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Wie riskant ist der Rocket-IPO?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Capital führt den Streit fort. Diesmal geht es um die Start-up-Schmiede Rocket Internet

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Ach Hayek,
manche Dinge scheinen sich auch in den modernen Zeiten nicht zu ändern. Ich spreche von riskanten Wetten an der Börse, wie zu unserer Zeit. Da gibt es diese drei Brüder namens Samwer aus Deutschland, die mit großen Versprechen auf die Zukunft Milliarden für einen Börsengang einsammeln. Dabei machen deren Firmen, von denen eine auch noch Rocket heißt, bisher nur Verluste. Das riecht nach Spekulationsblase.
Herzlichst, Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
warum lassen Sie die jungen Leute denn nicht ihren Weg gehen? Es wird sich weisen, ob ihre Geschäfte zweifelhaft sind, solange man ihnen die Gelegenheit lässt, auch zu scheitern. „Unser Glaube an die Freiheit stützt sich nicht auf absehbare konkrete Resultate sondern auf die Überzeugung, dass sie in der Summe mehr Gutes als Schlechtes hervorbringen wird.“ (Hayek, 1960) Genau das ist das Prinzip von Unternehmertum.
Ihr F.A. Hayek

Capital 10/2014
Die neue Capital

Mein lieber Hayek,
das nennen Sie Unternehmertum? Diese deutschen Hallodris kopieren doch nur Ideen, die andere in Amerika erdacht haben. So etwas gehört genau genommen staatlich reguliert. Das ist Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem sich diese Klon-Brüder nun an der Börse die Tasche voll Geld stopfen. Ein großer Bluff!
John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
wenn Sie allen Kopisten dieser Welt das Handwerk hätten legen wollen, dann wäre von Ihren Weisheiten wenig übrig geblieben. Und verschonen Sie mich mit staatlicher Regulierung. Dadurch wird es erst gefährlich. Solange freie Unternehmer Fehler begehen und dafür Verantwortung übernehmen können, gibt es doch kein Problem. Blasen werden nur groß, wenn der Staat sie aufpustet.
Ihr F.A. Hayek

Werter Professor,
wenn ich mir anschaue, was in der heutigen Zeit noch so an die Börse drängt … Ich verstehe ja nicht viel von diesem neumodischen Zeug. Dass man Fernsprechapparate überall mit sich herumschleppen muss und zudem ständig damit Briefe verschickt, ist mir schon unverständlich. Dass die Anbieter für jeden einzelnen Kleindienst mehrere Milliarden wert sein sollen, macht mich sprachlos. Das erinnert an den großen Gründerkrach. Und der Staat hat damit nun wirklich nichts zu tun, Hayek!
Gez. Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
immerhin kann man auf diesem Weg sogar Ihre zweifelhaften Schriften überall lesen. Aber auch ich verstehe nichts von diesen leuchtenden Miniatur-Bildschirmen. Und genau das ist es ja: Wir verstehen es nicht und können uns daher kein Wissen über seinen Wert anmaßen. Was Milliarden kostet und was nicht, bestimmen glücklicherweise weder Sie noch sonst irgendein einzelner Mensch. Sondern die Märkte.
Ihr F.A. Hayek

 

Hayek vs. Keynes erscheint monatlich in der Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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