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"Wir haben bei Hertha Potenzial gesehen"

, von Thomas Steinmann

Anfang 2014 stieg der Finanzinvestor KKR bei Hertha BSC ein - ein echter Überraschungscoup. Im Capital-Interview äußert sich KKR-Topmanager Christian Ollig zum ersten Mal über das Engagement in der Bundesliga

© Ériver Hijano
Hertha-Profis beim Training: Vor einigen Jahren war der Verein fast pleite

Christian Ollig ist Director beim Finanzinvestor KKR in London. Bei dem amerikanischen Private-Equity-Konzern ist er für die Konsumgüterindustrie und die deutschen Portfoliounternehmen verantwortlich.Christian Ollig ist Director beim Finanzinvestor KKR in London. Bei dem amerikanischen Private-Equity-Konzern ist er für die Konsumgüterindustrie und die deutschen Portfoliounternehmen verantwortlich. Zu den Beteiligungen von KKR zählen unter anderem die Deutsche Glasfaser, der Marktforscher GfK und Hensoldt, die frühere Rüstungselektroniksparte von Airbus. Ollig sitzt seit Anfang 2015 auch im Aufsichtsrat der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA


Es war ein Coup, als die Vereinsführung von Hertha BSC Ende Januar 2014 das Private-Equity-Unternehmen KKR als Investor präsentierte. Ein internationaler, börsennotierter Finanzkonzern, der bis dahin nichts mit Fußball am Hut hatte und nun mit knapp zehn Prozent bei einem Bundesligisten einstieg - für den deutschen Profifußball war der Deal mit einem Gesamtvolumen von 61,2 Mio. Euro absolutes Neuland. Seit dem Deal rätseln viele: Warum beteiligt sich KKR an einem Verein wie Hertha? Was will der Finanzinvestor mit einem Investment, das für ein Privat-Equity-Unternehmen nicht nur wegen des vergleichsweise geringen Volumens äußerst ungewöhnlich ist? Ist das Engagement in erster Linie eine Marketingaktion eines Unternehmens, auf das der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering mit seinem „Heuschrecken“-Vergleich besonders abzielte?

Seit dem Einstieg bei dem Hauptstadtclub hat man von KKR öffentlich nichts zu wirtschaftlichen oder gar sportlichen Fragen bei Hertha gehört - anders als bei anderen Bundesliga-Investoren, die in ihren Clubs für Unruhe sorgen, weil sie etwa bei Transfers oder Trainerentscheidungen mitmischen. Für die Capital-Geschichte über den Turnaround bei Hertha und die Rolle von Investoren in der Bundesliga hat sich KKR erstmals ausführlich zu dem Investment beim Hauptstadtclub geäußert. Die Fragen wurden schriftlich beantwortet.

Capital: Wie bewerten Sie dreieinhalb Jahre nach dem Einstieg das Investment bei Hertha BSC?

Christian Ollig: Im Fußball würde man vielleicht sagen: Hertha konnte sich seither den nötigen Freiraum erlaufen, um das Spiel neu aufzuziehen. Kurzum, die Partnerschaft ist für alle Beteiligten ein großer Erfolg und wir sind mit der Investition sehr zufrieden.

Das Investment von KKR bei Hertha BSC hat viele überrascht, weil es untypisch für Private-Equity-Investoren ist. Warum haben Sie sich für den Einstieg in die Fußball-Bundesliga entschieden? Und warum gerade bei Hertha BSC?

KKR investiert in Unternehmen mit starkem Wachstumspotenzial. Die große und loyale Fangemeinde, das einzigartige Entwicklungsprogramm für Nachwuchsspieler und die Tatsache, dass es der führende Fußballverein in Deutschlands Hauptstadt ist, haben uns überzeugt. Wir haben deutliches Potenzial bei Hertha gesehen, den Verein national und international stärker zu etablieren. Außerdem haben wir signifikantes Steigerungspotenzial für den Wert der Bundesliga-TV- und Media-Rechte gesehen, ein Trend, von dem alle Bundesligavereine finanziell profitieren, und der unter anderem in dem im Sommer 2016 verkündeten neuen TV-Rechte-Vertrag reflektiert ist.

