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Strassenökonom – der Türsteher

, Capital-Redaktion

Theorien sind kompliziert. Wirtschaft kann so einfach sein. Malow, Türsteher aus Hamburg, spricht über Verhandlungsführung

Malow Türsteher in Hamburg © Jens Bold
Malow, 37, gelernter Tischler, arbeitet seit über zehn Jahren im Nachtleben des Hamburger Schanzenviertels – lange genug für einen eigenen Künstlernamen

„Einmal hat einer ein ganzes Magazin auf die Tür gefeuert. Der war nicht reingekommen. Die Schüsse haben zum Glück niemanden getroffen. Als wir Jungs registriert haben, dass sein Magazin leer ist … nun, dann hat das seinen Lauf genommen. Aber dass die Faust fliegt, ist das letzte Mittel.

Angst darf man keine haben. Du musst Autorität ausstrahlen. Das geht mit einem zornigen Blick, aber auch mit einem Grinsen. Ich finde, ein flotter Schnack ist besser.

Es gibt Diskutierer, die hast du zwei Stunden an der Backe. Bringt nichts. Du kannst dich nicht in den Club labern. Rein kommt, wer gut drauf ist, wer einfach Spaß haben will. Wenn er dann noch nett ,Guten Abend‘ sagt … Türke, Deutscher, Afrikaner, mir völlig egal.

Man sollte jeden mit Respekt behandeln. Ich will niemanden als Idioten dastehen lassen. Stell dir mal vor: Kommt einer, der hier im Viertel selber einen Laden hat. Eine Frau links, eine rechts. Wenn der sagt: ,Ich will rein‘, und ich antworte: ,Junge, zieh mal weiter‘ – dann schwöre ich dir, der steht eine halbe Stunde später wieder vor mir. Ohne seine beiden Frauen, aber mit zwei Kollegen.

Da musst du Feingefühl haben. Du darfst ihn nicht bloßstellen in seinem Mackergehabe. Nimmst ihn beiseite: Lass uns mal kurz schnacken. Heute ist Hippie-Party, was willst du da mit deinen blondierten Mädels? Da wird nicht mal Champagner gesoffen! Das kapieren die schnell.

Den Jungs sofort den Wind aus den Segeln nehmen, das ist die Kunst. Einmal kam einer – völlig unter Strom. Ich schüttle den Kopf. Er flippt aus: Ich hab Geld in der Tasche, ich kann den ganzen Laden kaufen! Da habe ich nur gesagt: Sag mal, willst du ’nen Kaffee? Ich glaube, du brauchst einen. Bringe ich ihm also ’nen Kaffee. Das konnte der gar nicht fassen.“

Türsteher-Ticker

Private Sicherheitsdienstleistungen boomen: 4000 Unternehmen mit 175.000 Mitarbeitern erwirtschafteten 2011 in Deutschland einen Umsatz von 4,8 Mrd. Euro. +++ Schon das Alte Testament erwähnt „Torhüter“, die den Tempel bewachten. +++ Sven Marquardt, legendärer Türsteher des Berliner Technoclubs Berghain, hat auf Facebook 8354 Fans. +++ Auch Jorge Mario Bergoglio arbeitete einst als Rausschmeißer in einer Bar in Buenos Aires. +++ Heute ist er besser bekannt als Papst Franziskus.

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