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Sollte man Roaming-Gebühren verbieten?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Sollte man Roaming-Gebühren verbieten?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
ich frage Sie ja nur ungern um Rat, aber vielleicht können Sie mir als englischer Muttersprachler mit einer kleinen Vokabel aushelfen. Was genau bedeutet eigentlich „roaming“?
Ihr F. A. Hayek

Mensch, Hayek!
Ich helfe Ihrem Wissen doch immer gern auf die Sprünge. „To roam“ bedeutet streunen oder herumtreiben, etwas, was ich, nun ja, in jungen Jahren auch gern getan habe. Ein Verhalten, das übrigens Grundbedingung für eine gesunde Güternachfrage ist. Aber warum fragen Sie?
John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
es ist offenbar so, dass dieser Begriff heute auch für Telefongespräche benutzt wird. Ich las, die stets zu Eingriffen neigende Europäische Union wolle „Roaming-Gebühren“ verbieten. Gemeint sind die Preise, die Menschen entrichten, wenn sie im Ausland mittels dieser tragbaren Telefone kommunizieren. Ja, was kann man denn da verbieten? Wenn ich von London nach Wien telegrafiert habe, war das auch stets ein teurer Spaß.
Ihr F. A. Hayek

Capital 07/2015
Die neue Capital

Ah, Herr Hayek,
ich hätte wissen müssen, dass sich wieder eine Grundsatzfrage hinter Ihrer Bitte verbirgt. Der Fall ist doch einfach: Telefonieren im Ausland ist immer noch teurer, obwohl es für die Unternehmen praktisch mit keinerlei höheren Kosten verbunden ist. Da-gegen vorzugehen ist doch sinnvoll.

Ihr John

Sehr geehrter Herr Keynes,
es gibt private Telefongesellschaften, die Gebühren verlangen. Es gibt Kunden, die offenkundig bereit sind, diese zu entrichten. Es existiert also ein Preis für eine Dienstleistung. Mir ist unbegreiflich, warum eine Institution sich anmaßt, diese Gebühren einfach zu untersagen. Oder auch nur zu bestimmen, dass sie zu hoch, zu niedrig oder sonst irgendetwas sind.
Ihr F. A. Hayek

Hayek,
es ist eindeutig, dass wir es hier mit einem Versagen des Marktes zu tun haben. Ein Oligopol von Unternehmen verlangt unterschiedliche Preise für die gleiche Leistung an verschiedenen Orten – einfach weil es dies tun kann. Damit wird auch der freie Warenfluss behindert, an dem gerade Ihnen stets gelegen ist. Das ist doch ein Unding.
Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
nein, das nennt man Marktwirtschaft! Die Europäische Union, die ja nicht einmal ein richtiger Staat ist, ist es doch, die hier den Fluss behindern will. Ich habe ja schon früh geschrieben: „Man muss sich nur die Probleme vor Augen führen, die ökonomisches Planen bereits für ein Gebiet wie Westeuropa mit sich bringt, um zu verstehen, dass es keine moralische Grundlage für ein solches Vorhaben gibt“ (Hayek, 1944). Ich würde Ihnen das auch am Telefon vorlesen. Aber das ist mir wirklich zu teuer.
Ihr F. A. Hayek

 

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