• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Markenmoment

Wie Duravit das Klo digitalisieren will

, von Thomas Steinmann

Marken verändern sich. Sie müssen sich immer wieder neu erfinden. Der Badausrüster Duravit will vom Fitnessboom profitieren

Das Logo der Duravit AG ist am 09.01.2013 in Hornberg (Baden-Württemberg) am Design Center des Unternehmens neben einer üderdimensionalen Kloschüssel zu sehen © dpa
Duravit-Logo am Design Center des Unternehmens in Hornberg

Im Frühjahr bekam der Badausrüster Duravit Anfragen von unerwarteter Seite. Mehrere Arztpraxen und sportmedizinische Labore interessierten sich für das neueste Produkt der Firma aus dem Schwarzwald: ein intelligentes WC, das die Körperfunktionen seiner Benutzer misst – vom Glukosegehalt des Urins über den Anteil an weißen Blutkörperchen bis zum pH-Wert.

In vielen Praxen und Laboren sei bei Urinproben noch „Steinzeit“ angesagt, erklärt Duravit-Chef Frank Richter: Sie werden mit Röhrchen und Teststreifen genommen, die Ergebnisse müssen später in den PC getippt werden. Die Messung mit dem Biotracer, wie Duravit das Daten-WC nennt, sei hygienischer und präziser.

Dabei ist die smarte Toilette gar nicht in erster Linie für die Gesundheitsbranche gedacht. Mit dem Biotracer will das Unternehmen, das sich über die Jahre vom Sanitärkeramikhersteller zum Komplettanbieter für Designbäder entwickelt hat, von einem Lifestyle-Trend profitieren: Immer mehr Menschen messen ihre Körperfunktionen, um die dabei erhobenen Daten auszuwerten und ihre Fitness zu überprüfen.

60er-Jahre: Die Sanitärkeramikfirma Duravit erfindet die erste wandhängende Toilette

1987: Mit seiner Designserie fürs Bad schafft Duravit den Durchbruch als Global Player

2010: Das Unternehmen bringt ein papierloses Dusch-WC mit Fernbedienung auf den Markt

2017: Das Daten-WC namens Biotracer wird vorgestellt. Die Auslieferung beginnt 2018

„Uns ist klar geworden, dass wir da eine sehr gute Informationsquelle haben“, sagt Richter. Als Kunden hat der Ex-Investmentbanker Menschen vor Augen, die wissen wollen, ob ihr Fitnessprogramm wirkt und die Trainingsintensität stimmt. Das Daten-WC kann zehn verschiedene Werte analysieren, indem es einige Tropfen Urin in eine Kartusche mit Teststreifen leitet. Optische Sensoren scannen die Probe. Die Daten werden an eine App übertragen.

Endkundenpreis: zwischen 5000 und 6000 Euro

Capital 08/2017
Die aktuelle Capital

Schon vor einigen Jahren hat Duravit – wie auch Wettbewerber wie Villeroy & Boch und Geberit – Toiletten mit Elektronik und Software ausgerüstet. 2010 brachte das Familienunternehmen Dusch-WCs mit Fernbedienung auf den Markt. Die Luxusklos sind vor allem in Asien gefragt. Der „nächste Schritt“, dem Benutzer auch Informationen zu seiner Fitness zu liefern, sei da naheliegend gewesen, sagt Richter.

Anfang 2018 sollen die ersten Biotracer-Toiletten ausgeliefert werden. Endkundenpreis: zwischen 5000 und 6000 Euro. „Damit es sich rechnet, müssen wir kein riesiges Volumengeschäft machen“, sagt der Firmenchef. Bei seinen Designerserien verkaufe Duravit weltweit 50.000 bis 100.000 WCs. „Wenn davon eines Tages fünf Prozent Biotracer sind, dann ist das ein großer Erfolg.“

Im Vergleich zu anderen Firmen hat Richter den Vorteil, dass er die Markenerweiterung nicht benötigt, um ein schrumpfendes Kerngeschäft abzufedern. Duravit wächst. Zudem sieht er die millionenteure Entwicklung als Investition, die dabei hilft, den Trend zum smarten und vernetzten Haus auch im Bad zu bedienen. Zugleich hält sich Richter die Option offen, den Biotracer zum medizintechnischen Gerät mit weltweiter Zulassung weiterzuentwickeln. Dass es dafür einen Markt gibt, bewiesen ihm die Anfragen, die ihn nach der Vorstellung des Prototyps erreichten.


Unternehmen: Duravits Ursprünge liegen in einer 1817 gegründeten Steingutfabrik im badischen Hornberg, die Tischgeschirr herstellte. 25 Jahre später kamen Sanitärprodukte hinzu. Heute macht das Unternehmen, das sich 1960 in Duravit umbenannte und mehrheitlich in Familienbesitz ist, mit knapp 6000 Mitarbeitern einen Umsatz von 450 Mio. Euro.


Newsletter: „Capital- Die Woche“

Jeden Freitag lassen wir in unserem Newsletter „Capital – Die Woche“ für Sie die letzten sieben Tage aus Capital-Sicht Revue passieren. Sie finden in unserem Newsletter ausgewählte Kolumnen, Geldanlagetipps und Artikel von unserer Webseite, die wir für Sie zusammenstellen. „Capital – Die Woche“ können Sie hier bestellen:


Artikel zum Thema