• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Markenmoment

Völkl will Senioren auf die Piste bringen

, Raphael Moritz

Marken verändern sich. Sie steigen auf und ab. Der Skihersteller Völkl erfindet darum eine neue Zielgruppe

Skifahrer mit Völkl-Skiern © Völkl International
Völkl will eine neue Zielgruppe ansprechen: Senioren

Seit 1923 produziert Völkl Ski. Ursprünglich stellte das Unternehmen Räder und Kutschen her. Franz Völkl junior übernahm in den Fünfzigern das Ruder von seinem Vater, 1996 übergab er an Christoph Bronder, der bis heute Geschäftsführer ist. Das Unternehmen gehört seit 2007 zum US-Konzern Jarden.


Eigentlich wollte Christoph Bronder mit seiner Werbung etwas wagen. Wie die bei Sixt. Ein Junge mit Zahnlücke, der im Skilift sitzt und sagt: „Mein Opa hat zwar schon die dritten Zähne, dafür haben wir beide Ski von Völkl.“ Eigentlich wollte Bronder, Chef des bayerischen Skiherstellers, seinen neuen Ski auch „Silver Surfer“ taufen. Eigentlich. Doch die Marketingabteilung intervenierte. Ein Seniorenhandy dürfe schließlich nicht Seniorenhandy heißen. Deswegen nannten sie den Ski „Efficiency“. Über dem Jungen und seinem Opa prangen nun die Worte: „Less effort – more performance“: weniger Aufwand, mehr Leistung.

Völkl will damit eine neue Zielgruppe erreichen, und das ist für Skihersteller derzeit auch nötig. Wurden vor 25 Jahren in Deutschland jährlich noch fast eine Million Paar Ski gekauft, sind es heute weniger als 300.000, Tendenz sinkend. Der Trend, Ski zu leihen statt zu kaufen, hält weiter an. Auch Schulen fahren seltener in Skiferien. Völkl will darum mit seinem Seniorenski den Markt von hinten aufrollen – und Menschen erreichen, die sich bisher nicht mehr auf die Bretter trauten.

Capital 12/2015
Die aktuelle Capital

„Ich sage schon lange, dass wir mit Ärzten und Orthopäden zusammenarbeiten müssen“, erklärt Bronder. Geht es nach Völkl, soll Skifahren zum Gesundheitssport avancieren. „Mit dem Efficiency braucht man nicht so viel Kraft. Dadurch werden Knie und Rücken weniger belastet.“ Tatsächlich ist Skifahren heute so sicher wie nie. Die Zahl schwerer Unfälle sinkt seit Jahren. Und geht es nach Völkl, könnten bald Rentner mit künstlicher Hüfte die Berge herunterwedeln.

Immerhin klemmt mit dem Efficiency rund ein Kilo weniger an den Füßen als bei herkömmlichen Ski. Er soll außerdem drehfreudiger und damit knieschonender sein. Dafür ist er mit fast 750 Euro kein Schnäppchen. Bronder verweist auf das „Made in Germany“. Das habe seinen Preis. Völkl produziert im bayerischen Straubing mit 400 Mitarbeitern und – je nach Auslastung – 60 Leiharbeitern. Zahlen zu Umsatz oder Gewinn nennt Bronder nicht.

Der Skihersteller aber bewegt sich auf einem Markt, in dem vor allem ein Faktor den Umsatz bestimmt, den niemand beeinflussen kann: Schnee. Da der immer später und seltener fällt, muss Völkl Innovationen bringen. Besonders schlecht lief es in der vergangenen Saison. Die Händler lieferten sich Rabattschlachten, weil der Schnee zu spät kam. Erst im Frühjahr lief das Geschäft halbwegs. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Bronder – wieder einmal.

Den Plan, einen Ski für Silver Ager herzustellen, hatte Bronder schon seit fast zehn Jahren. Zwei Ängste hielten ihn zurück: Erstens, sagt er, habe man keinen Ski auf den Markt bringen wollen, der nicht richtig funktioniert. Zweitens – da sorgt sich wieder das Marketing – sollen junge Fahrer und Freerider die Marke nicht mit Hüftprothesen und dritten Zähnen verbinden. Dann lieber mit Effizienz.

„Markenmoment“ heißt eine neue Rubrik in Capital. In der ersten Folge ging es um den Zwiebackhersteller Brandt und seine Suche nach einem neuen Packungsgesicht. 

Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


Artikel zum Thema
Autor
  • Bilderstrecke
Die 7 schönsten Flughafen‑Spas

Wer oft fliegt, muss auch mal ausspannen. Warum nicht direkt am Flughafen? Das sind die besten Airport-Spas.MEHR

  • Reportage
Depot - Mission Wachstum

Die Einrichtungskette Depot war ein kriselnder Familienbetrieb. Bis mit dem Schweizer Handelsriesen Migros der richtige Investor einstieg.MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.