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„Wenn wir jetzt nicht investieren...“

, Monika Dunkel

In Deutschland wird zu wenig investiert. Die Kion Group ist eine Ausnahme. Im Interview erklärt Konzerchef Riske, warum sein Unternehmen Millionen ausgibt.

Gordon Riske © dpa
Kion-Chef Gordon Riske

Unter Ökonomen gilt es mittlerweile als gesicherte Erkenntnis, dass in Deutschland zu wenig Geld in die Zukunft gesteckt wird. Die Investitionszurückhaltung könnte schon bald den Aufschwung in Gefahr bringen. Der Gabelstaplerhersteller Kion ist eine Ausnahme: Der MDax-Konzern investiert 60 Mio. Euro in sein Werk in Aschaffenburg und weitere 23 Mio. Euro für die Fertigung in Hamburg. In Aschaffenburg werden Gabelstapler der Marke Linde produziert, in Hamburg der Marke STILL. Im Interview erklärt Kion-Chef Gordon Riske, warum er so viel Geld in Deutschland ausgibt.

Capital: Herrr Riske, warum investieren Sie 83 Mio. Euro in Deutschland?
Gordon Riske: Diese großen Investitionen für unsere beiden Flaggschiff-Stammwerke in Aschaffenburg und Hamburg sind ein wichtiges Zeichen, dass die nächste Innovationsstufe kommt, nicht nur bei den Produkten, sondern auch in den Produktionsabläufen. Wir können ja nicht über Löhne konkurrieren, also müssen wir das über ständig verbesserte Produktion und Fertigung erreichen. Wenn wir jetzt nicht investieren, verlieren wir irgendwann den Anschluss und können das dann gar nicht mehr aufholen. Das ist nicht nur bei uns so.

Wie sind Ihre Wachstumsaussichten?
Wir sind in einem Markt tätig, der schneller wächst als das Bruttoinlandsprodukt. Wächst das BIP um 1 Prozent, legt der weltweite Markt für unsere Produkte etwa 1,5 Mal so schnell zu. Das ist auf der einen Seite eine komfortable Situation.  Auf der anderen Seite bedarf es einer sehr guten Vorbereitung auf ein solches Marktwachstum. Wir sind Marktführer in Europa, das wollen wir bleiben. Aber wir wollen auch weltweit noch stärker wachsen.

Haben Sie Ihre Investitionsentscheidung für Deutschland je bedauert? Hierzulande ist ja viel von Bürokratiekosten und sonstigen Standortnachteilen die Rede.
Nein. In bin seit über 20 Jahren in Deutschland tätig, habe drei Traditionsunternehmen des deutschen Maschinenbaus geführt. Mein Fazit aus diesen Jahren: Die Deutschen unterschätzen sich selbst. Die Industrie, der Maschinenbau, hat absolutes Top-Weltniveau. Er ist die goldene Gans. Die müssen wir hegen und pflegen.

Wir wollen nahe am Kunden sein

Stört Sie irgendetwas am Standort Deutschland?
Ja, die 35 Stunden-Woche. Das ist mein einziger Kritikpunkt am Standort Deutschland. Wir müssen mehr arbeiten. Aber das wird kommen, angesichts des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels.

Was heißt die Entscheidung für Aschaffenburg und Hamburg für andere Standorte weltweit?
Das ist keine Entweder-oder-Entscheidung. Natürlich investieren wir aber auch außerhalb Deutschlands, etwa in Tschechien. Oder den USA, in Indien und China. Wir wollen nahe am Kunden sein.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie investieren müssen?
2009 ist unser Business im Zuge der globalen Krise um 40 Prozent geschrumpft. Das war richtig heftig. 2011/12 sind die Aufträge dann mit Wucht zurückgekommen, da hatten wir Steigerungen von 20 Prozent im Jahr. Ehrlich gesagt waren wir davon etwas überrascht und konnten nicht flexibel genug reagieren. Ein Kernelement unserer jetzigen Investition ist deshalb deutlich größere Flexibilität. Die Welt ist volatiler geworden, das muss sich auch in der Produktion niederschlagen.

In Deutschland investiert die Privatwirtschaft seit Jahren wenig im Vergleich zu anderen Ländern. Der veraltete Kapitalstock gilt als Achillesferse. Als Amerikaner kennen Sie die Verhältnisse in den USA gut. Sieht es dort besser aus?
In den USA gibt es ein noch viel größeres Problem. Gerade in unserer Industrie ist die industrielle Infrastruktur auf einem besseren Stand. Aber wenn wir allgemein über die Infrastruktur in Deutschland reden, ob Straßen oder Breitband, da müssen wir sehr aufpassen. Nur durch Sparen alleine werden wir hier nicht vorwärts kommen.

Optimistisch für 2014

Graust Ihnen nicht vor der geplanten Umstellung in Ihren Werken? Sie machen das schließlich während der laufenden Produktion.
Von 2009 bis 2011 haben wir in Europa fünf Werke geschlossen und in bestehende Werke integriert. In Großbritannien mussten wir ein recht großes Werk zu machen, dessen Produktion wir hier in Aschaffenburg aufgenommen haben. Das haben wir auch im laufenden Prozess hinbekommen, ohne dass ein Gabelstapler weniger gebaut oder später fertig geworden wäre.

Nahezu jede Branche braucht Gabelstapler. Sie gelten deshalb als Frühindikator für die Konjunktur. Im Moment befürchten einige Prognostiker eine Eintrübung der Wirtschaft. Was lesen Sie in Ihren Auftragsbücher für das dritten Quartal , gibt es Branchen, Unternehmen, die sich zurückhalten oder schon abbestellen?
Natürlich können Sie die Bestellung eines Staplers verschieben. Der hält vielleicht auch noch ein Jahr länger. Wir sehen derzeit noch nichts, was auf Einbrüche hindeutet. Klar, es gibt die Russlandkrise, aber auf Russland entfallen weniger als zwei Prozent unseres Umsatzes.  Es ist im Moment mehr ein Stimmungseffekt. Aber ich kann Rückgänge natürlich nicht ausschließen, wenn die geopolitische Unsicherheiten anhalten. Wir werden sehen. Bemerkenswert ist, dass der osteuropäische Staplermarkt außerhalb Russland im ersten Halbjahr zweistellig zugelegt hat.
Ich bleibe aber optimistisch, dass 2014 ein gutes Jahr wird. Im zweiten Quartal gab es beim wertmäßigen Auftragseingang ein Plus von elf Prozent, das war extrem gut. Der Auftragsbestand lag zur Jahresmitte mehr als 20 Prozent über dem Stand zum Jahresende. Das sind beste Voraussetzungen.

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Lesen Sie zur Investitionszurückhaltung unsere Konjunktur-Analyse Lasst uns die Zukunft bauen in der neuen Capital. Die Deutschen genießen ihren Aufschwung - aber sie tun nichts mehr für den Wohlstand von morgen. Wenn die Investitionen jetzt nicht in Gang kommen, droht ein schmerzhafter Abstieg.

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