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Sollte Uber verboten werden?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt.  Diesmal geht es um den Fahrdienst Uber.

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
es ist ein beklemmendes Schauspiel, welchen Eifer staatliche Behörden an den Tag legen, um die Freiheit wirtschaftlicher Subjekte zu beschränken. Da gibt es ein Unternehmen namens Uber, das den überregulierten Fahrdiensten eine gesunde und lang ersehnte Konkurrenz entgegenstellt. Und was geschieht? Weltweit gehen Städte gegen Uber vor. Beamte dürfen also entscheiden, wer wen befördert, und nicht der Markt. Das muss doch auch Ihnen, der sicher nach dem Feiern gern fremde Fahrer in Anspruch genommen hat, gegen den Strich gehen.
Ihr F. A. Hayek

Sehr geehrter Herr Hayek,
dass Sie einem aggressiven Unternehmen die Stange halten, wundert mich nicht. Ebenso verständlich ist es aber, wenn sich Gesellschaften gegen solche vermeintlich Segen bringenden Dienstleistungen zur Wehr setzen. Dieses Uber (fehlt da nicht ein Umlaut?) mag ja einigen Geschäftsleuten zu Gewinnen verhelfen. Zugleich aber zerstört es Hunderttausende Arbeitsplätze im Taxigewerbe. Es vernichtet also Kaufkraft, und zwar gerade unter Geringqualifizierten. Nur damit ein Herr Hayek und seinesgleichen bequemer zur Bibliothek kommen.
Ihr John Maynard

Capital 08/2015
Die neue Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
gering qualifizierte Beschäftigte? Es wäre interessant zu prüfen, wie viele Promovierte und künftige Außenminister als Fahrer ihren Dienst tun. Und woher wissen Sie, dass es zum Verlust von Arbeitsplätzen käme? Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein von strangulierenden Regularien befreiter Markt am Ende deutlich mehr Menschen in Lohn und Brot brächte als ein staatlich geschütztes Fahrerkartell.
Ihr F. A. Hayek

Oh Hayek,
Sie hängen wieder einmal einem Markt-Ideal an, das sich so nicht aufrechterhalten lässt. Es ist doch schon lange offenkundig, dass Uber und vergleichbare Unternehmen nur relativ wenig zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen – und auch nur in geringem Maß neue Arbeitsplätze schaffen. Ihr Bild von einer kreativen Wirtschaft ist zu einfach. Sie haben zu viel Schumpeter gelesen. Zerstörung ist manchmal eben einfach nur Zerstörung.
Ihr John

Sehr geehrte Herren,
einen Moment bitte! Ich habe bis jetzt geschwiegen, aber nun, da Sie meinen Namen ins Spiel bringen, muss ich mich doch zu Wort melden. Wir sprechen hier natürlich von einem Prozess der „schöpferischen Zerstörung“. Alte Strukturen müssen vergehen, damit auf ihren Trümmern neue entstehen können. Das ist überhaupt nichts Neues in der Wirtschaftsgeschichte. Und vor allem wird niemand es aufhalten können.
Joseph Schumpeter

Ach Du meine Güte,
noch ein Österreicher. Ich bin raus.
Keynes

 

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