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Staat soll Banken sanieren

, Timo Pache

Der Bonner Ökonom Martin Hellwig glaubt nicht an Gläubigerhaftung. Entsprechende EU-Regeln seien "unrealistisch".

Martin Hellwig © Getty Images

Nach Ansicht des Bonner Ökonomen und Bestseller-Autors Martin Hellwig werden auch in künftigen Finanzkrisen Staaten und damit die Steuerzahler für marode Banken einstehen müssen. "Ohne den Staat wird es nicht gehen“, sagte Hellwig im Interview. Das Prinzip aus der europäischen Bankenunion, dass zuerst die Gläubiger einer Bank mit ihren Einlagen und Forderungen für deren Sanierung herhalten sollten, sei „im Prinzip gut, aber unrealistisch“. Letztlich könne nur der Staat eine große und international vernetzte Bank sanieren oder abwickeln. "Dass in all den neuen Regeln immer so getan wird, als brauche man den Staat nicht, das halte ich für Selbstbetrug“, sagte Hellwig.

Angeschlagene Banken gleich verstaatlichen

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Das deutsche Modell, angeschlagenen Banken faule Kredite abzunehmen und diese wie im Fall der HRE über so genannte Bad Banks abzuwickeln, sei ein Fehler, so Hellwig. Aus Angst vor dem Vorwurf der Verstaatlichung wähle Deutschland damit stets den teureren Weg: Der Preis bei der Übergabe fauler Papiere an die Bad Bank sei „meist zu hoch, so dass die Banken auf Kosten des Steuerzahlers einen Reibach machen“. Stattdessen sollte auch der deutsche Staat im Notfall eine angeschlagene Bank lieber gleich verstaatlichen und notfalls abwickeln.

Der profillierte Bankenkritiker, der 2013 mit der US-Ökonomin Anand Admati den Bestseller „Des Bankers neue Kleider“ veröffentlicht hatte, sagte, gerade der europäische Bankensektor habe seit 2008 nur geringe Fortschritte bei der Bewältigung der Kirse gemacht. So hätten die Banken nach wie vor zu wenig Eigenkapital und könnten wegen des scharfen Wettbewerbs keine Gewinne machen. Zudem hätten viele Banken ihre Verluste aus faulen Kreditgeschäften noch nicht ordentlich bilanziert: „Ich glaube, dass es immer noch etliche Leichen in den Bilanzen gibt. Die Krise ist noch nicht abgearbeitet.“

Das komplette Interview lesen Sie in der September-Ausgabe von Capital. Hier können Sie sich ab dem 18. August die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


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