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Strassenökonom – der Gürtelmacher

, Capital-Redaktion

Theorien sind kompliziert. Wirtschaft kann einfach sein. Jon Wye, Gürtelmacher aus Washington, über Kostenrechnung

Jo Wye © Sabine Muscat

Jon Wye, 34, arbeitet für das Design seiner Gürtel mit 22 Künstlern aus der ganzen Welt zusammen. Sie entwerfen die Motive, von klassischen Streifen bis hin zu Aliens und Zombies. Wye selbst hat eine Maschine entwickelt, die die Farbe in die Gürtel tätowiert.

„Als ich 2004 in der Garage meiner Eltern in Washington anfing,  bedruckte Gürtel herzustellen, hatte ich keine Ahnung von Kostenrechnung. Ich gab einfach nur Geld aus, kaufte munter Material und Maschinen, bis mein Vater sagte: Jetzt musst Du mal was verdienen. Das hörte ich gar nicht gerne, denn ich sehe mich  mehr als Künstler. Wie das ausgeht, habe ich allerdings bei Freunden gesehen, die sich selbstständig machten und pleite gingen. Das Geschäft muss sich rechnen, und das geht erst ab einer bestimmten Menge.

Die Herstellungskosten für einen Gürtel lagen anfangs bei rund 16 Dollar, meine Arbeit nicht eingerechnet. Das lief eine Zeit sehr gut, denn ich kann die Dinger für rund 30 Dollar an Händler verkaufen. Auf dem Eastern Market, dem beliebten Kunsthandwerkmarkt auf dem Capitol Hill, sogar für über 60 Dollar.

2009 bin ich aus der Garage meiner Eltern ausgezogen und habe einen Keller gemietet. Dann habe ich noch meinen Kumpel Jeff mit ins Geschäft geholt. Auf einmal hatte ich viel höhere Kosten und musste sehen, dass ich an meinen Gürteln mehr verdiene. Also habe ich meine Maschine weiterentwickelt. Früher konnte sie nur zwei bis drei Gürtel gleichzeitig bedrucken, nun schafft sie neun Stück. Mit einem Chemiker habe ich einen Lack entwickelt, der in einer Stunde trocknet statt wie früher in zwei bis drei Tagen.

Weil ich  mehr Gürtel produziere, bekomme ich bessere Konditionen für Leder und Lack.  So konnte ich meine Kosten pro Gürtel auf 10 Dollar senken. Das gibt mir Freiheit für Neues. Neuerdings mache ich Damen-Clutches, Gitarrenbänder und kleine Ledertaschen für Kondome.“

Gürtelmacher-Ticker

Als Teil der Cowboy-Mode wurden Gürtel durch die frühen Hollywood-Western bekannt +++ Im Mittelalter dienten Gürtel der Befestigung von Gegenständen wie Schwertern, Almosenbeuteln oder Essutensilien +++  In der modernen Herrenmode lösten Gürtel in den 1920er Jahren die Hosenträger ab +++ In den USA gibt es heute rund 6500 Lederwarenhersteller. Fast 90 Prozent der Nachfrage nach Gepäck und anderen Lederwaren werden durch Importe aus Ländern wie China und Vietnam gedeckt +++ Im Zuge der Finanzkrise fiel die globale Nachfrage nach Rohleder um bis zu 30 Prozent. Seit 2010 hat sie wieder angezogen.

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