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Warum Harley-Davidson auf Ökoantrieb macht

, Raphael Moritz

Marken verändern sich. Sie steigen auf und ab. Die PS-Ikone Harley-Davidson verzichtet auf den Verbrennungsmotor.

Harley-Davidson Livewire © Getty Images
Harley-Davidson Livewire: kein Röhren, nur ein leises Surren

Die erste Harley-Davidson wurde 1903 in Milwaukee gebaut. Dort, im Mittleren Westen der USA, sitzt die Firma heute noch, weltweit arbeiten 6200 Mitarbeiter für sie. In Deutschland verkauft Harley-Davidson pro Jahr etwa 10.500 Motorräder. Nach BMW und Honda ist Harley damit hierzulande die drittbeliebteste Motorradmarke.


Immer wenn im Sommer die „Harley Days“ durch Hamburg rollen, riecht die Reeperbahn nach Tankstelle. Langhaarige Lederjackenträger mit dichten Bärten und dicken Bäuchen donnern dann auf ihren Harleys durch die Stadt. Für viele Rocker ist ihr Chopper Marke Harley-Davidson das Statussymbol schlechthin.

Harley-Davidson ist das älteste Unternehmen der Welt, das durchgehend Motorräder produziert hat. Kaum eine andere Marke verbindet man so sehr mit brummenden Motoren, der Hardrock-Band AC/DC und Highway-Romantik auf der Route 66. Die Firma hatte sich ein perfektes, unverwechselbares Image der Freiheit, Männlichkeit und des wilden Bebens der Maschinen geschaffen.

Jetzt aber verzichtet der Motorradproduzent aus den USA auf den Verbrennungsmotor. Zumindest im neuesten Modell „Livewire“. Bei dem E-Bike gibt es kein Röhren, kein Knattern und keinen vibrierenden Motor mehr, sondern nur noch ein leises Surren. Es ist die erste Harley, die weder Benzin noch Öl braucht. Trotzdem schafft sie es in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100, der Akku hält rund 85 Kilometer. 2020 soll das Modell in den Handel kommen – wenn alles klappt.

Capital 04/2016
Die aktuelle Capital

Wie viel Mühe sich das Unternehmen mit der Vorstellung gegeben hat, zeigt, dass es dabei nicht nur um ein neues Motorrad geht. Länger als ein Jahr ist es mit 50 handgefertigten E-Bikes durch die Welt getourt, damit sich Harley-Fans mit dem neuen Fahrgefühl anfreunden können. Dieser Aufwand dokumentiert auch: Der Hersteller muss viel Überzeugungsarbeit betreiben, weil er den Kern der Marke antastet. In Internetforen lassen sich Harley-Jünger bereits über die neue Maschine aus. „Die ist so aufregend wie mein Staubsauger!“, schimpft einer. Ein anderer schreibt: „Diese Öko-Harley kommt mir nicht unter’n Arsch!“

Deutschland-Geschäftsführer Christian Arnezeder sieht das gelassen. Die nahtlose und kraftvolle Beschleunigung der „Livewire“ aus dem Stand heraus beeindrucke jeden echten Motorradfahrer, sagt der Manager. „Sie ist das komplette Gegenteil eines spießigen und charakterlosen Ökomobils, das seinem Besitzer nur als Mittel zum Zweck dient.“

Allerdings soll das E-Bike auch dazu dienen, das mittlerweile etwas eingerostete Image aufzufrischen. Es ist fast ein halbes Jahrhundert her, dass Dennis Hopper in „Easy Rider“ auf einer Harley durch den wilden Westen der USA röhrte. Die heutige Kundschaft lässt sich nicht mehr allein mit Cowboystiefeln und Highway-Romantik gewinnen.

Das Ergebnis: Zuletzt musste das Unternehmen mehrere Umsatzeinbrüche verkraften, ein Stellenabbau ist geplant. Harley-Manager Arnezeder sorgt das nicht: „Unser Unternehmen stand schon mehrfach am wirtschaftlichen Abgrund. Es hat zwei Weltkriege und zwei Weltwirtschaftskrisen überlebt.“ Mit dem krawalligen Sound könnte es dennoch bald vorbei sein. Menschen, die an Landstraßen wohnen, werden sich freuen.

„Markenmoment“ erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Folgen: Warum die Schokofirma Rausch den Handel meidetWarum Berentzen Orangen verkauftWie Völkl Senioren auf die Piste bringen will und Warum Brandt ein neues Gesicht für seine Zwieback-Packungen sucht

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