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Weniger Stromtrassen!

, Capital-Redaktion

MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen schlägt eine Alternative zu Stromtrassen vor: das Power-to-Gas-Speicherverfahren

Georg Pachta-Reyhofen © MAN SE
Gastautor MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen

MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen hat die Bundesregierung aufgefordert, den Einsatz neuer Technologien für die Energiewende zu erleichtern. „Die technischen Lösungen, die heute im Fokus stehen, greifen zu kurz, um dieses beispiellose Großprojekt zum Erfolg zu führen“, schreibt Pachta-Reyhofen in einem Gastbeitrag für Capital.

Mit der Power-to-Gas-Technologie (PtG), bei der überschüssiger Ökostrom in Gas umgewandelt wird, gebe es eine Alternative zum umstrittenen Neubau zahlreicher Höchstspannungsstromtrassen. „Die Bundesregierung sollte regulatorische Hürden abbauen, um PtG den Weg sowohl als Kraftstoff als auch als Strom- und Wärmequelle zu ebnen“, fordert Pachta-Reyhofen.

wichti­ger Beitrag zur Versorgungssicherheit

Die PtG-Technologie könne der Energiewende „einen Schub geben“, schreibt der MAN-Vorstands­sprecher. Mit überschüssigem Strom erzeugtes synthetisches Erdgas könne – genau wie fossiles Erdgas – über das bestehende Versorgungsnetz transportiert und in Haushalten, Autos und Bussen eingesetzt werden. Alternativ sei die Rückwandlung zu Strom in Gas- oder Blockheizkraftwerken möglich. Damit könne diese Technologie den Bedarf an neuen Stromtrassen für die Energiewende reduzieren und die Akzeptanz des Großprojekts in der Bevölkerung sichern, argumentiert Pachta-Reyhofen.

Capital 07/2014
Capital 07/2014

Darüber hinaus könne die PtG-Technologie ein Kernproblem der Energiewende lösen, indem sie Strom speicherfähig mache und damit Erzeugung und Verbrauch von Energie entkoppele. „Sie macht Deutschland unabhängiger von Erdgas aus seinen bisherigen Bezugsquellen in Russland oder Kasachstan“, schreibt der Chef des Münchner Konzerns, der auch Gasturbinen für Kraftwerke und Kompressoren für die Gasindustrie verkauft in Capital. „Damit kann PtG auch einen sehr wichti­gen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.“

PtG-Projekte könnten jedoch nur dann auf Dauer erfolgreich sein, wenn die Bundesregierung die Rahmenbedingungen anpasse, so Pachta-Reyhofen weiter. Um die Technologie wettbewerbsfähig zu machen, müsse der für die Erzeugung des synthetischen Erdgases genutzte überschüssige Wind- und Solarstrom von allen staatlichen Umlagen wie der Ökostromumlage befreit werden. Auf diese Weise hält der MAN-Chef ein Preisniveau für synthetisches Erdgas von unter sieben Cent pro Kilowattstunde (Brennwert) erreichbar. Das liege im Bereich des heutigen Marktpreises von Bio­methan.

Über das Power-to-Gas-Verfahren

Bei guten Wetterbedingungen kommt es heute vor, dass Wind­räder oder Fotovoltaikanlagen vom Netz genommen werden müssen, wenn die Stromnachfrage unter dem Angebot liegt. Mit PtG lässt sich der Überschuss-Strom in Erdgas umwandeln und speichern.
Bei der Erzeugung synthetischen Erdgases wird zunächst Wasser mit Hilfe von Strom in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der auf diese Weise gewonnene Wasserstoff reagiert in einem zweiten Prozessschritt mit Kohlenstoffdioxid (CO2) zu Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas. Das für die Umwandlung benötigte CO2 kann prinzipiell aus jeder Quelle stammen. Auch verschiedene industrielle Abgase können auf diese Weise zur Gasproduktion beitragen – anstatt das Klima ungenutzt zu belasten.

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