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Warum die Deutsche Bahn Auto-Matten herstellt

, Monika Dunkel

Sie ist Deutschlands größter Logistikkonzern - und doch mehr als das. Vorstand Thomas Lieb verrät wie hoch die Umsatzrendite der Logistik-Sparte ist und äußert sich zu Verkaufsgerüchten.

Logistik-Vorstand Thomas Lieb © DB
Logistik-Vorstand Thomas Lieb

Mitarbeiter der Deutschen Bahn unterhalten Ersatzteillager für Windkrafträder in Europa. Sie stanzen Bodenmatten für Autos oder reparieren Smartphones und Tablets für namhafte Weltmarken. Warum machen Sie das? Verzetteln Sie sich da nicht?

Als Bahntochter transportieren wir ja ohnehin die Geräte vieler Elektronikkonzerne oder etwa die Pkws der Automobilhersteller. Wir haben sie quasi in der Hand. Da ist es doch naheliegend, dass wir Kunden ein paar Extras anbieten. Das spart Zeit, Kosten und Verkehr. Für uns ist das ein attraktives Geschäft, das stark wächst.

Viele Ihrer Kunden wollen lieber geheim bleiben. Warum?

Einige reden ja auch drüber. Die Automobilbranche, für die wir etwa Dämmmatten stanzen oder Spiegel montieren – z.B. für Volkswagen und für Daimler - ist da weniger geheimniskrämerisch. In der Elektronikindustrie spielt Sicherheit aber eine große Rolle. Und Angst vor Geheimnisverrat. Produktneuheiten sind Top Secret.

In der Logistik sind die Gewinnspannen eher mickrig. Machen Sie denn mit diesen Extras, im Fachjargon Kontraktlogistik, mehr Gewinn?

Die Margen im Logistikgeschäft sind eher mau. Das liegt schlicht in der Natur des Geschäfts. Sie haben enorm hohe Kosten beispielsweise für Lagerhallen, Sicherheit, Transport. Mit einer Umsatzrendite von knapp drei Prozent schlagen wir uns ganz gut. Die Konkurrenz ist im Schnitt auch nicht besser. Mit dem technologischen Support verdienen wir etwas besser. Aber ist ein kleines, feines Segment. Weltweit machen wir damit rund 100 Millionen Euro Umsatz, bei einem Gesamtumsatz von 1,8  Milliarden Euro in diesem Bereich.

Die Logistikbranche wächst und wächst und ist der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland. Woran liegt das eigentlich?

Wer Exportweltmeister sein will, tut gut daran, auch Logistikweltmeister zu sein. Handel und Wohlstand sind nur möglich, wenn sie weltweit Waren hin- und her transportieren. Dass die großen Logistiker alles Unternehmen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz sind, liegt auch an der Ausbildung. Nur in diesen Ländern gibt es seit langen Jahren den Beruf des Speditionskaufmanns. In Deutschland können Sie außerdem an einem Dutzend Hochschulen Logistik studieren.

Was ist denn eigentlich so schwer daran?

Nehmen Sie nur mal unser Unternehmen. Wir schippern jährlich zwei Millionen Container auf den Weltmeeren herum, fliegen im Jahr mehr als 1,2 Million Tonnen Güter durch die Welt und liefern pro Jahr 95 Millionen Sendungen im LKW – allein das sind zwei Sendungen pro Sekunde. Das sind wahnsinnige Mengen, die alle sicher und schnell befördert werden wollen. Das erfordert ein ausgeklügeltes System.

Jeder will alles sofort geliefert haben. Stößt die Logistikbranche nicht irgendwann an Grenzen, es gibt schließlich schon heute ein ziemliches Gedränge auf den Straßen, am Himmel und auf den Weltmeeren?

Überhaupt nicht. Viele Produkte werden ja immer kleiner und leichter, nehmen Sie nur den Computer. Außerdem können heutige Frachtschiffe rund 15-16000 Container schleppen, früher waren es 7000. Durch intelligentere Transportsysteme haben wir zudem viel weniger Leerfahren bei LKWs als vor 10 Jahren. Hier ist noch viel Luft.

Ist die Nachfrage nach Computern und Autos irgendwann ausgereizt?

Der Hunger der Welt nach Smartphones, Laptops und neuen elektronischen Geräten ist noch lange nicht gestillt. Die Elektronikindustrie wird in den nächsten Jahren wohl weiter um 6,5 Prozent  jährlich wachsen. In der Automobilindustrie mag es in Europa eine gewisse Sättigung geben, aber in China und Südamerika steigt die Nachfrage weiter rapide.

Warum investieren Sie gerade massiv in Ländern wie Panama, Kambodscha und Angola?

Diese Länder wachsen. Bis 2020 wird die Hälfte des weltweiten Wachstums in den Emerging Markets stattfinden. Da wollen wir ran.

Die Deutsche Bahn hat Sie vor einigen Jahren zurückgekauft. Es gibt immer wieder Gerüchte, dass der Mutterkonzern Sie wieder loswerden will, weil Ihre Gewinne nicht üppig genug ausfallen.

Das ist üble Nachrede. Finanziell sind wir eine angenehme Tochter, die dazu beiträgt, dass es dem Konzern gutgeht. Als DB Schenker machen wir mit etwa 20 Mrd. Euro rund die Hälfte des Umsatzes der DB aus. Im Jahr 2012 hatten wir bei DB Schenker Logistics das beste Ergebnis in unserer Geschichte und auch 2013 haben wir etwa 350 Mio. Euro zum Gewinn beigesteuert. Beim Return on Investment liegen wir deutlich im zweistelligen Bereich, im Konzernvergleich ist das Spitze.  Und natürlich wollen wir noch profitabler werden.

Für die neue Capital-Ausgabe, die am 23. Oktober erscheint, war Monika Dunkel in Rotterdam. Sie hat eine Reportage aus der Werkzeughalle mitgebracht, in der die Deutsche Bahn Elektronikgeräte für viele Weltmarken repariert.


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