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Die USA gegen die Tabakindustrie

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller Skandale und Kämpfe. Capital erinnert an die besten. Diesmal: die Milliardenklage der USA gegen Big Tobacco

Jeffrey Wigand deckte auf, dass die Tabakkonzerne die Gesundheitsgefahren des Rauchens verheimlichen © Illustration: Jindrich Novotny / Foto: Reuters
Jeffrey Wigand deckte auf, dass die Tabakkonzerne die Gesundheitsgefahren des Rauchens verheimlichen

Rauchen verursacht Krebs. Raucher sterben früher. Jeder kennt die Hinweise auf den Zigarettenschachteln, die Bilder von schwarzen Lungen und abgefaulten Zehen. Tabak macht krank, Nikotin süchtig – kein Mensch würde daran zweifeln. Doch vor 20 Jahren noch war das anders. Die Tabaklobby leugnete jegliche Schädigung durch Qualmen.

Jeffrey Wigand änderte das. Der ehemalige Forschungsdirektor des Tabakkonzerns Brown & Williamson wandte sich 1996 an die Medien und ebnete den Weg zum größten Wirtschaftsprozess der US-Geschichte. Das, was er präsentierte, glich einer Bombe. Wigand legte Dokumente vor, die bewiesen, dass die Tabakindustrie nicht nur über die Schädlichkeit, sondern auch über die Suchtgefahr des Rauchens genau Bescheid wusste. Das war nicht alles: Er belegte zudem, dass den Zigaretten bis zu 600 Zusatzstoffe beigemischt werden, um das Suchtpotenzial zu erhöhen. Plötzlich galt die Tabakindustrie als kriminelle Vereinigung.

Immenser Imageschaden

Cover der neuen Capital
Aus Capital 3/2017

Ende 1998 unterzeichneten die vier größten Tabakkonzerne eine Vereinbarung, nicht mehr mit falschen Tatsachen zu werben. Doch Präsident Bill Clinton reichte das nicht. Die US-Regierung erhob Klage. Die Konzerne sollten für die Kosten der tabakbedingten Erkrankungen aufkommen. 2004 wurde der Mammutprozess eröffnet.

Für die Konzerne ging es um die Existenz. Die Staatsanwaltschaft forderte 742 Mrd. Dollar Wiedergutmachung. Präsident George W. Bush war von der Tabaklobby unterstützt worden. Die Summe wurde auf 280 Mrd. Dollar reduziert. Im August 2006 fiel das Urteil. Zwar sprach das Gericht die Tabakindustrie schuldig, „tödliche Produkte mit Eifer, Täuschung und ohne Rücksicht auf menschliche Tragödien und soziale Kosten“ verkauft zu haben. Strafzahlungen wurden nicht zugelassen. Es blieb bei 140 Mio. Dollar für die Übernahme der Gerichtskosten.

Der Imageschaden aber war immens. Das Urteil diente Zivilklagen von Rauchern als Grundlage. Der Konsum in westlichen Ländern sank deutlich. In Deutschland beispielsweise um fast die Hälfte in zehn Jahren. Trotzdem wird weltweit so viel gequalmt wie nie zuvor – wegen des Bevölkerungswachstums. So erklärt sich auch der jüngste Deal. Im Januar übernahm British American Tobacco (Lucky Strike) die restlichen Anteile des US-Rivalen Reynolds (Camel) – für knapp 50 Mrd. Dollar. Rauchen ist nicht nur tödlich. Sondern immer noch lukrativ.

Hauptperson

Jeffrey Wigand leitete vier Jahre lang die Forschungsabteilung des Tabakkonzerns Brown & Williamson (heute BAT). 1993 wurde der heute 74-Jährige entlassen. Drei Jahre später präsentierte er in der TV-Sendung „60 Minutes“ Unterlagen, die belegten, dass die Tabakindustrie das Gesundheitsrisiko durch Zigaretten verheimlicht. Der Skandal wurde in dem siebenfach Oscar-nominierten Streifen „The Insider“ verfilmt. Wigand lebt in Michigan und widmet sich seiner „Smoke-Free Kids“-Stiftung.

 

Western von Gestern erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Folgen: Der Kampf von LTU und Air BerlinDer AEG-Untergang, Die Parmalat-Pleite, Lada - der russische Volkswagen, Barilla übernimmt Kamps, Die Schlacht um den New Yorker Hafen, Daimlers teure Auto-Hochzeit, Merck gegen Merck, Das Ende der Neuen Heimat und Aufstieg und Fall der Citigroup

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