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Strassenökonom – der Radmechaniker

, Capital-Redaktion

Theorien sind kompliziert. Wirtschaft kann so einfach sein. Der mobile Radmechaniker Norbert Winkelmann spricht über Auftragsmanagement.

Radmechaniker Norbert Winkelmann © Urban Zintel
Norbert Winkelmann, 49, startete vor zehn Jahren den mobilen Reparaturservice Radambulanz. Er muss immer mehr Aufträge managen.

„Ich habe heute schon 50 Fahrradkilometer hinter mir: erst ein platter Reifen in Kladow im Westen, dann eine Reparatur im Bezirk Mitte im Osten und jetzt ein Ritzel austauschen in Moabit im Norden. Das sind drei Aufträge, für die ich gut drei Stunden unterwegs war. Da komme ich auf keinen angemessenen Stundenlohn.

Meine Aufträge besser zu organisieren ist fast unmöglich. Kunden rufen mich auf dem Handy an und wollen ganz oft: heute noch. In der Innenstadt geht das tatsächlich häufig. Sind ja meist Kleinigkeiten – ein Platten oder gerissene Bremszüge.

Wenn ich es etwa schaffe, drei Termine in Mitte hintereinanderzulegen, verdiene ich richtig gut. Letztes Jahr habe ich die Anfahrtspauschale von sechs auf zehn Euro erhöht. Auch, um die Nachfrage zu reduzieren. Die Arbeit wird jedes Jahr mehr – so wie der Fahrradverkehr. Früher haben die Leute Platten selbst geflickt. Heute rechnen sie das durch und sagen: Ich verdiene 60 Euro die Stunde, ich ruf einen an, der es für die Hälfte macht.

Mehr als 90 Kilometer an einem Tag hatte ich noch nicht. Wenn ich fahre und auf den Tacho gucke, steht da meistens was um die 20 km/h. Bergauf natürlich langsamer. Aber so schaffe ich schon ein paar Aufträge.

Als ich vor zehn Jahren anfing, war meine Radambulanz der einzige mobile Fahrradservice in Berlin. Heute gibt es noch drei weitere und einen, der es mit dem Auto macht. In Berlin könnten locker zehn durch die Gegend fahren. Ich fände es toll, wenn weitere Mitstreiter kämen. Schön wäre, wenn wir eine gemeinsame Telefonnummer hätten und anbieten könnten, binnen einer halben Stunde überall zu sein. Aber die anderen sind wohl auch solche Zwangsindividualisten wie ich. Wir können uns nicht mal auf einen einheitlichen Preis für einen Platten einigen.“

Fahrrad-Ticker

Im indischen Kalkutta sind Fahrräder verboten. +++ Wer sich in Münster bekifft in den Sattel schwingt, riskiert ein bundesweites Radfahrverbot. +++ Das Rad des Franzosen François Gissy beschleunigt in acht Sekunden auf 263 km/h. +++ Dank Raketenantrieb. +++ Die deutsche StVO verbietet das Anbringen von Hupen an Rädern, sagt jedoch nichts über die Montage einer Hupe am menschlichen Körper. +++ Sowjetische Soldaten klauten einst der jungen Angela Merkel beim Beerenpflücken das Rad.

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