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Warum Manager Vorurteile ablegen sollten

, Anne Weitzdörfer

Es macht das Arbeitsleben deutlich leichter, wenn man anderen nicht immer das Schlechteste unterstellt. Von Anne Weitzdörfer

Führungskräfte sollten ohne Vorurteile auf ihre Mitarbeiter zugehen © Getty Images
Führungskräfte sollten ohne Vorurteile auf ihre Mitarbeiter zugehen

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Lars ist ein sehr intelligenter und schneller, gleichzeitig ungeduldiger und leicht reizbarer Mensch. Vor sechs Monaten ist er als Abteilungsleiter in ein großes, deutsches Industrieunternehmen gewechselt. Und als er unterschrieben hatte, ließ seine Personalerin ihn wissen, dass er in den nächsten Monaten das für seine Hierarchiestufe obligatorische Seminar besuchen müsse. Das sei Konzernrichtlinie. Lars fand das vollkommen überflüssig, hatte er doch mehr als 15 Jahre Führungserfahrung. Aber Richtlinie ist Richtlinie, und die Personalentwicklerin war wenig verhandlungsbereit.

Das Seminar fand Lars ziemlich anstrengend, um nicht zu sagen „psycho“. Es ging um seine Haltung als Führungskraft und sein Menschenbild. Und so sehr er die Tage einfach abgesessen hatte, so sehr konnte er sich nicht dagegen wehren, dass ihn im Nachgang eine Idee verfolgte, auf die man ihn im Seminar gestoßen hatte: Was, wenn der oft misstrauische und aufbrausende Lars einmal annehmen würde, dass seine Mitarbeiter und Kollegen nach bestem Wissen und Gewissen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten arbeiteten? Und er also keinerlei Unterstellungen und Misstrauen benötigte, um seinen Alltag zu bestreiten?

Wir unterstellen anderen schneller das Schlimmste als das Beste

Capital 11/2016
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Zugegeben, ein verwegener Gedanke. Was, wenn sein dienstältester Mitarbeiter nicht faul wäre, sondern einfach nur überfordert und er deswegen einfachste Dinge vergäße? Was, wenn sein Kollege nur nicht mitdachte und ihn deswegen bei E-Mails nicht in Kopie nahm? Zunächst fiel es ihm schwer, so zu denken. Aber irgendetwas war in dem Seminar passiert, dass er es tat. Und so kam es, dass er es nicht mehr persönlich nahm, wenn das Protokoll des Dienstältesten fehlerhaft war, sondern er diesen nur knapp bat, die Fehler zu korrigieren. Ohne aggressiven Unterton. Gleiches mit seinem Kollegen: kurz nachgefragt und ihn an die Weiterleitung der relevanten Mails erinnert. Problem gelöst.

Und so blieben von den etwa 100 Alltagssituationen, in denen er sich normalerweise massiv über Kleinigkeiten ärgerte, erschreckend wenige übrig. Und der Umgang mit seinen Mitarbeitern und Kollegen wurde angenehmer – ganz ohne lange und ermüdende Gespräche. Das fand Lars erstaunlich. War es doch nur ein einfacher Gedanke gewesen, den er mitgenommen hatte.

Nach dem Gespräch mit Lars habe ich festgestellt, dass ich selbst täglich in mindestens zehn Situationen denke wie er früher. Ich nehme an, bei Ihnen ist es ähnlich – wir alle unterstellen anderen schneller das Schlimmste als das Beste. Und obwohl es nicht ganz leicht ist, sich das abzugewöhnen, bin ich mir sicher: Wenn Sie sich eine Woche lang im Umgang mit Kollegen beobachten und merken, wie unschön (um nicht zu sagen: unangenehm) das eigene Verhalten deshalb an vielen Stellen ist, hören Sie danach damit auf. Und machen es wie Lars.

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