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Das war Kunst und ist jetzt weg

, Jens Brambusch

Ein skurriler Streit zwischen Frankfurter Clubbetreibern und der Deka um eine verschwundene Kunstinstallation geht in die nächste Runde. Mit neuen Zeugen soll die Version der Bank erschüttert werden

Die Rauminstallation des Clubs NuSoul © NuSoul
Die Rauminstallation des Clubs NuSoul

Der Streit zwischen Frankfurter Clubbetreibern und der Deka-Bank um eine verschwundene Installation des renommierten Künstlers Tobias Rehberger geht in die nächste Runde. Das Oberlandesgericht Frankfurt beschäftigt sich nun mit der Wiederaufnahme des Verfahrens. Streitwert: 2,95 Mio. Euro.  Das berichtet das Wirtschaftsmagazin „Capital“ in seiner aktuellen Ausgabe (Capital 05/2015). In erster Instanz wurde die Klage der Gebrüder Zeleke abgewiesen. Die Kläger präsentierten dem Oberlandesgericht nun neue Zeugen und Beweise, die angeblich belegen sollen, dass in erster Instanz Falschaussagen gemacht wurden. Ein Zeuge relativierte bereits seine Aussage aus dem Prozess.  Für die Deka bedeutet das eine Fortsetzung eines peinlichen Prozesses.

Einfach verschwunden

Aus dem Frankfurter Szene-Club NuSoul war nach einer Räumungsklage der Deka, der Besitzerin der Immobilie,  im Frühjahr Jahr 2012 die Rauminstallation verschwunden. Die hat laut der Kläger einen beträchtlichen Wert, denn sie wurde von  Tobias Rehberger entworfen. Rehberger ist Gewinner des Goldenen Löwen der Kunstbiennale in Venedig und Prorektor an der Städelschule. Er  hatte eine Installation aus Licht, Möbeln und Deko für den Club gestaltet – „aus Liebe zur Frankfurter Kulturszene und zuliebe den Herren Zeleke“, wie er sagte.

In dem Prozess geht es darum, ob die Gebrüder Zeleke, drei stadtbekannte Eventmanager äthiopischer Herkunft, binnen der Räumungsfrist versucht haben, die Installation abzubauen. Sie behaupten, sie hätten mehrmals versucht, Kontakt sowohl mit dem Hausmeister als auch dem Asset-Manager aufzunehmen, um einen Termin zu vereinbaren. Die beiden Zeugen bestritten jedoch vor dem Landgericht, dass es eine wie auch immer geartete Kontaktaufnahme gegeben habe. Der Richter glaubte ihnen.

"Dem Richter ins Gesicht gelogen"

Die Kläger behaupten, die Zeugen hätten „dem Richter ins Gesicht gelogen“. Und das wollen sie nun beweisen können. Durch Einzelverbindungsnachweise ihrer Telefone, die belegen sollen, dass sie mehrmals versucht haben, Kontakt aufzunehmen. Die Deka-Anwälte halten in einem Schreiben an das OLG dagegen, die Nachweise „müssen unrichtig sein“. Doch es gibt angeblich auch neue Zeugen, die die Zelekes binnen der Frist zusammen mit dem Hausmeister gesehen haben wollen. Capital liegen die schriftlichen Aussagen der Zeugen vor. Angesichts der neuen Lage rückt der Hausmeister von seiner ursprünglichen Aussage ab. In dem Schreiben der Deka-Anwälte heißt es: „Der Zeuge kann und will heute nicht mehr ausschließen, von irgendeinem der Kläger angerufen worden zu sein.“ Der Asset-Manager der Deka bleibe aber auch nach erneuter Befragung bei seiner Aussage.

Die Kläger glauben, dass die Kunst „unter der Hand“ verkauft worden sei. Und das solle vertuscht werden. So führen sie an, dass die Deka zwischenzeitlich behauptet hatte, die Installation sei an das Kulturdezernat der Stadt Frankfurt überreicht worden. Als die Stadt dies dementierte, entschuldigte sich die Deka für die entstandenen „Irritationen“. Dann tauchten Teile in einem anderen Club auf. Rehberger hatte sie identifiziert – und sich gewundert. Der Deka hatte er mitgeteilt, die Installation solle entweder an die Eigentümer zurückgegeben oder vernichtet werden. Aber keinesfalls in die Hände Dritter gelangen. Doch genau das war geschehen. Wie, das ist bis heute unklar.

Bank gibt sich optimistisch

Für Unmut bei der Deka sorgt zudem, dass die Zelekes eine enge Mitarbeiterin des Geschäftsführers der Deka Immobilien GmbH als Zeugin benannt haben. Sie soll nach Aussage ihres Schwagers Details über die Schließung des NuSoul an ihren Mann durchgestochen haben, der auch einen Club betreibt. Der Schwager behauptet, dass es kurz nach der Schließung eine Begehung unter der Leitung des Asset-Managers gegeben habe, angeblich „um das Interieur und die Kunstgegenstände“ zu verkaufen. Die Deka-Anwälte sagen: „Fakt ist, dass der Geschäftsführer zu keinem Zeitpunkt die Kunstgegenstände zum Kauf hat anbieten lassen.“

Ein Sprecher der Bank gibt sich optimistisch: „Die Vorwürfe der Kläger gegen die Deka sind falsch und deshalb hat das Landgericht die Klage zu Recht abgewiesen. Es steht der Gegenseite frei, dagegen Rechtsmittel einzulegen – auch die Berufung hat jedoch keinerlei Grundlage und wird keinen Erfolg haben.“

Die Fortführung des Prozesses vor dem OLG Frankfurt wird im Juni erwartet.


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