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Wachstumsschmerzen

, Kai Beller

Meistens tut Wachstum gut, siehe Deutschland. Manchmal ist es zu gering, siehe China. Und manchmal ist es unheimlich, siehe Google.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sonnt sich derzeit im Konjunkturhoch. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem soliden Aufschwung“, verkündete er in dieser Woche. Für das laufende Jahr erwartet die Bundesregierung ein Wachstum von 1,8 Prozent, im kommenden Jahr soll das Plus bei zwei Prozent liegen. Eitel Sonnenschein herrscht nach Darstellung der Regierung in der deutschen Wirtschaft: Die Binnennachfrage wächst, die privaten Einkommen nehmen zu und die Unternehmen investieren wieder.

Über Störfaktoren wie die geplante Einführung eines Mindestlohns oder die Ukraine-Krise schweigt Gabriel lieber. Dabei würde eine Eskalation des Konflikts in Osteuropa die deutsche Wirtschaft vermutlich hart treffen – vor allem bei einem Gaslieferstopp. Die schönen Wachstumserwartungen wären dahin.

Russland stürzt ab

Es fragt sich nur, ob sich Russland das überhaupt leisten kann und will. Denn für das Land erweist sich der Konflikt mit dem Westen um die Annexion der Halbinsel Krim schon jetzt als wirtschaftliches Desaster. Finanzminister Anton Siluanow warnte in dieser Woche sogar vor einem Null-Wachstum. Die Wirtschaft des Landes befinde sich in der schwierigsten Lage seit der Krise 2008. Das russische Vorgehen in der Ukraine und die Sanktionen des Westens haben zu einer massiven Kapitalflucht geführt. Das schränke die Investitionsmöglichkeiten ein und bedrohe den Staatshaushalt, so Siluanow.

Der Finanzminister sprach sich dafür aus, nicht zu viel Geld für die angegliederte Krim zu verplanen. Erst müsse der tatsächliche Bedarf ermittelt werden. Moskau steht bei den Krim-Bewohnern aber im Wort: Investitionen sowie höhere Löhne und Renten wurden ihnen bei der Eingliederung versprochen.

Probleme ganz anderer Art hat die Volksrepublik China: Dort gilt das BIP-Wachstum von 7,4 Prozent im Fürjahrsquartal schon als Alarmzeichen. Es signalisiert eine Wachstumsverlangsamung in dem Schwellenland, dass jahrelang zweistellige Zuwachsraten gewohnt war. An den Finanzmärkten wurden die Daten dennoch mit Erleichterung aufgenommen: Zwar habe sich das Wachstum weiter abgeschwächt, aber nicht in dem Maße wie befürchtet worden war.

Experten wie IWF-Chefin Christine Lagarde sehen das Wachstum ohnehin nicht als Hauptgefahr für die chinesische Wirtschaft. Vielmehr müsse die Schuldenproblematik durch eine Liberalisierung des Finanzsektors in Angriff genommen werden.

Google macht Angst

Leichte Wachstumsschmerzen bekommt auch der Internetriese Google. Zwar sprach Google-Co-Chef Larry Page bei der Vorlage neuer Zahlen von einem „weiteren großartigen Quartal“. Trotz starker Wachstumsraten entdeckten Analysten aber ein paar Schwächen. So ist der Preis, den Google für einen Klick auf eine Werbeanzeige erzielt, gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent gesunken. Grund ist die Verbreitung von mobilen Geräten: Für Werbung auf den kleinen Smartphone-Bildschirmen zahlen die Werbetreibenden weniger. Die Börsianer nahmen es übel.

Google wird die Delle verschmerzen können. Hierzulande dominiert eher die Angst über die Allmacht des Internetkonzerns. Springer-Chef Matthias Döpfner brachte das in einem Gastbeitrag auf Faz.net zum Ausdruck: „Wir haben Angst vor Google. Ich muss das einmal so klar und ehrlich sagen, denn es traut sich kaum einer meiner Kollegen, dies öffentlich zu tun“, schreibt der Medienmanager. Google sei ein Monopolist, der seine marktbeherrschende Stellung ausnutze. „Google braucht uns nicht. Aber wir brauchen Google.“ Es gebe für Verlage keine Alternative zu dem Suchmaschinengiganten, dessen Algorithmen über das Wohl und Wehe kleinerer Unternehmen entscheide.

Ein möglicher Google-Konkurrent wäre Yahoo. Konzernchefin Marissa Mayer kämpft seit ihrem Amtsantritt darum, den Internetionier wieder flottzumachen. Im Werbegeschäft steht Yahoo aber klar im Schatten von Google und Facebook. Jetzt berichten Nachrichtenagenturen  von einem neuen Plan Mayers: Yahoo soll Google als Standardsuchmaschine auf allen Apple-Geräten ersetzen. Gelingt das, wäre es ein echter Coup.


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