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Technische Hassobjekte

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: Technik, die nervt

Fernbedienung
Wenn einen der Fernseher zur Verzweiflung treibt

Georg Dahm ist Journalist und Gründer des Wissenschaftsmagazins „Substanz“


Georg Dahm ist Journalist und Gründer des Wissenschaftsmagazins "Substanz". Für Capital schreibt er die Kolumne "Mein digitales Leben"


Eines Tages werde ich nach Hause kommen und meine Frau wird unseren Fernseher vom Balkon geworfen haben. Vielleicht komme ich ihr auch zuvor. Aber fliegen wird das Ding. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Es ist ein schöner Fernseher. Loewe. Ich kaufte ihn letztes Jahr in einem Anflug von Markenpatriotismus: Solidarität mit den tapferen TV-Schraubern aus Oberfranken. Er war, weil Einstiegsmodell, auch kaum doppelt so teuer wie die Konkurrenzmodelle, die ich im nächtelangen Testberichtestudium sondiert hatte. Das Bild ist gut. Aber die Bordsoftware ist die größte Katastrophe seit Windows 95. Wobei ich nicht mal sagen kann, was mich am meisten enerviert: das behäbige Tempo, die Abstürze oder die Zumutungen des Bedienkonzepts. Der eingebaute digitale Videorekorder zum Beispiel kann keine Sendung aufzeichnen, wenn eine DVD läuft. Das ist sehr praktisch.

„Meist ist ja gar nichts kaputt. Man ist nur zu blöd“, sagt das weise Beuteltier in Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“. Das stimmt. Aber manchmal hat man auch einfach nur unausgereiften Mist gekauft. Was man sich erst dann eingesteht, wenn die Rückgabefrist schon verstrichen ist und man dasitzt mit diesem Objekt, das man so unbändig hasst, wie man nur einen Computer hassen kann. (Zu Loewes Ehrenrettung sei gesagt: Ich kenne kaum jemanden, der seinen Fernseher nicht hasst, seit jeder Fernseher ein Computer ist.)

Nun ist Technikhass eine Kunst, die gepflegt werden will; eine differenzierte Betrachtung des Hassobjekts ist daher angezeigt:

Haben wir es mit einem Ding zu tun, das von vornherein eine Fehlkonstruktion war? Oder war erst ein Update Anlass des Hasses, weil es gewissermaßen aus dem schnurrenden Kätzchen einen furzenden Mops machte? In diese Kategorie fällt beispielsweise der unbändige Hass auf meinen Dell-Laptop, in dem seit dem Update auf Windows 8.1 ein technischer Balkankrieg tobt, bei dem der Dell-Kundendienst so erfolgreich agiert wie weiland die UNO.

Oder zürnen wir gar einem noch unreifen Produkt, dessen Hersteller uns zu unwillentlichen Beta-Testern macht? Mein aktuelles Hassobjekt dieser Kategorie ist der Brck (sprich: Brick), ein von Entwicklungshelfern entwickeltes UMTS-Modem für die Reise, das ich vor einem Jahr auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter bestellt habe. Auch hier an dieser Stelle war ich damals von der Idee ganz begeistert. Verzeihung! Denn: Nun ist es da, und nichts funktioniert wie beschrieben. Es erkennt etwa keine der SIM-Karten, die ich bisher hineingesteckt habe, die Bedienung ist ein Albtraum – und generell liefert es Grund zu der Annahme, dass Klaus Wowereit im Aufsichtsrat des Herstellers sitzt.

Comeback-Kids

Jawbone

Auch für größte Technikkrücken gibt es Hoffnung. Kaum auf dem Markt, galt das Schrittzählerarmband Up schon als erledigt: „Das Drecksding funktioniert nicht“, urteilten die Kunden. Hersteller Jawbone gab Geld zurück, peitschte vermutlich alle Ingenieure aus und kehrte mit einem Produkt zurück, das heute zu den führenden Fitnessgadgets gehört.

Lumia1020

Alles, was an Windows nervt, auf einem Winz-Bildschirm komprimiert: Windows Mobile, Microsofts erster Gehversuch auf Mobilgeräten, war ein Diamant der Unbenutzbarkeit. Heute ist Windows 8 mit seiner durchdachten Kacheloptik ein Smartphone-Betriebssystem, das ich auch Grobmotorikern empfehle

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