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Wertschätzung bei der Personalsuche

, Anne Weitzdörfer

Wer gute Mitarbeiter sucht, sollte ihnen Wertschätzung entgegenbringen. Schon beim ersten Kennenlernen. Von Anne Weitzdörfer 

Eine Frau wartet © Getty Images
Eine Kandidatin beim Vorstellungsgespräch warten zu lassen, ist keine gute Idee

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Alex war mehr als 15 Jahre lang in verschiedenen Positionen bei einem Pharmariesen und eigentlich ganz zufrieden. Bis ihm bewusst wurde: Wenn er in seinem Leben noch mal für ein anderes Unternehmen arbeiten wollte, dann müsste er das bald tun. Also sah er sich nach einem neuen Job um.

Zunächst zeigte sich die direkte Konkurrenz sehr interessiert, Alex aber nicht. Nach wenigen Gesprächen war ihm klar: Wieder Pharmariese wäre zu viel des Gleichen. Lieber schaute er sich den Mittelstand an, und das dortige Interesse an seiner fachlichen Expertise schmeichelte ihm. Bis zu einem Donnerstag, an dem Alex sich zu einem Unternehmen in die Provinz aufmachte, das der dazugehörige Headhunter in höchsten Tönen gelobt hatte.

Beim Vorstellungsgespräch: besser nicht telefonieren

Dass man ihn nach einer halbtägigen Anreise fast eine Stunde am Empfang warten ließ, war kein besonders gelungener Auftakt. Dazu war offenbar das Briefing der Personalabteilung an den Geschäftsführer untergegangen, entsprechend eckig war das Gespräch. Dass dieses dann auch noch mehrfach für wichtige Telefonate unterbrochen wurde, passte zum Gesamteindruck. Alex versuchte, es sportlich zu nehmen, geärgert hat es ihn aber noch Tage später.

Capital 05/2016
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Kurz darauf bekam er von der Personalerin eines jungen Biotech-Unternehmens eine eher unkonventionelle Mail („Hi Alex“) mit der Bestätigung seines Gesprächstermins. Dazu übersichtlich aufgelistet den Ablauf des Tages, Links zu den Linked­In-Profilen seiner Gesprächspartner sowie die gesamte Reiselogistik in kompakter Form. Scheinbar Kleinigkeiten – doch Alex haben sie direkt angesprochen. Zum Auftakt traf ihn der Gründer zum Lunch, die Atmosphäre war persönlich. Im Anschluss sah er die anderen Mitglieder des Managements, alles sehr professionell, trotzdem war man direkt per Du. Die Gespräche endeten am Nachmittag mit der Bitte, für den nächsten Morgen eine Präsentation vorzubereiten. Das fand Alex ungewöhnlich, aber auch gut. Abends ist das gesamte Management-Team mit ihm essen gegangen.

Um es kurz zu machen: Alex hat sich am Ende für das Biotech-Unternehmen entschieden, obwohl man ihm eigentlich keinerlei Sicherheit bieten konnte und er signifikant weniger verdient. Warum? Weil ihm klar geworden ist, wie sehr er sich sein gesamtes Berufsleben einen zwischenmenschlich wertschätzenden Umgang gewünscht hatte. Und weil ihm die konsequent wertschätzende Haltung im gesamten Prozess die Sicherheit gegeben hat, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ich behaupte, dass sich jedes Unternehmen in einem Bewerbungsprozess bewusst oder unbewusst so zeigt, wie es tatsächlich ist – und möchte Ihnen zum Schluss nur eine Frage stellen: Präsentieren Sie und Ihre Firma sich genauso, wie Sie von künftigen Mitarbeitern wahrgenommen werden wollen?

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