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Warum die Schwalbe als E-Roller zurückkommt

, Thomas Steinmann

Marken verändern sich. Sie müssen sich immer wieder neu erfinden. Vom Comeback des DDR-Kultrollers Schwalbe profitiert auch der Staat

Der Schwalbe E-Roller bei der Präsentation in Berlin © Getty Images
Der Schwalbe E-Roller bei der Präsentation in Berlin

Unternehmen: Das Familienunternehmen Simson in Suhl produzierte Ende des 19. Jahrhunderts erst Waffen und Fahrräder, später auch Autos und Rennwagen. Nach 1945 bauten die Simson-Werke als Volkseigener Betrieb Zweiräder, ab 1964 den Schwalbe genannten Roller KR51. Nach der Wende wurde die Firma liquidiert. Anläufe für einen Neustart scheiterten.


Nach drei Jahren Arbeit hatte Thomas Grübel fast alles zusammen, um die Schwalbe wieder auf die Straße zu bringen. Bei Grübels Münchner Elektrorollerhersteller Govecs bastelte ein Team von 20 Entwicklungsingenieuren an einer Neuauflage des DDR-Kultmopeds nach 30 Jahren Pause. Mit dem Bosch-Konzern hatte Grübel einen Partner für den Antrieb und die Batterie gefunden. Am Ende fehlte nur noch eine Sache – allerdings eine entscheidende: Govecs brauchte die Rechte, um die Marke Schwalbe für seinen neuen Elektroroller nutzen zu können.

„Das war ein sehr, sehr langer Weg“, sagt Grübel, ein Schwalbe-Fan, der privat selbst einen der legendären Zweitakter aus den Suhler Simson-Werken fährt. Seit 2013 verhandelte der Govecs-Gründer mit der Bundesbehörde, die einen Teil des Nachlasses der untergegangenen DDR verwaltet: neben Flächen und Immobilien auch die Markenrechte der Simson-Werke, die nach der Wende abgewickelt wurden. Mehr als ein Mal war er kurz vor dem Verzweifeln. „Wir haben die erst auf die Idee gebracht, welchen Wert die Marke hat“, sagt Grübel.

Schwalbe als Lifestyleprodukt

Erst seit dem Durchbruch in diesem Jahr ist wirklich klar, dass das Münchner Unternehmen den berühmten Schriftzug und die unverkennbare Silhouette des Kultrollers verwenden darf. Bis zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehrere Millionen Euro in die Entwicklung eines Prototyps geflossen. Bei jeder Elektro-Schwalbe, die Grübel für rund 5000 Euro verkaufen will, bekommt der Lizenzgeber nun eine Umsatzbeteiligung im unteren einstelligen Prozentbereich. Von der Wiederbelebung eines kleinen Stückchens DDR profitiert also auch der Finanzminister des einstigen Klassenfeinds.

Capital 11/2016
Die aktuelle Capital

Für Govecs und seinen Chef Grübel, der Ende der 90er-Jahre begann, an Elektrorollern zu tüfteln und später den heutigen Marktführer in China aufbaute, soll die Schwalbe ebenfalls einen Schub bringen. Bislang liefert die Firma ihre Fahrzeuge nur an Geschäftskunden – etwa an die Pizzakette Domino’s oder die niederländische Polizei. In Paris bestückt Govecs die Flotte für elektrische Mietroller. Nun steigt Grübel in den Privatkundenmarkt ein – mit einem „Lifestyleprodukt“, wie er den Elektro-Scooter mit einer Reichweite von 100 Kilometern und 47 km/h Spitzengeschwindigkeit nennt. Als Zielgruppe im Blick hat er vor allem Schwalbe-Liebhaber und Städter zwischen 25 und 45 Jahren.

In den kommenden Monaten wird Grübel die Produktion der E-Schwalbe im eigenen Werk in Breslau hochfahren. Im Sommer 2017 soll die Auslieferung beginnen – zuerst in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Klassische Zweiradländer wie Spanien oder Italien, der Heimatmarkt des Wettbewerbers Piaggio, sind für 2018 geplant. Was die Absatzziele angeht, hält sich Grübel mit großen Worten zurück. Aber „ein paar Tausend“, sagt er, sollen es im ersten Jahr schon sein.


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