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Strassenökonom – der Friseur

, Capital-Redaktion

Theorien sind kompliziert. Wirtschaft kann einfach sein. Rasidi Panwi, Friseur aus Singapur, über staatliche Interventionen

Rasidi Panwi © Edwin Koo
Rasidi Panwi, 66, hat neben der Regulierung im autoritären Singapur noch ein weiteres Problem: In seiner Gegend ist die Konkurrenz von Friseuren aus Thailand groß – und die arbeiten teils für die Hälfte seines Preises

„Ich bin seit 1967 Friseur. Die ersten 25 Jahre habe ich auf der Straße gearbeitet. Ein Stuhl aus Bambus, ein Spiegel, das war’s. Ich stand damals mitten im Zentrum, in der Bugis Street. Eine sehr geschäftige Straße.

Zu jener Zeit war das Überleben einfacher als heute: Für einen Haarschnitt habe ich nur 1,50 Singapur-Dollar genommen, knapp 90 Euro-Cent. Aber das Leben war billig, und ich musste keine Ladenmiete zahlen. Alles, was ich verdiente, war meins. Das waren die guten Tage!

Cover der neuen Capital
Die neue Capital, jetzt im Handel

Doch dann wollte die Regierung nicht mehr, dass Leute auf der Straße arbeiten. Stattdessen haben sie mir also einen Laden zugewiesen. Um ein Ladengeschäft zu betreiben, brauchst du eine Lizenz. Die kriegst du aber nur, wenn du dich regis­trieren lässt und in die Krankenver­sicherung einzahlst. Mehr Regeln, höhere Kosten.

Heute berechne ich 7 Dollar pro Haarschnitt. Das muss ich auch: An schlechten Tagen kommen nur zehn Kunden, aber der Laden kostet 2 000 Dollar im Monat! Ich arbeite sieben Tage die Woche. Nur an Hari Raya Puasa, so nennen wir Malaien das Fest des Fastenbrechens, nehme ich mir frei. Trotzdem reicht es manchmal nicht für die Miete.

Bald wird es noch schwieriger: 2015 werde ich geräumt. Die Regierung hat den gesamten Block an einen Immobilienentwickler verkauft. Der wird alles abreißen und hier moderne Apartmenthäuser hochziehen. Ich mache trotzdem weiter. Falls ich mir kein eigenes Geschäft mehr leisten kann, werde ich mich bei einem anderen Friseur einmieten.

Wie ich das alles finde? Tja, wir sind hier in Singapur. Also: Kein Kommentar.“

Friseur-Ticker

In Deutschlands knapp 80 000 Salons arbeiten rund eine Viertelmillion Friseure. +++ Beziehungsweise Friseurinnen: Rund 90 Prozent von ihnen sind Frauen. +++ Unterbezahlt? Es geht auch anders. +++ Am 29. Oktober 2007 kassierte der Londoner Coiffeur Stuart Phillips 8 000 Pfund für einen Haarschnitt. +++ Weltrekord! +++ François Haby, Hoffriseur von Kaiser Wilhelm II., war nebenbei erfolgreicher Kosmetikunternehmer. +++ Zu seinen Verkaufshits gehörten die Pomade „Donnerwetter – tadellos!“ und das Damenshampoo „Ich kann so nett sein“. +++ Schutzpatronin der Branche ist Maria Magdalena, die Begleiterin Jesu.

Der Straßenökonom erscheint jeden Monat in der Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe der neuen Capital herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


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