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US-Kanzlei ködert Mandanten für VW-Klage

, Monika Dunkel

Die US-Großkanzlei Hausfeld startet eine Online-Plattform für Diesel-Geschädigte, um Mandanten für ihre Klage gegen VW zu sammeln.

US-Kanzlei Hausfeld in Berlin © Paula Winkler
Feine Adresse: Hinter dieser Tür am Berliner Ku’damm bereiten die Anwälte der US-Kanzlei Hausfeld ihre Klagen gegen deutsche Konzerne vor – allen voran gegen VW

In der VW-Diesel-Affäre startet die US-Großkanzlei Hausfeld am Sonntag eine europaweite Online-Registrierungsplattform für Geschädigte, um Mandanten für ihre geplante Klage gegen den Konzern zu sammeln. VW-Besitzer, Betreiber von Autoflotten, aber auch Aktionäre könnten auf dieser Seite ihre Schadensersatzansprüche anmelden und an einen deutschen Rechtsdienstleister abtreten, sagte Christopher Rother, Statthalter der US-Kanzlei in Deutschland, Capital (Ausgabe 5/2016, EVT 21. April). „Damit können deutsche Kunden ihren Anliegen besser Gehör verschaffen, ohne teure Anwälte, Gutachter- und Gerichtskosten tragen zu müssen.“

In der VW-Diesel-Affäre vertritt die Kanzlei von US-Staranwalt Michael Hausfeld bereits Zehntausende Mandanten in Europa. In Deutschland vertritt sie bislang die Besitzer von 3000 VW-Dieselfahrzeugen. Die Kanzlei hatte VW eine Frist bis Ende März für ein Gespräch gesetzt, um über eine Entschädigung für europäische Kunden zu sprechen und einen Vergleich zu erzielen. Der Autobauer hatte die Frist allerdings verstreichen lassen.

Capital 05/2016
Die neue Capital erscheint am 21. April

Das Modell, das die US-Großkanzlei europäischen VW-Geschädigten anbietet, funktioniert so: Die Mandanten treten einen Teil ihrer Ansprüche im Erfolgsfall an einen Finanzinvestor ab, der die Klagen finanziert. So ein Geschäft mit Klagen und Gerichten war bisher in Deutschland verpönt, juristisch fast unmöglich und für Anwälte kaum lukrativ. Denn Sammelklagen sind eigentlich nicht erlaubt, und eine erfolgsabhängige Bezahlung von Anwälten ist hier – anders als in den USA – verboten. Hinzu kam, dass auch Unternehmen oft vor Schadensersatzklagen zurückschreckten, selbst dann, wenn sie durch ein Kartell erwiesenermaßen um Hunderte Millionen betrogen worden waren. Um künftige Geschäfte nicht zu gefährden oder von eigenen Fehlern abzulenken, verzichtete man lieber auf große Prozesse.

Mit dieser Haltung will Hausfeld in Deutschland jetzt aufräumen. Die Anwälte lassen sich die Ansprüche ihrer Mandanten übertragen und bündeln sie zu großen Summen. So kommt man über einen Umweg doch zu Sammelklagen – und macht im Erfolgsfall ordentlich Gewinn. Für das Verfahren mit VW, für die Finanzierung der Gutachten und der Online-Plattform hat Burford bereits 10 Mio. Euro locker gemacht.

Mit Blick auf einen sich abzeichnenden Vergleich zwischen Volkswagen und den zuständigen US-Behörden sagte Hausfeld-Deutschland-Chef Rother, Marschroute für das Vorgehen der Kanzlei gegen den Autokonzern in Europa seien die Verhandlungsergebnisse in den USA. Die europäischen VW-Kunden seien „keine Bürger zweiter Klasse“, sagte Rother. In den USA könnte es am Donnerstag zu einem Vergleich kommen, bei dem Volkswagen gegenüber den US-Behörden weitreichende Zugeständnisse macht.

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