrenten Teufel, die aber in Sachen Bedienbarkeit leicht hinterherhinkt.

Und was ist mit Funkboxen, die Musik direkt von Smartphone, Tablet oder Laptop abspielen? Im Reisegepäck trage ich gerne eine anständige Bluetooth-Box wie die Braven 650 herum (um 170 Euro). Aber die Funkübertragung nagt hier an der Tonqualität, auch wenn die neue Bluetooth-Variante aptX fast verlustfrei sein soll. Denselben Anspruch erhebt übrigens auch Apples Funkstandard Airplay.

Meine Meinung: als Kompromisslösung okay. Aber wenn Kompromisse für Sie okay wären, hätten Sie wohl nicht bis hierhin gelesen.

Hörgeräte - bessere Technik für besseren Sound

Macht draußen wumms: Braven 650

Bluetooth-Funkbox für unterwegs. Spielt direkt von Smartphone, Tablet, Laptop. Akku hält 20 Stunden und lädt notfalls Telefone. Um 170 Euro.

Ist laut zu Hause: Rotel RA-12

Verstärker mit eingebautem D/A-Wandler. Holt digitale Musik per Bluetooth oder USB vom Rechner. Kann aber auch analog. Um 750 Euro.

Klingt gut auf Achse: HRT iStreamer

Digital/Analog-Wandler. Ersetzt das Billigteil in iPhones, iPods, iPads. Einfach dranstecken. Auch für Laptops und PCs erhältlich. Um 200 Euro.

Rührt drahtlos zu Tränen: Dynaudio Xeo 3

Edle Funkbox für zu Hause, Verstärker sind eingebaut. Boxen an den Strom, Klangquelle an den Sender, fertig. Gibt’s auch größer. Um 1500 Euro.

Spielt einfach alles: Sonos Connect

Netzwerkplayer. Für Internetradio und Musikdienste. Für Computer, Festplatten und alles andere. Für Kabel oder W-Lan. Steuerung per Smartphone. Um 350 Euro.

Die Kolumne erschien zuerst in Capital 09/2013


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