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Trump, der Revolverheld

, von Horst von Buttlar

Noch nie hat ein Präsident vor seiner Amtseinführung so viel Schaden angerichtet wie Trump - durch Drohungen, Erpressung und Eifer. Von Horst von Buttlar

Horst von Buttlar © Gene Glover
Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar

Stellen Sie sich vor, ein Kanzler ernennt Georg Funke, einst Chef der Hypo Real Estate, zum Finanzminister, Ex-Daimler-CEO Jürgen Schrempp zum Arbeitsminister, und Carsten Maschmeyer wird Minister für Verbraucherschutz. So in etwa muss sich die Mannschaft anfühlen, mit der der neue US-Präsident Donald Trump sein Amt antritt. Die Ansammlung von alten Generälen, Investmentbankern, Milliardären, CEOs und Gestalten, die aus den 90er-Jahren wiederauferstanden scheinen, ist verstörend – und das Kabinett hat im Grunde nur eine Chance: dass es die Welt noch irgendwie überrascht.

Seit Dezember beobachten wir staunend, dass Trump, der „den Sumpf trockenlegen“ wollte, nicht nur vorher die Frösche fragt – er bringt die Kröten selbst an die Spitze. Viele der Personen haben beeindruckende Karrieren hinter sich – aber kaum politische Erfahrung. Wie ausgerechnet diese Superelite Empathie und einen Plan für die „Abgehängten“ und den „Forgotten Man“ entwickeln soll, ist schleierhaft.

Nehmen wir Steven Mnuchin, den Finanzminister. Dass ein Mann von Goldman Sachs das Treasury führt, hat in den USA seit den 90er-Jahren beängstigende Tradition. Mnuchin aber war auch Chef der Bank One West, wo er sich als „König der Zwangsvollstreckungen“ einen Namen machte. One West, die früher Indy Mac hieß, hatte in der US-Immobilienkrise in Kalifornien eine unrühmliche Rolle gespielt.

Trump hatte nur einen lichten Moment

Capital 02/2017
Die aktuelle Capital

Wilbur Ross, der neue Handelsminister, 79 Jahre alt und 2,9 Mrd. Dollar schwer, hat eine komplexere Vergangenheit. Als Käufer von Pleiteunternehmen hat er Licht und Schatten produziert. Aber er ist eben kein ausgleichender Stratege; sondern, wie die „New York Times“ schrieb, ein „risikofreudiger Spekulant“. Dass Carl Icahn, ein erfolgreicher, aber skrupelloser Firmenjäger, Sonderberater für Wirtschaft wird, ist ein schlechter Witz. Und Trumps Chefstratege Stephen Bannon, ehemaliger Betreiber der Website Breitbart News, hat aus der Lüge jenes Geschäft gemacht, das Trump seit dem Wahlkampf zum Prinzip erhoben hat.

Trump, der über Twitter herumballert wie Jesse James im Saloon, hatte seit der Wahl nur einen lichten Moment – bei der Siegesrede. Noch nie hat ein President-elect schon vor seiner Amtseinführung so viel Schaden angerichtet, durch Drohungen, Erpressung und Eifer.

Wie nachhaltig wird der Trump-Boom sein?

Eine Volkswirtschaft in der Größe der USA baut viele Hunderttausend Jobs jedes Jahr ab – und Hunderttausende auf. Erfolglose Unternehmen verschwinden, andere gewinnen Marktanteile, neue Firmen und Innovationen entstehen.

Ein Politiker kann nur helfen, die Dynamik zu erhalten und den Rahmen zu setzen, dass mehr Jobs geschaffen als vernichtet werden. Wenn er sich um ein paar Hundert Stellen kümmert, verzettelt er sich in Symbolik – und Trump macht dies in einer neuen Qualität, weil er ein Klima der Angst schafft. Er wird Effekte erzielen, vielleicht einen Miniboom – aber wie nachhaltig wird der sein?

Wenn er sich jeden vorknöpft (bis auf Russland), wird auch Deutschland bald dran sein – er könnte unsere Exportüberschüsse angreifen. Die deutschen Auto- und Maschinenbauer sollten ihm schleunigst auf Twitter folgen.

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