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Wirtschaft tut sich schwer mit Flüchtlingen

, Jenny von Zepelin und Ines Zöttl

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verläuft schleppend. Das zeigt eine Umfrage unter den Dax- und MDax-Unternehmen.

Said Haschimi © Conny Mirbach
Said Haschimi aus Afghanistan absolviert eine Lehre zum Anlagemechaniker

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verläuft schleppend. Eine Umfrage von Capital unter den Dax- und MDax-Unternehmen in Deutschland offenbart ein ernüchterndes Bild. Bei den 30 Dax-Konzernen sind lediglich rund 80 Flüchtlinge in einer Festanstellung beschäftigt: 50 davon allein bei der Deutschen Post, 28 beim Autozulieferer Continental, zwei beim Pharmakonzern Merck, zwei bei SAP und einer beim Kosmetikkonzern Beiersdorf.

Capital 08/16
Die aktuelle Capital

Nicht viel besser sieht es bei den Ausbildungsplätzen aus: An der Spitze steht Thyssenkrupp mit 30 aktuell in Ausbildung beschäftigten Flüchtlingen, gefolgt von SAP mit 14. Allerdings geben viele der Dax- und MDax-Firmen Flüchtlingen die Chance, mit Praktika und Hospitanzen ins Arbeitsleben hinein zu schnuppern. Die Post zum Beispiel beschäftigt auf diese Weise derzeit rund 150 Menschen und will das Kontingent auf 1000 aufstocken.

Als größtes Hindernis beschreiben viele der Unternehmen die fehlenden Sprachkenntnisse der Flüchtlinge. Aber auch mit bürokratischen Vorgaben hadern viele: So werde über Arbeitserlaubnisse oft je nach Region unterschiedlich entschieden und die Bereitschaft der Ämter, die Beschäftigung zu ermöglichen, sei nicht überall gleich ausgeprägt. „Mehr Flexibilität und mehr Geschwindigkeit“ bei den Arbeitsgenehmigungen, wünscht sich nicht nur der Daimler-Konzern.

Viele wollen sofort Geld verdienen

Dazu müssen in der Praxis des Arbeitsalltags kulturelle Unterschiede überwunden werden. So hat beispielsweise Continental festgestellt, dass es den Zuwanderern an Wissen über das duale Ausbildungssystem in Deutschland fehle. Viele wüssten nicht, dass eine zwei- oder dreijährige Ausbildung der beste Weg sein, um nachhaltig am Arbeitsmarkt Erfolg zu haben. Viele der jungen Zuwanderer wollten „vorrangig sofort Geld verdienen“ heißt es auch bei Symrise, einem Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen. Für die reguläre Beschäftigung aber fehlt oft die Qualifikation. In einem der Konzerne zum Beispiel sollte ein Elektriker eingestellt werden – doch es stellte sich heraus, dass der noch nie mit Starkstrom gearbeitet hatte.

Für Unternehmen, die Flüchtlingen eine Chance geben, ist dies oft mit hohem Aufwand verbunden. So stellt Beiersdorf seinen Praktikanten einen Mentor zur Seite, der mit Rat und Tat hilft, und zusätzlich begleiten die Personalabteilung und die Abteilung Corporate Social Responsibility den Eingliederungsprozess.

Eines allerdings unterstreicht so gut wie jedes Unternehmen, das in den vergangenen Monaten Erfahrungen mit Flüchtlingen gesammelt hat: die hohe Motivation, Einsatz- und Lernbereitschaft der meist jungen Leute. So berichtet der Versicherungskonzern Allianz, dass einer der Bewerber sogar bereit war, für eine Ausbildung zum Koch täglich zwei Stunden Anreise auf sich zu nehmen - und das trotz eines Arbeitsbeginns um fünf Uhr morgens. Und die Abbrecherquote ist, wie es die Telekom formuliert, in der Regel „gleich null“.

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