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Wie geht richtiger Liberalismus?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Capital führt den Streit fort. Diesmal ringen sie um den richtigen Liberalismus

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
haben Sie die Kunde aus Deutschland vernommen? Jeder dritte Angehörige dieses regulierungssüchtigen -Volks ist dafür, den Verkauf von Lebkuchen vor einem bestimmten Stichtag im Jahr zu verbieten. Da wundert es wirklich nicht, dass es in diesem Land keine einzige Gruppierung gibt, die auch nur im Ansatz der Freiheit verpflichtet wäre. Und wenn es sie gäbe, wäre sie wohl verboten.
Ihr F. A. Hayek

My dear Fritz,
Sie wollen also allen Ernstes für die Freiheit des Lebkuchenkaufs kämpfen? Vielleicht sind ebensolche putzigen Forderungen der Grund, warum die Liberalen aus deutschen Parlamenten fliegen. 
Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
es geht doch nicht um den Lebkuchen, sondern ums Prinzip. Dieses Volk verbietet und verordnet mit -einer Schlagzahl, dass einem angst und bange wird. Sie, Herr Keynes, haben doch selbst einst einer Partei angehört, die sich Liberal Party nannte. Doch mit kaum einem Begriff wird so viel Humbug betrieben wie mit der Behauptung des Liberalen. Das zeigt sich schon an dieser FDP, deren Freiheitsverständnis höchstens bis zur nächsten Lobbygruppe reicht.
Ihr F. A. Hayek

Richtig, Herr Hayek,
ich war Mitglied der Liberal Party. Aber ich habe schon früh deutlich gemacht, dass mein Liberalismus mit Ihrer Laisser-faire-Ideologie nicht vereinbar ist. Sein Ziel muss vielmehr folgendes sein: „Der Übergang von wirtschaftlicher Anarchie zu einem Regime, das die ökonomischen Kräfte bewusst kontrolliert und im Sinne sozialer Gerechtigkeit und Stabilität steuert“ (ich zitiere: Keynes, „Am I a Liberal?“, 1925). Sie hingegen, Herr Hayek, sind ein Sonderling, der in Deutschland vermutlich am ehesten in dieser neuen Partei AfD eine politische Heimat fände.
Ihr John M.

Sehr geehrter Herr Keynes,
um Himmels willen! Wenn Sie das wirklich glauben, dann haben Sie mich noch gründlicher missverstanden, als ich je dachte. Bei dieser AfD handelt es sich höchstens um eine nationalkonservative Partei. Und zu den Konservativen habe ich mich wiederum schon klar geäußert: „Der konservative Ansatz ist geprägt von einer Furcht vor Veränderung, einem ängstlichen Misstrauen gegenüber dem Neuen an sich.“ Echten Liberalen aber geht es darum, „Veränderung laufen zu lassen, auch wenn wir nicht vorhersagen können, was sie bringen wird“ (Hayek, „Why I Am Not a Conservative“, 1960). Das ist mein Zuhause.
Gez. Hayek

Ach Hayek,
ist ja gut, ich wollte Sie nur ein wenig necken. Ich werde Ihnen zur Beruhigung umgehend ein Päckchen mit deutschen Lebkuchen zukommen lassen? Die Freiheit nehme ich mir.
In weihnachtlicher Vorfreude, 
Ihr John

 

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