• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Business as Usual

Wenn Kollegen verrückt spielen

, Anne Weitzdörfer

Bei eskalierenden Konflikten sind die Beteiligten oft gar nicht die Ursache – sondern nur das Symptom eines Problems. Von Anne Weitzdörfer

Stress im Büro © Getty Images
Streit unter Kollegen hat oft eine tiefere Ursache

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Die Angelegenheit sei „etwas delikat“, sagte mir Mark, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Eine Mitarbeiterin, Ende 40, die seit vielen Jahren im Unternehmen sei und mit der eigentlich jeder gern zusammenarbeite, „spielt seit Kurzem verrückt“. Sie streite sich ständig mit einem jungen Kollegen und verweigere ihm jetzt sogar die Zusammenarbeit ganz. Man habe schon alles Mögliche versucht und denke nun über weitreichende Konsequenzen nach.

Was war passiert? Nachdem der Marketingleiter in Rente gegangen war, hatte man etwas umstrukturiert und einen jungen Nachfolger mit Agenturerfahrung eingestellt. Perfekt, um sich dem Thema Digital gänzlich unvoreingenommen zu nähern. So weit, so gut. Der Neue war motiviert bis in die Haarspitzen und brachte einen riesigen Wortschatz an neudeutschem Onlinesprech mit. Den Rest können Sie sich denken: Die Kollegin und er, die eigentlich auf Augenhöhe zusammenarbeiten sollten, redeten aneinander vorbei. Die Ergebnisse blieben aus. Der Druck stieg. Und damit natürlich auch der Stress- und Frustlevel. Irgendwann eskalierte die Situation komplett. Die Schlichtung durch die Geschäftsführung schlug fehl.

Capital 02/2016
Die aktuelle Capital

Tatsächlich sind in Fällen wie diesen die Mitarbeiter meist gar nicht das Problem – sondern nur das Symptom eines Problems. Die Ursache liegt in der Regel ganz woanders. Die verrücktspielende Mitarbeiterin war überlastet, aber dem Unternehmen loyal verbunden und auf der verzweifelten Suche nach einer Lösung. Bloß war auch ihr nicht klar, was das Problem denn eigentlich war.

Bei der Umstrukturierung gab es schlicht ein Missverständnis: zwischen den Arbeitsbereichen klaffte eine Lücke – ein wichtiges Themengebiet, um das sich allerdings keiner kümmerte. Weil beide so ausdauernd aneinander vorbeigeredet hatten, dass beide dachten: Das macht ja der andere. Also forderten sie immer lauter Ergebnisse, für die sich der Kollege gar nicht zuständig fühlte.

Es dauerte eine Weile, die Angelegenheit Schritt für Schritt auseinanderzunehmen und wirklich alle Unklarheiten bis ins Detail zu besprechen. Dann wurde es ganz still. Vom Riesenkonflikt war nichts mehr übrig geblieben.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil Sie sicher ohne langes Nachdenken mindestens zwei ähnliche Beispiele aus Ihrem direkten Umfeld vor Augen haben. Und ich Ihnen vorschlagen möchte, sich jetzt, wo das Jahr noch nicht wieder voll an Fahrt aufgenommen hat, mal die Zeit zu nehmen und zu fragen, was Symptom und was Ursache ist. Seien Sie Sherlock, und reden Sie mit den Beteiligten! Stellen Sie Fragen und gehen den Dingen auf den Grund! Und zwar nicht verkopft, sondern nach Ihrem Gefühl. So wie jeder gute Ermittler. Ich bin sicher, mit ein wenig investierter Zeit können Sie großen Mehrwert schaffen.

Die Kolumne Business as Usual erscheint jeden Monat in Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.

Weitere Kolumnen von Anne Weitzdörfer: Bitte nicht zu viel Abstand haltenGebrauchsanweisung für die KollegenVerteidigen Sie Ihren Terminkalender, Crash der Generationen, Mit kleinen Schritten zum Ziel


Artikel zum Thema
Autor
  • Business as Usual
Offenheit beim Karrieregespräch

Beförderungen sind ein Minenfeld. Chefs müssen dabei klar kommunizieren – Mitarbeiter aber auch. Von Anne WeitzdörferMEHR

  • Business as Usual
Der Chef muss auch mal Chef sein

Man darf es in der Arbeitswelt auch nicht zu gut meinen. Gerade als Chef. Von Anne WeitzdörferMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.