• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Kolumne

Weniger Elektro-Schrott - So geht's

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel - dieses Mal beschreibt er, mit welchen Webseiten und Start-Ups sich Elektro-Schrott vermeiden lässt.

Es gibt inzwischen viele Start-Ups, die dabei helfen, unnötigen Elektro-Schrott zu bewahren - gerade im Handybereich © flickr/skewgee
Es gibt inzwischen viele Start-Ups, die dabei helfen, unnötigen Elektro-Schrott zu bewahren - gerade im Handybereich

Wie wir aus „Terminator“ wissen, sollten wir den Maschinen frühzeitig klarmachen, wer hier der Chef ist. Ansonsten tritt irgendwann der elektrische Mob eine Randale los, die nicht einmal Ronald Pofalla wegreden kann. Aber wie soll man dem renitenten Rechner das rechte Maß an Züchtigung zuteilwerden lassen?


Gewiss mag es Frust abführend wirken, das bockende Gerät als „Scheißkiste“ zu bepöbeln. Autoritätsfördernder aber wirkt ein Ausflug in die Sektion „Teardowns“ der Website ifixit.com. Mit sichtbarem Spaß an der Zerstörung wird dort gezeigt, wie Laptops, Smartphones und Tablets in ihre Einzelteile zerlegt werden können und welche Werkzeuge dafür nötig sind. Die kann man seit Kurzem auch hierzulande beziehen, zum Beispiel das iPad Service Kit, mit dem sich jedes Tablet aufsäbeln lässt. Neben den Autopsieanleitungen gibt es auf iFixit Reparaturtipps für allerlei Defekte. Das Credo der Site: „If you can’t fix it, you don’t own it!“ Sprich: Jeder sollte seine Geräte selber reparieren können. Was die Hersteller erschweren, indem sie hermetisch geschlossene Technikklopse erschaffen. Das führt zu schlanken Tablets – die schon bei kleinen Defekten entsorgt werden müssen. Wobei „entsorgt“ ein Euphemismus ist, weil eine vollverklebte Schadstoffbombe dem Recyclingarbeiter doch recht viele Sorgen bereitet.


Hier machte sich 2012 Apple unbeliebt, als der Konzern aus dem Zertifizierungsprogramm Epeat ausstieg. Das US-Pendant zum Blauen Engel setzt Mindeststandards für Schadstoffe, Energieverbrauch, Verpackung und eine recyclingfreundliche Bauweise. Pech für Apple: In den USA dürfen viele Institutionen nur Epeat-zertifizierte Elektronik kaufen. Ein gepflegter Shitstorm animierte Cupertino zur 180-Grad-Wende.

Closing the loop will Elektro-Schrott sogar wieder aus Afrika zurückholen

Nun sind den meisten Anwendern Umweltsiegel so egal wie der Stromverbrauch ihrer Bildschirme, die sie nach Feierabend nicht ausschalten. Und dass alle zwei Jahre ein neues Smartphone hermuss, ist auch nur zum Teil die Schuld der Hersteller. Die Google-Tochter Motorola tut inzwischen zumindest so, als wolle sie die Kunden dazu animieren, ihre Geräte länger zu behalten: Seit Kurzem arbeitet sie mit der Initiative Phonebloks an einer neuen Generation von Smartphones, bei denen alle Komponenten einfach ausgetauscht werden können.


Ich erwarte dieser Tage übrigens das erste Smartphone, dessen kompletter Lebenszyklus dokumentiert ist und von dem man weiß, woher welcher Rohstoff stammt. Das Fairphone-Projekt garantiert, dass Materialien wie Coltan nicht aus Minen stammen, die ihre Arbeiter ausbeuten und Bürgerkriege finanzieren. Vor dem nächsten Smartphonekauf empfehle ich die Fairphone-Videos von den Ortsbesuchen im Kongo.


Wo wir gerade in Afrika sind: Inzwischen haben wir uns ja an den Gedanken gewöhnt, dass unser Elektroschrott dort unter prekärsten Bedingungen ausgekocht wird. Umso schöner, dass Projekte wie Closing the Loop jetzt den Rückwärtsgang einlegen und Elektroschrott zurück nach Europa holen, um ihn hier in modernen Raffinerien zu verhütten.Im Gegenzug könnten wir ja auch mal was Brauchbares schicken: Der deutsche Partner des Viafrica-Projekts, pc-spenden.de, nimmt ausgediente Rechner entgegen, mit denen in Afrika Schulen und NGOs ausgestattet werden. Als Lehrmaterial für die heranwachsende Programmierergeneration des Kontinents. Denn: Je mehr Menschen früh lernen, wie man die Maschinen bändigt, desto besser für uns alle!

-----------------------------------------------

Mit einem Bleistift gezeichnetes Porträtbild von Georg DahmGeorg Dahm ist Technik- und Wissenschaftsjournalist. Derzeit gründet er das digitale Wissensmagazin „Substanz“.


Artikel zum Thema
Autor
  • Mein digitales Leben
Mobile Pulsmesser

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: PulsmesserMEHR

  • Mein digitales Leben
Technik für draussen

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: Outdoor-Accessoires MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.