• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Kolumne

Vernetzte Fahrräder

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: digitale Technik für das Fahrrad

Fahrradweg

Georg Dahm ist Journalist und Gründer des Wissenschaftsmagazins „Substanz“


Georg Dahm ist Journalist und Gründer des Wissenschaftsmagazins "Substanz". Für Capital schreibt er die Kolumne "Mein digitales Leben"


In diesem Sommer wähne ich mich öfters in einem Casting für die Darwin Awards. Seit über 20 Jahren geht dieser Preis an Menschen, die sich auf spektakulär dämliche Art selbst aus dem Leben und dem menschlichen Genpool befördert haben. Gern gesehen wird etwa das verdiente Frühableben durch fragwürdigen Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten oder wilden Tieren.

Oder Verkehrsmitteln. Was mich zu der Frage bringt: Ist es eine gute Idee, auf dem Fahrrad gesenkten Blickes SMS zu schreiben, vorzugsweise während man auf der falschen Seite fährt? Nein, ist es nicht, auch wenn dies derzeit eine populäre Fortbewegungsart darstellt – vor allem bei Frauen auf Hollandrädern, die offenbar dem Irrglauben anhängen, das Schleichtempo ihrer einhändigen Schlingerfahrt schütze sie vor Kontakt mit dem Gegenverkehr.

Nun würde ich niemals behaupten, ein Smartphone gehöre nicht aufs Fahrrad – mein Rad ist mein Dienstfahrzeug und braucht ein vernünftiges Cockpit. Weswegen ich einen USB-Port daran montiert und mit dem Dynamo verkabelt habe. So kann ich bei der Fahrt mein iPhone laden, das ich immer in einer Lenkerhalterung habe. Als Navigationsgerät. Und als Positionsmelder, denn gefühlte 98 Prozent aller Gespräche und SMS gelten ja dem Thema „Wo bist du und wann kommst du?“. Also kontaktiere ich vor jeder Fahrt meine Verabredung über „Glympse“: Diese App sendet laufend meine Position und die geschätzte Ankunftszeit, der Empfänger kann meinen Weg auf der Karte verfolgen. Und schon herrscht Ruhe über dem Lenker.

jede Ablenkung kann eine zu viel sein

Capital-Cover
Die Kolumne von Georg Dahm erscheint jeden Monat in Capital

Wer die nicht aushält und partout bei der Fahrt telefonieren muss: Das Bluetooth-Headset „Jabra Sport Wireless+“ passt unter Mütze und Helm und hält auch am schwitzigen Ohr (jabra.com.de, ca. 70 Euro). Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass jede Ablenkung eine zu viel sein kann, wenn man intakten Leibes ankommen will – dass Fahrräder am Verkehr teilnehmen, hat sich ja noch nicht flächendeckend in deutschen Autos herumgesprochen. Oder unter deutschen Stadtplanern, die offenbar nicht den energischen Velo-Gentleman mit Elf-Gang-Schaltung vor Augen haben, sondern den schwankenden Opa auf dem Klapprad.

Dabei sind Klappräder heute echte Geschosse, selbst Einsteigerräder wie das Tern Link (ternbicycles.com), das mehrere Verkehrsverbünde und der ADFC vermarkten: Seit ich zum ersten Mal so ein Ding auf einer Dienstreise am Bahnhof entfaltet habe, um zum Termin zu gleiten, fallen mir kaum mehr Gründe ein, warum ich mich noch mit Taxen, Bussen und Mietwagen herumschlagen soll.

Zumal das nächste Jahr endlich die Antwort auf die Frage bringt: Wo habe ich gestern vor dem geselligen Abend bloß mein Rad abgestellt? Die Antwort werden gleich mehrere Bluetooth-betriebene Fahrradschlösser mit GPS wissen, die im Winter auf den Markt kommen.

Sie selbst haben das Rad nach dem geselligen Abend ja wohl auch stehen lassen? Die Darwin Awards 2014 sind noch nicht vergeben.

Was der Markt hergibt

Laden
Mit „The Plug III“ lassen sich USB-kompatible Geräte wie das iPhone aufladen. An den Fahrraddynamo angeschlossen, sitzt das Gerät selbst dezent auf dem Steuerrohr
(supernova-lights.com, 159 Euro)

"Nüüd"-Schutz
"Nüüd"-Schutz

Halten

Smartphone-Halterungen für den Fahrradlenker gibt es Dutzende. Der „Nüüd“-Schutz für das iPhone ist wasser- und dreckdicht, trotzdem kann man direkt das Display berühren – und muss nicht auf einer Plastikhülle herumtatschen
(lifeproof.com, ca. 120 Euro mit Lenkerhalterung)

Sichern
Das solarbetriebene Bluetooth-Schloss „Skylock“ wird mit dem Smartphone geöffnet. Es meldet per App, wo das Rad steht, und schlägt Alarm, wenn jemand daran herumfummelt
(118 Euro, skylock.cc, ab Winter 2015)

Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe der neuen Capital herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


Artikel zum Thema
Autor
  • Mein digitales Leben
Mobile Pulsmesser

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: PulsmesserMEHR

  • Mein digitales Leben
Technik für draussen

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: Outdoor-Accessoires MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.