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Werner Kieser über seine erste Million

, Timo Pache

Ein Gefühl der Entspannung empfand Werner Kieser bei der ersten Umsatzmillion. Gefeiert hat er sie mit einer Pizza.

Werner Kieser © pixsil.com/VISUM
Werner Kieser, Gründer von Kieser-Training, Fitnessguru und Orthopädenschreck

Werner Kieser, 75, gründete Anfang der 60er-Jahre sein erstes Kraftstudio. In den Achtzigern und Neunzigern verbreitete er mit Franchiseverträgen sein Konzept in der halben Welt. Anders als übliche Fitnessstudios verspricht Kieser weder Wellness noch Bodybuilding, sondern Muskeltraining für die Gesundheit, etwa für den Rücken. Heute gibt es 140 Kieser-Studios.


Capital: Herr Kieser, Sie haben Tischler gelernt, als Eisenbieger auf Baustellen und in einem Waffengeschäft gearbeitet. Wie kamen Sie dazu, Sportstudios aufzumachen?

Kieser: Das Leben besteht aus Zufällen. Ich war 17, als ich mir beim Boxen das Rippenfell prellte. Ein Profiboxer gab mir den Tipp, Krafttraining als Reha zu machen. Der Erfolg hat mich fasziniert: Ich hatte schnell keine Schmerzen mehr. So fing ich an, mich mit Muskulatur und Aufbaustoffwechsel zu beschäftigen. Heute weiß man, dass Heilung nichts anderes ist als Aufbau. In den Fünfzigern war das aber kaum bekannt. 1960 besuchte ich das Sportstudio von Peter Gottlob. Da wusste ich, das ist meine Zukunft.

Aber so ein Studio kostet doch richtig Geld.

Ich hatte 1000 Schweizer Franken. Damit kaufte ich vier Tonnen Alteisen zu 40 Rappen und weniger das Kilogramm, ein defektes Elektroschweißgerät, das ich reparierte, eine Standbohrmaschine und sonst ein paar Werkzeuge. Damit baute ich die Geräte für mein Studio. Ich fand ein Gebäude in Zürich, bei dem die Bewilligung zum Abbruch noch ausstand. Dort zog ich ein.

Plötzlich waren Sie Unternehmer.

So plötzlich ging das nicht. Businesspläne habe ich auf dem Bierdeckel gemacht, das war’s. Dafür hatte ich Frau und Kind. Also habe ich improvisiert. Tagsüber weiter auf dem Bau als Eisenbieger gearbeitet, im Winter im Waffengeschäft. Ab 4 Uhr öffnete ich mein Studio. Erst nach drei Jahren konnte ich von den Einnahmen einigermaßen leben.

"Manchmal mach ich montags blau"

Wann haben Sie gewusst, dass Sie Erfolg haben werden?

Der erste Kunde, der eine Jahreskarte kaufte, war ein Rechtsanwalt. Er hieß Dr. Brack. Er war überzeugt, dass mein Laden überlebt. Und er ist auch dafür verantwortlich, dass die Studios heute meinen Namen tragen. Ich suchte erst nach einem Fantasienamen, doch Dr. Brack sagte: „Wenn Sie vom Nutzen Ihrer Leistung überzeugt sind, nehmen Sie Ihren Namen für die Firma. Und wenn Sie nicht überzeugt sind, suchen Sie sich einen anderen Job.“

Was haben Sie gemacht, als Sie auf Ihrem Konto erstmals die Million geknackt haben?

Da ich laufend investiert habe, dauerte es lange, bis ich eine Million liquide Mittel zur Verfügung hatte. Ich erinnere mich aber gut daran, wie wir die erste Million Umsatz gemacht haben. Das war 1978. Ich hatte ein Gefühl der Entspannung. Verkaufsumsatz ist Anerkennung. Wir – meine vier Mitarbeiter und ich – gingen eine Pizza essen und freuten uns.

Heute gibt es sogar in Australien Kieser-Studios. Warum haben Sie expandiert? Wegen des Geldes?

Nein, Geld ist ein Betriebsmittel, mehr nicht. Eine libidinöse Beziehung zu Geld geht mir völlig ab. Die Entscheidung zu expandieren ist mir richtig schwergefallen. Mein Studio war voll, und ich konnte keine neuen Kunden mehr aufnehmen. Doch ich hatte reichlich Zeit für meine Weiterbildung. Die Erfahrung, dass meine Methode den Menschen hilft, gab den Ausschlag.

Haben Sie in letzter Zeit mal ans Aufhören gedacht?

Wenn Sie selbstständig sind, denken Sie nicht an die Pensionierung. Sie leben Ihren Traum. Jetzt sitze ich mit meinen Hunden im Garten, dafür arbeite ich oft abends oder am Sonntag – und mache manchmal den Montag blau. So möchte ich weitermachen, bis ich tot bin.

Meine erste Million erscheint monatlich in Capital. Weitere Folgen: Promi-Wirt Michael KäferErlebnisunternehmer Jochen Schweizer, Internetunternehmer Fabian HeilemannModedesignerin Jette JoopScanhaus-Chef Friedemann KunzLichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz und Xing-Gründer Lars Hinrichs

Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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