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Wie Tempo den Schnupfen verhüten will

, Thomas Steinmann

Marken verändern sich. Sie müssen sich immer wieder neu erfinden. Tempo will nicht länger nur Synonym für Papiertaschentücher sein.

Produktion von Tempo-Taschentüchern © dpa
Papiertaschentücher sind für viele Deutsche Tempos, auch wenn sie gar nicht von Tempo stammen

Unternehmen: Die Marke Tempo wurde 1929 von Oskar Rosenfelder aus Nürnberg als Warenzeichen angemeldet. Fast 60 Jahre lang gehörte sie zur Schickedanz-Gruppe. 1994 folgte der Verkauf an den US-Konzern Procter & Gamble. Seit 2007 gehört Tempo zum schwedischen Papier- und Hygieneunternehmen SCA, das 2015 auf einen Umsatz von 12,3 Mrd. Euro kam.


Es begann vor zwei Jahren mit einer Reihe von Statistiken: Mehr als 80-mal am Tag berühren wir mit der Hand unser Gesicht. Das Geld in unserem Portemonnaie hatten im Schnitt schon fast 600 andere in der Hand. Und jeden Tag haben wir Kontakt mit vielen Hundert Oberflächen – etwa in den 42 Minuten, die wir durchschnittlich im Berufsverkehr verbringen.

Aus solchen Zahlen haben die Markenstrategen von Tempo ihre neue Produktidee abgeleitet. Dann übernahm die Forschungsabteilung. Und seit einigen Monaten gibt es Tempo fresh to go: feuchte Tücher, die für Erfrischung und Sauberkeit unterwegs sorgen sollen. Im Oktober werden die Tücher auch mit einem antibakteriellen Wirkstoff in die Regale kommen. Die Menschen sollen nicht erst zum Tempo greifen, wenn sie schon unter Schnupfen leiden. Das neue Tempo-Tuch soll verhindern, dass sie sich durch den Kontakt mit Krankheitserregern an Münzen oder Griffen in der U-Bahn überhaupt eine Erkältung einfangen.

„Begleiter im Alltag“

Bei der ursprünglich fränkischen Marke, die seit 2007 dem schwedischen Hygiene- und Forstkonzern SCA gehört, arbeiten sie schon seit Längerem daran, die Produktfamilie über das berühmte Taschentuch hinaus zu erweitern. „Die Marke aus der Erkältungszeit herausholen“ nennt das Markus Armbruster, oberster Markenstratege in Zentraleuropa. Das Ziel sei es, Tempo als „Begleiter im Alltag“ auch jenseits des Winters zu stärken. Erst gab es ein besonders weiches Taschentuch für die Heuschnupfenzeit, später Tempo-Toilettenpapier. Aufs Klo müssen die Menschen immer.

Capital 10/2016
Die aktuelle Capital

„Auch für eine Traditionsmarke sind Innovationen lebenswichtig“, sagt Armbruster. „Sonst verstaubt die Marke.“ Hinzu kommt bei Tempo, dass der Name in Deutschland seit Jahrzehnten als Synonym für Papiertaschentücher verwendet wird. Das ist zwar ein riesiges Asset, bedeutet aber auch, dass viele Kunden bei Konkurrenzprodukten ebenfalls von einem Tempo sprechen. Neuheiten in der Tempo-Familie sollen daher auch immer die Marke neu ins Bewusstsein rücken.

Mit den Feuchttüchern wollen die Tempo-Macher zudem von einem Megatrend profitieren und ein Marktsegment erschließen, in dem sich vor allem die Hersteller von Desinfektionsprodukten tummeln. Die Nachfrage nach feuchten Tüchern für unterwegs wachse „exorbitant“, weil die Menschen immer mobiler seien, sagt Armbruster. In Deutschland wird das Geschäft auf ein zweistelliges Millionenvolumen taxiert – mit satten zweistelligen Zuwachsraten in den vergangenen Jahren.

In seinem umsatzstärksten Markt will der SCA-Konzern nun testen, ob Tempo auch funktioniert, wenn es um Erkältungsschutz geht. Im Erfolgsfall folgen andere EU-Staaten, dann Hongkong und China. Ein klares Ziel für den Angriff auf das neue Marktsegment hat Armbruster bereits festgelegt: „Wir wollen uns das größte Stück von dem Kuchen nehmen.“


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