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Sollte Russland bestraft werden?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Capital führt den Streit fort. Diesmal: Sollte Russland mit Wirtschaftssanktionen belegt werden?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
anders als bei Ihnen ist es ja eigentlich nicht meine Art, mich ungefragt selbst zu loben. Aber ich muss doch einmal feststellen, dass ich prognostisch richtiggelegen habe. Russland wird, nachdem seine Führung es auf Rückkehr zur Staatswirtschaft getrimmt hat, Schritt für Schritt autoritärer und aggressiver. Eine solche Entwicklung ist zwangsläufig, wie ich schon 1944 in meinem Buch „Der Weg zur Knechtschaft“ dargelegt habe: „Sozialistisches Planen schafft einen Zustand, in dem sich die totalitären Kräfte durchsetzen.“
Ihr F. A. Hayek

Mein lieber Hayek,
wir sind uns einig, dass wir beide wenig Sympathie für diesen russischen Machthaber haben, der mit seinem Gebaren eher in die unsrige als in die moderne Zeit gehört. Eine Frage interessiert mich aber brennend: Als Verfechter der freien Marktkräfte – wie halten Sie es mit verschärften Wirtschaftssanktionen gegen Russland?
Ihr gespannter John Maynard

Capital 07/2014
Die neue Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
die westliche Welt wird um Sanktionen nicht herumkommen. Wir sprechen ja nicht davon, Mauern zwischen funktionierenden Marktwirtschaften aufzubauen. Es geht darum, ein auf Expansion angelegtes, staatlich gelenktes System in seine Schranken zu verweisen. Und so jene Kräfte des Marktes zu stärken, denen dort die Luft zum Atmen fehlt.
Ihr F. A. Hayek

Hayek,
Sie vernachlässigen die realökonomischen Folgen. Sanktionen treffen nicht nur die russische Wirtschaft, sondern auch Branchen in den westlichen Ländern. Am Ende geraten alle in eine wirtschaftliche Spirale nach unten. Das haben wir schon einmal gesehen in der Geschichte. Ich habe schon nach den Verträgen von Versailles vor den verheerenden ökonomischen Folgen fürs Deutsche Reich und andere Länder gewarnt. Aber auf mich wollte ja niemand hören.
Herzlich, Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
es war zu erwarten, dass Sie es nicht lassen können, Ihre historische Rolle hier noch einmal zu erwähnen. Und Sie haben ja im Prinzip nicht unrecht, Sanktionen sind ein problematisches Mittel. Hier aber sind sie Ersatz für militärisches Eingreifen, woran Ökonomen eigentlich immer gelegen sein sollte. Im Übrigen hat ja auch Ihre Gattin, Frau Lydia Lopokova, einst ihr Heimatland Russland verlassen – wohl, weil sie dort keine Perspektiven mehr sah.
Ihr F. A. Hayek

Herr Hayek,
ausnahmsweise muss ich mich in die Korrespondenz meines Mannes einmischen. Ein für alle Mal möchte ich mir verbitten, in Ihre kuriosen Debatten hineingezogen zu werden, zumal wenn sie mein Heimatland Russland betreffen. Ich war Künstlerin und möchte als solche der Nachwelt in Erinnerung bleiben. Der Rest ist Schweigen.
Lydia Lopokova

 

Hayek vs. Keynes erscheint monatlich in der Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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