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Wie räume ich auf?

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Wir alle führen ein zweites Leben im Netz. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal geht es um das Durcheinander an sozialen Netzwerken, E-Mail-Adressen...

Computer © Getty Images
Was tun gegen das Chaos auf dem Rechner?

Ja, ich gestehe: Ich bin ein Messie. Es hat alles ganz harmlos angefangen damals, als ich beim Hochschulrechenzentrum auf einem grauen Papier meine erste E-Mail-Adresse beantragte, fadenscheinig begründet durch angebliche wissenschaftliche Vorhaben.

Von da an ging es bergab. Mit GMX kam die erste Gratis-E-Mail-Adresse, dann folgten Web.de, ePost, Yahoo, Hamburg.de, Gmail, De-Mail – ein neuer Dienst nach dem anderen fixte mich an mit neuen Designs, Funktionen und der damals schon irren Verheißung: alle Daten unter einer Haube. Was für eine Lüge.

© Jindrich Novotny
Georg Dahm ist Technik- und Wissenschaftsjournalist

Mit dem Web 2.0 und der App-Kultur ist mein Ich dann explodiert wie eine Streubombe. Ich besitze eine Apple-, eine Google- und eine Microsoft-ID. Ich bin bei vier sozialen Netzwerken, sechs Online-Speicherdiensten, drei Fotoablagen und vier Instant-Messengern. Ich habe acht E-Mail-Adressen, die ich mit sechs Programmen auf sieben Endgeräten abrufen kann. Das ist nur ein Ausschnitt. Wenn irgendwann die Singularität eintritt – der Moment, in dem die Maschinen uns überholen, das Internet ein Bewusstsein erlangt und die Menschheit unterjocht –, dann wird das Monster meine Züge tragen.

HootSuite hilft - aber nicht immer

Falls ich es nicht vorher bändige. Dringend züchtigungsbedürftig sind vor allem meine sozialen Netzwerke. Spätestens seit ich bei Linked-In im Minutentakt mit Leuten zusammenkomme, denen ich schon auf Facebook und Xing in Freundschaft verbunden bin, ist klar: Ich brauche eine Klaviatur, auf der ich alle Selbstdarstellungspfeifen spielen kann.

Die mächtigste Orgel, die ich finden konnte, ist der Onlinedienst HootSuite. Unter einer Oberfläche bündelt er Plattformen wie Facebook oder Wordpress. Nicht nur die Nachrichtenströme lassen sich hübsch auf dem Bildschirm anordnen, HootSuite bietet auch Analysen, etwa wie oft meine Tweets erwähnt werden.

Vorteil: Ich muss jede Weisheitsperle nur noch einmal tippen, um sie über die adäquaten Rohre zu verschießen; auch den Sendezeitpunkt kann ich einstellen. So muss sich der Waffenoffizier auf einem Sternenzerstörer fühlen. Nachteil: HootSuite hat zwar eine Schnittstelle für Xing, bloß ist die nicht so richtig zu gebrauchen.

Überhaupt brauchen wir bessere Schnittstellen. Darum muss man Leuten wie Kristian Ottosen und Mads Rydal dankbar sein. Die dänischen Programmierer schleifen die Mauern zwischen Sport-Apps wie Runkeeper oder Garmin: Ihre App RunGap und der Facebook-Dienst Activities saugen alle Trainingsdaten ab und legen sie mir hübsch geordnet zu Füßen.

Ich wäre froh, wenn ich ebenso leicht die verschiedenen Inkarnationen meines Adressbuchs und meines Kalenders vereinen könnte, die in meinem PC, iPhone und Android-Handy hausen. Ja, Outlook 2013 hat ein iCloud-Plug-in. Ja, das iPhone kann Google-Kalender einbinden. Und ja, die Google-Daten kann ich durch Programme wie CompanionLink mit Outlook abgleichen. Aber der Ringelpiez nervt, und dann verhungert unterwegs doch wieder ein wichtiger Termin.

Es könnte alles viel einfacher sein, wenn ich mich vollends in die Hände von, sagen wir mal, Apple begeben würde. Aber damit würde ich so vielem abschwören, was gülden schimmert, lockt und blinkt – und nicht das Apple-Logo trägt. Der Tag ­jedoch, an dem mich all das nicht mehr reizt, ist der Tag, an dem ich gleich den Stecker ziehe und ein analoges Leben in den Bergen anfangen kann. Wie sagte der selige Gründer selbst? „Stay foolish.“

Die Kolumne erschien zuerst in Capital 07/2013


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