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Vural Öger über seine erste Million

, Mareike Enghusen

Vural Öger galt als Vorzeigeunternehmer, jetzt wurde ein Arrestbefehl gegen ihn erlassen. Mit Capital sprach er 2014 über seinen Aufstieg.

Vural Öger © dpa

Vural Öger, 1942 in Ankara geboren, kam 1960 zum Studium nach Berlin. 1969 bot er mit seinem „Reisebüro Istanbul“ den ersten Direktflug von Hamburg in die Türkei
an. 1973 gründete er die Öger Türk Tour GmbH, später umbenannt in Öger Tours. 2010 verkaufte er einen Teil des Konzerns für 30 Mio. Euro an Thomas Cook. Anfang 2014 gründete er die V.Ö. Travel. Nun sind zwei seiner Firmen insolvent. Gläubiger versuchen per Arrestbefehl Millionen bei ihm einzutreiben.


Capital: Sie sind 1960 nach Deutschland gekommen, um Ingenieurwissenschaft zu studieren. Warum haben Sie nach dem Abschluss ausgerechnet ein Reisebüro gegründet?

Öger: Ich wusste, dass es zwischen Hamburg und der Türkei keinen Direktflug gab, dabei lebten damals rund 40.000 Türken in Norddeutschland. Ich habe eine Marktlücke gesehen und mir gesagt: „Bleib noch ein 
paar Monate und verdien ein bisschen Geld, bevor du in die Türkei zurückgehst.“ Mein Vater, ein Offizier, war anfangs streng dagegen.
 Er sagte: „Du warst ein fleißiger Student, ich war stolz auf dich, und jetzt verkaufst du Flugscheine!“

Woher hatten Sie das Startkapital?

Ich hatte 2000 Mark aus Studentenjobs angespart. Davon habe ich Tapeten gekauft und die Miete für das Reisebüro gezahlt. Dann habe ich Werbung gemacht, auf Zettel „Charterflug 365 Mark“ geschrieben und sie in türkischen Wohnheimen verteilt. Am Wochenende darauf standen 30, 40 Leute vor meinem Laden. Gegenüber wohnte ein altes deutsches Ehepaar, die haben sich gewundert: „Was wollen all diese schwarzköpfigen Menschen?“ Nach zehn Tagen war die erste Maschine voll. Ein Traum für jeden Unternehmer: Sie haben einen Markt, Sie haben keine Konkurrenz, den Preis bestimmen Sie, und die Leute stehen bei Ihnen Schlange!

Können Sie sich an die erste Million erinnern?


Ja, das war 1978. Mein Lebensstandard war schon vorher gestiegen, ich hatte eine schöne Wohnung an der Alster, ein gutes Auto, schicke Kleidung. Trotzdem: Die erste Million war ein Erlebnis.


Haben Sie sich etwas Besonderes gegönnt?

Ja, ich bin nach Barbados geflo
gen und hatte eine Suite in einem Traumhotel.


"Ich muss immer irgendetwas tun"

Hat Erfolg auch negative Seiten?


Er kann sehr einsam machen. Man hat viele Bekanntschaften, und ein paar Freundschaften aus der Kindheit überleben. Aber wenn Sie abheben, werden die Freunde weniger.

Sie haben gerade eine neue Firma gegründet, die V.Ö. Travel. Warum setzen Sie sich nicht zur Ruhe?

Ich liebe es, strategisch zu denken und Ziele zu setzen. Ohne diese Aufregung mag ich nicht leben. Es gibt Leute, die liegen im Urlaub den ganzen Tag am Strand. Das kann ich nicht. Ich muss immer gleich irgendetwas tun, ich mache dann etwas sauber oder bastle am Auto. Geld war für mich nie ein Ziel, nur ein Messwert für Erfolg. Glücklich sind Sie, wenn Sie lieben, was Sie tun.


Es heißt, türkische Unternehmer seien flexibler als deutsche. Ein Klischee?

Nein, das stimmt. Der Deutsche ist ein sehr disziplinierter Mensch,
der seine Arbeit achtet. Aber er ist sehr konservativ. Wenn das Ersatzteil fehlt, wartet der deutsche Meister, bis das Ersatzteil kommt – auch wenn es eine Woche dauert. Der Türke nimmt ein Stück Draht und einen Hammer, bastelt was zusammen, und der Apparat funktioniert! Deutsche Unternehmen, die in die Türkei expandieren, stellen deshalb gern junge türkische Akademiker ein. Wenn sich beide Kulturen vermischen, kann daraus etwas sehr Erfolgreiches entstehen.


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