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Und wie läuft’s im Job?

, Horst von Buttlar

Mögen Sie Ihren Job – ist er gar eine Erfüllung? Oder sind Sie genervt und frustriert? Dann sollten Sie schleunigst Ihr Leben ändern. Von Horst von Buttlar

Horst von Buttlar © Gene Glover
Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar

Statusfragen sind eine lästige Sache, und ich spreche jetzt nicht von Facebook. Zwischen den Jahren haben wir eine Frage vermutlich alle gehört: „Und wie läuft’s im Job?“ „Ganz okay“, sagen wir dann, oder: „Gut.“ Manchmal: „Super.“ Kleine Antworten, die nicht viel verraten. Und wenn wir dann zurückfahren, ins neue Jahr und den alten Alltag, dann spüren viele, dass sie über diese Frage lange gar nicht mehr richtig nachgedacht haben.

Läuft halt. Die Ich-Frage wird übertönt von Routine, vom Trott, von Denkfaulheit, vor allem aber von den Zwängen des Apparats: Haus, Auto, Urlaub, Kinder, muss ja alles unterhalten und finanziert werden.

Falls wir die Ich-Frage dann doch ein wenig hören, werden wir unruhig, fangen an, wie wild Sport zu treiben oder abzunehmen. Oder trinken vier Wochen keinen Alkohol.

Erfüllung oder Schmerzensgeld

Wenn wir 40 Jahre arbeiten und das im Schnitt 220 Tage pro Jahr, sind wir 8800 Tage im Büro. Das sind 70.400 Stunden (für unsere High Potentials mit Zwölf-Stunden-Tag inklusive Facetime: 105.600 Stunden).

Es gibt Menschen, die diese Zeit absitzen, sie haben keine Wahl. Zumal diese ständige Frage nach Ausgefülltsein historisch gesehen ein sehr abgehobenes Problem ist. Andere kassieren Schmerzensgeld, der Lohn ist so gut, da braucht es keinen höheren Zweck (aber regelmäßige Gehaltserhöhungen). Wiederum andere mögen ihren Job, sie sehen Sinn, sehen Ziele, haben Freude. Und für eine kleine Gruppe Auserwählter bedeutet die Arbeit nicht nur Spaß – sondern Erfüllung.

Capital 02/2016
Die neue Capital

Als ich einmal meinen Job verlor, fragte meine Frau: „Was machst du eigentlich, wenn du jetzt arbeitslos bist?“ „Das Gleiche“, sagte ich. Lesen, nachdenken, schreiben. Im Grunde also habe ich nur Glück, dass mich jemand dafür bezahlt. Das ist keine Leistung von mir, es ist ein Privileg. Dennoch denke ich, dass jeder viel dafür tun kann, die Ich-Frage besser zu hören.

In Michael Endes „Unendlicher Geschichte“ stand auf der Rückseite eines Amuletts, das der Held Bastian Balthasar Bux trug, der Satz: „Tu, was du willst.“ Bastian dachte zunächst, er sollte tun, wozu er Lust habe. Es ging aber darum zu erkennen, was der wahre Wille ist. Manche nennen diesen Willen auch Bestimmung.

Ich ziehe Berufung vor, weil das Wort Beruf darin steckt. Es ist wohl die Urfrage unseres Berufslebens. Ein Heer von Coaches und Autoren verdient damit viel zu viel Geld, sie aus uns rauszukitzeln.

Dabei klingt sie so einfach; im Kern gliedert sie sich wiederum in drei Fragen: Macht das, was ich tue, mir Spaß? (Auch bei Google gibt es langweilige Jobs.) Schätze ich das Unternehmen und das Produkt? (Es ist halt nicht sexy, Gartenerde herzustellen.) Und mag ich die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite? (Auch in einer Waffenfabrik gibt es nette Kollegen.) Man sollte mindestens zwei dieser Fragen mit Ja beantworten – oder schleunigst sein Leben ändern. Das soll kein Freibrief zum Durchdrehen sein; aber dass es geht, zeigen die Menschen in unserer Titelgeschichte. Die es, auch im hohen Alter, gewagt haben, ihr Leben zu ändern, um ihm neuen Sinn zu geben.

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