Wie würden Sie die wirtschaftliche Lage bei Hertha zum Zeitpunkt des Deals im Januar 2014 beschreiben?

Hertha hatte vor unserem Einstieg verhältnismäßig hohe Verbindlichkeiten und ein negatives Eigenkapital. Dazu kamen Zinsbelastungen für die Rückzahlung der Bankkredite und die Veräußerung von Catering- und Marketingrechten. Hertha brauchte wirtschaftlich gesehen also eine neue Aufstellung.

"Umfangreiche Entschuldung"

Welche kurzfristigen Schritte und welche mittel- und langfristige Strategie zur Entschuldung hat KKR seinerzeit unternommen?

Das Investment von KKR in Höhe von insgesamt über 60 Mio. Euro ermöglichte eine umfangreiche Entschuldung sowie den Rückerwerb von Rechten. Dies geschah unter anderem durch den Zufluss von Eigenkapital. Hertha konnte auf diese Weise die Kosten- und Ertragssituation und die Bilanzstruktur des Vereins nachhaltig verbessern, was wiederum eine kontinuierliche Re-Investition in den Verein ermöglichte. Sämtliche Finanzverbindlichkeiten wurden abgelöst, bis auf die Fananleihe, die im Jahr 2016 zurückgezahlt wurde. So konnten die zinstragenden Verbindlichkeiten bei den Banken komplett getilgt werden.

Auf welche Weise hat sich KKR mit seinem Know-how bei Hertha eingebracht?

KKR ist ein Investor, der in eine Vielzahl von unterschiedlichen Unternehmen in verschiedenen Branchen auf der ganzen Welt investiert. Der Beitrag, den KKR leistet, ist vor allem auf seine langjährige Erfahrung zurückzuführen, Unternehmen weiterzuentwickeln. KKR hat weltweit ein belastbares Netzwerk und verfügt über umfassendes Finanzierungs-Know-how. Hertha konnte zum Beispiel mit Hilfe von KKRs internationalem Netzwerk neue Kontakte zu Sponsoren aus Asien herstellen. Weiterhin bieten wir dem Club an, von KKRs „Best Practice“ beispielsweise hinsichtlich Reporting oder Sales Force Effectiveness durch konkrete Unterstützung zu profitieren.

Wie bewerten Sie die aktuelle ökonomische Situation des Unternehmens und seine Zukunftsperspektiven - etwa mit Blick auf die digitalen Aktivitäten und die Pläne für ein eigenes Stadion?

Wir glauben, dass sich die Zukunftsaussichten für Hertha durch unsere Partnerschaft deutlich verbessert haben. Hertha steht aus unserer Sicht in finanzieller und sportlicher Hinsicht sehr gut da. Durch die Stärkung der Bilanzstruktur und die Reduzierung der Verbindlichkeiten konnte Hertha den finanziellen Spielraum gewinnen, um sich wieder voll auf die sportlichen Leistungen zu konzentrieren und kontinuierlich in den Verein zu reinvestieren. Als Investor mit zahlreichen Investments im Digitalbereich unterstützt KKR die digitale Transformation des Clubs mit seinem Know-how und seinem weltweiten Netzwerk. Bezüglich Herthas Stadionplänen ist der Club natürlich federführend. Allerdings versuchen wir auch hier unterstützend zur Seite zu stehen und KKRs Expertise im Bereich Finanzierung und Real Estate, aber auch relevante Kontakte einzubringen.

Capital 06/2017Die ganze Geschichte über die Rolle des Finanzinvestors KKR bei Hertha BSC und was die Bundesliga davon lernen kann lesen Sie in der Juni-Ausgabe von Capital. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon


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