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Was Google mit uns vorhat

, Helene Laube

Der Technologiekonzern  treibt mit all seinen Apparaten, Geräten und Sensoren eine neue Dimension der Vernetzung voran. Was er nicht gebrauchen kann, sind Grenzziehungen im Internet.

Sergej Brin © Getty Images
Sergej Brin mit Google-Brille: Die Information soll zum Nutzer kommen

„Google kauft Startup für sicheres Login-Verfahren“ – so lautete die bislang letzte Schlagzeile über einen Zukauf des Internetkonzerns. Seit Monaten geht das schon so: Im Dezember übernahm das Unternehmen sieben Start-ups für Robotertechnik, darunter Boston Dynamics. Auch im Januar keine Pause: Google kaufte Nest, für stolze 3,2 Mrd. Dollar, ein Start-up, das intelligente Thermostate und Rauchmelder baut.

Nur Tage später schluckte Google DeepMind Technologies, ein britisches Start-up für künstliche Intelligenz. Dann wieder wurde verkauft: Der Handyhersteller Motorola passte nicht mehr in die Strategie und wurde an Lenovo nach China weitergereicht. Und jetzt also der Kauf des israelischen Drei-Mann-Start-ups Slicklogin, das ein sicheres Verfahren für die Anmeldung auf Internetseiten entwickelt. Mit Sicherheit kennen sich die Israelis aus, sie gehörten der Cyber-Security-Einheit der israelischen Streitkräfte an.

Die neue Capital
Die neue Capital, ab 20. Februar im Handel

Was bezweckt Google mit seiner Einkaufstour? Seit geraumer Zeit stößt Google in neues Terrain vor. Im Kern geht es noch immer um das alte Geschäft: Daten. Und mit diesen ­Daten soll Geld verdient werden. Doch Google baut an einer neuen Dimension der Vernetzung immer neuer Geräte und Applikationen – an einer Art Betriebssystem unseres Lebens. „Unser Ziel ist, mit den Nutzern zu leben – den ganzen Tag mit ihnen zu verbringen, sei es auf einem Fernseher, Mobiltelefon oder Desktop-Rechner, mit Google Glass oder womit auch immer“, sagte Googles Finanzchef Patrick Pichette.

Was der Konzern bei seinen Plänen gar nicht gebrauchen kann, sind Bestrebungen das Internet mit Schranken zu versehen. Googles Chief Internet Evangelist Vinton C. Cerf warnt im Capital-Interview vor den unabsehbaren Folgen nationaler Schutzwälle im Internet als Folge des Abhör-Skandals. Cerf ist einer der weltweit bekanntesten Informatiker und Gründerväter des Webs. „Die Aufteilung des Webs betrachte ich als die schlechteste mögliche Antwort. Länder, die sich entschließen, eine Grenze um sich zu ziehen, ihr Netz vom Rest der Welt zu isolieren, und nur noch selektiv Verbindungen zulassen wollen, werden die Funktionsfähigkeit des Netzes wirklich zerstören.“

Zurzeit sei noch Verknüpfung die Norm des Netzes, wenn aber „nationale Netzwerke die Norm würden, mit paarweisen Abkommen zum Datenaustausch zwischen Ländern, dann hätten wir ein zerteiltes Web“.

Cerf befürchtet weitreichende Folgen für die Internet-Nutzer und die Wirtschaft, wenn bei­spielsweise die Gedankenspiele der EU in Bezug auf die „IT-Unabhängigkeit“ Realität würden: „Ein zertrenntes Internet ist ein unberechenbares und daher unzuverlässiges Internet.“ Je mehr sich solche Schutzwälle einschlichen, desto weniger nützlich wäre das Web für Geschäfte, Wissenschaft und Bildung.

Lesen Sie die große Google-Geschichte „Und jetzt: die Weltherrschaft“ in der Capital 03/2014. Ab dem 20. Februar können Sie hier die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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