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Spediteure klagen gegen Lkw-Hersteller

, von Monika Dunkel

Verbotene Preisabsprachen: Die Transport- und Logistikbranche bereitet eine Milliarden-Schadensersatzklage gegen Lkw-Hersteller vor

Von 1997 bis 2011 haben die Lkw-Hersteller ihre Preise untereinander abgesprochen © dpa
Von 1997 bis 2011 haben die Lkw-Hersteller ihre Preise untereinander abgesprochen

Die Hersteller Daimler und MAN müssen sich wegen des Lkw-Kartells auf Schadensersatzklagen aus ganz Europa in Milliardenhöhe einstellen. Denn die Transport- und Logistikbranche mobilisiert derzeit EU-weit über ihre Verbände Tausende geschädigte Unternehmen, die gemeinsam klagen wollen. Wie Capital in der neuen Ausgabe berichtet (Ausgabe 5/2017; EVT 20. April), ist die US-Kanzlei Hausfeld nach Angaben ihres deutschen Juristen Christopher Rother bereits von den maßgeblichen Lkw-Branchenverbänden aus den sechs EU-Staaten Deutschland, Niederlande, Schweden, Dänemark, Tschechien und einzelne Regionen Frankreichs mandatiert. Weitere Länder planten, sich anzuschließen. „Damit steigen die Chancen, dass die Lkw-Hersteller nach dem höchsten Bußgeld in der Geschichte der EU auch den höchsten Schadensersatz zahlen müssen“, so Rother gegenüber Capital.

Capital 05/2017
Die neue Capital erscheint am 20. April

Das Kartell, bei dem sechs Hersteller ihre Lkw-Verkaufspreise abgesprochen haben, lief von 1997 bis 2011. Die EU deckte die Absprachen 2011 auf und verhängte eine Rekordstrafe von knapp 3 Mrd. Euro gegen Daimler, Iveco, DAF und Volvo/Renault. Die VW-Tochter MAN kam als Hinweisgeber ohne Bußgeld davon, was sie aber nicht vor Schadensersatzforderungen schützt.

Während der Zeit des Kartells waren in der EU rund zehn Millionen Lkw verkauft worden. Allein in Deutschland dürften 1,1 Millionen Schwerlaster betroffen sein. Die Höhe des Schadens ist strittig. Die Kanzlei Hausfeld geht von mindestens 50 Mrd. Euro aus. Dabei kalkuliert sie mit einem durchschnittlichen Schaden pro Lkw von rund 5000 Euro. Andere Kanzleien und deren Gutachter gehen bereits von höheren Summen aus. Die EU macht keine Angaben zur Schadenshöhe bei den Lkw-Abnehmern.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), der 7000 Unternehmen vertritt, organisiert derzeit Roadshows in 20 Städten. Zielgröße für die Klage: mindestens 100.000 betroffene Lkw. Der BGL hatte eine außergerichtliche Einigung versucht, war aber bei den Herstellern abgeblitzt.

Den Kunden sei kein Schaden entstanden, heißt es bei MAN und Daimler auf Anfrage. Beide setzten darauf, dass die Idee der Schadensersatzklagen im Sand verläuft, so Rother. Außerdem spekulierten sie auf die Verjährungsfrist, die für einen Teil des Schadens Ende des Jahres abläuft.

Die neue Capital erscheint am 20. April. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon


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