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Vorbild: Mütter in Teilzeit

, Anne Weitzdörfer

Viele Mitarbeiter wollen heute nicht mehr Geld, sondern mehr Flexibilität. Wie lässt sich das hinbekommen? Von Anne Weitzdörfer

Besprechung im Büro © Getty Images
Wenn flexible Arbeitszeitmodelle funktionieren sollen, müssen alle Mitarbeiter mitziehen

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Jede Führungskraft wünscht sich motivierte Mitarbeiter. Die morgens gut gelaunt ins Büro kommen, engagiert ihren Tag bestreiten und sich weiterentwickeln wollen. Dominik hat so ein Team, insgesamt acht Mitarbeiter. Er leitet die Produktentwicklung in einem Start-up, ist Anfang 30 und ein intelligenter, sehr engagierter Typ. Er wollte für sich und sein Team die Dinge selbst gestalten – und ist dabei schnell an Grenzen gestoßen.

Als er einem seiner Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung geben wollte, wollte der nicht mehr Geld, sondern mehr Freizeit. Kein Problem. Als junges Unternehmen gab man sich unkompliziert und fand eine Lösung. Dann aber machte das Modell Schule, und plötzlich wollte jeder etwas anderes: der eine nur noch vier Tage, die andere gleich ganz von zu Hause aus arbeiten, der Nächste wieder mehr Urlaub statt mehr Geld. Und ehe Dominik sichs versah, war der Alltag chaotisch und unübersichtlich geworden und er total genervt.

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An dem Beispiel wird deutlich, dass es offenbar mehr braucht, damit so viel Flexibilität funktioniert. Die erste und wichtigste Zutat: Sie brauchen Mitarbeiter mit einem hohen eigenen Anspruch und innerem Antrieb. Die ihre Themen eigenständig vorantreiben und wenig von außen brauchen, schon gar nicht Kontrolle. Oft sieht man das bei Müttern in Teilzeit, die mit permanent schlechtem Gewissen gegen die Uhr arbeiten, weil sie gleich schon wieder losmüssen. Der kritische Erfolgsfaktor ist hier ein sehr gutes Recruiting ohne Kompromisse: Denn wenn nur einer nicht mitmacht, funktioniert die ganze Freiheit nicht mehr.

Zutat Nummer zwei sind klare Ziele, Deadlines und ein gemeinsames Verständnis über das geforderte Ergebnis. Denn dann kann es Ihnen als Chef egal sein, wie Ihre Mitarbeiter sich ihre Zeit einteilen. Funktioniert aber auch nur dann wirklich gut, wenn Sie eine Führungskraft sind, die wirklich führt. Die zu jeder Zeit die Themen im Blick und eine Übersicht über die Kapazitäten ihrer Mitarbeiter hat, priorisiert und Ergebnisse nachhält. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Wie viele von diesen Superführungskräften kennen Sie?

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Mein Ziel ist es nicht, hier gegen ein Maximum an Flexibilität bei Arbeitszeitmodellen zu argumentieren. Ich will Ihnen stattdessen vor Augen führen, dass die eierlegende Wollmilchsau ein sehr klares Commitment aller Beteiligten erfordert – von jedem Mitarbeiter und auch vom Chef. Und es braucht die Bereitschaft, dieses dann auch im Alltag zu leben. Es braucht Planungsmeetings und wöchentliche Abstimmung, klare Kommunikation, Manöverkritik und direktes Feedback, wenn Dinge nicht funktionieren. Dominik und sein Team haben sich nach einer intensiven Diskussion für Freiheit und Flexibilität entschieden. Und weil das alle wirklich wollen, kriegen sie das jetzt auch hin.

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